Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 49 (2.12.1927)
- Date
- 1927-12-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 H DIE WAHRHEIT zweigen beliebig bis zu ihrem gänzlichen Ausschluß von den ftoclischuleh gegen die Juden ausgespielt werden. Die liberalen Kreise haben von der Regierung natürlich die gänzliche Aufhebung jeder Beschränkung der Hochscbülerzahl verlangt, worauf sie zur Antwort bekamen: Ja, das geht nicht, das kleine Ungarn verträgt nicht so viel Intellektuelle! Dabei werden die Hochschulen immer weiter ausgebaut! Und nun ist selbst diese vermeintliche Abänderung, die keine Besserung gebracht hätte, auf das Drängen der „erwachenden" Studenten faHeü gelassen worden. Es bleibt also alles beim Allen. Diesem S^wkdel darf der Völkerbund nicht aufsitzen,' der doch nicht die papierene Gleichberechtigung der Mmderh^ftefl anstrebt " und sich durch derartiges Pharisäertum nicht iii*efujire$ lasseji kah% ohne sich lächerlich zu machen. - -,- •- ■ ■ - 41 Die Ruhe und Ordnung an den ungarischen Hochschulen, um deren Wiederherstellung die Regierung sich seit zwei Wochen mit Erlässen und Parlamentsredeh vergeblich bemühte, ist auf einmal auf ein Machtwort des Generals der ungarischen Rassenschützler, des Abgeordneten Julius G ö m b ö s, so ziemlich wieder hergestellt worden. An sämtlichen Hochschulen nicht nur in Budapest, sondern auch in der ganzen Pro-, vinz, können die jüdischen Studenten wieder unbehindert an den Vorlesungen teilnehmen, ohne daß die völkischen Burschenschafter auch nur den leisesten Versuch unternehmen, ihre jüdischen Kommilitonen zu insultieren oder vom Studium fernzuhalten. Was war die Ursache dieses plötzlichen Waffenstillstands? Gömbös geriet «in den Wandelgängen des Abgeordnetenhauses in einen Wortwechsel mit dem bekannten demokratischen Abgeordneten Karl Rassay. Gömbös sagte, daß er selbst die Ausschreitungen an der Universität mißbillige. Rassay replizierte, wenn dem so sei, so möge Gömbös zeigen, daß er imstande ist, seiner persönlichen Auffassung' im nationalistischen Lager Geltung zu verschaffen. Gömbös versprach dies feierlich und hat auch Wort gehalten. Herr Gömbös, der kommandierende General der nationalistischen Kampftruppen, hat es aber sehr leicht, sein Ehrenwort za. geben, daß er den Kampf abblasen werde. Nach gewonnener Schlacht pflegt man nicht mehr zu schießen, sondern Siegesfeiern zu halten. ■": m Im Zusammenhange damit sei noch auf eine Angelegenheit kurz eingegangen, die auch in Wiener Blättern besprochen wurde. Ludwig Hart stein, einer der bedeutendsten Führer der ungarischen Orthodoxie und Vizepräsident der Budapester orthodoxen Landeskanzlei, war Mendel, „her mit dem Fläschl! Gebt dem Alten einen Schluck!" „Ist euch wirklich nicht gut?'4 frug jetzt Bpnz Schmulek. Schmulek gab keine Antwort „Nu. nu!" riefen, alle. Worauf Schmulek sagte: „Ah, schlecht, wirklich schlecht!*4 . . . „Was bab' ich gesagt", rief Eiieser, .„es, ist ihm schlecht!" . , . Bonz holte brummend die Flasche aus der Tasche und ließ Schmulek trinken. Schmulek tat einige tiefe Atemzüge und seufzte. Er lehnte sich an die Wand und murmelte vor sich hin: „Schlecht, sehr schlecht . Bonz reichte ihm wieder die Flasche hin und SchmuleK tat wiederum einige Züge. Die Ungeduld wuchs immer mehr bej den anderen, und sie feuerten den Alten an,, doeji weiter zu erzählen, aber der „Philosoph" sprach weiter nichts wie: „Schlecht, sehr schlecht, wirklich schlecht" Da platzte Berel Manoschke die Geduld, und er rief: „Schmulek! Was ist schlecht? Was meint ihr mit dem: Schlecht, schlecht/ schlecht? Euch kann doch nach einer halben Flasche Branntwein nicht mehr schlecht sein??!'4 . . . „Nein", antwortete, da der „Philosoph", „mein Gedächtnis, mein. Gedächtnis ist - schlecht: ich liabe den Rest der Geschichte vergessen,'" . . . Die viter Alten saßen da, wie die Goloms. Keiner war eines Wortes fähig. Bonz schaute kopfschüttelnd auf Elieser. dieser wieder auf Berel Manoschke, Berel Manpschke am Mendel und so wieder zurück. Dann richteten sich ihre Blicke durclilbVmrend auf Schmulek. Dieser schloß gewohnheitsmäßig die Augen, und nach emigen Sekunden sandte er ein befriedigtes Schnarchen aus dein "Innern seiner irdischen, Hülle, das anzeigte, daß Schmulek momentan „nicht zu Hause sei!". — Nawas wollte man machen? Man kann doch aus dem Alten nichts herauspressen! Und wenn, er nicht kann, so kann er nicht/und man muß damit zufrieden sein. (Fortsetzung folgt.) mmtämmtümmmmmm ■ wegen «iner angeblichen Aeußerung für den Numerus clausus Gegenstand völlig ungerechtfertigter Anfemclungeri. (Es wird niemand wundern, daß besonders die jüdischnattonaJe „Neue- Welt" die sich bietende Gelegenheit zu einem Angriff gegen die Orthodoxie sofort aufgegriffen hat) Dazu ist festzustellen, daß das Gerücht, von einer erfundenen Meldung eines Budapester Abendblattes ausging. Wer die ungarischen Verhältnisse nur einigermaßen kennt, weiß, daß Luawig Hartstein seit Jahrzehnten entschieden für die Rechte der ungarischen Juden eintritt und, seitdem das schmähliche Numerus clausus- Gesetz Eingang in die ungarische Rechtssprechung gefunden hat zu den energischesten Kämpfern in Wort und Schrift gegen diese Brandmarkung gehört. Es wäre müßig, auf solch, dumme Angriffe weiter zu reagieren, könnten sie'nicht mehr Schaden stiften, als ein eilfertiger jüdischer Skribifax zu ahnen glaubt Deshalb muß zur Steuer der Wahrheit festgestellt werden, daß Ludwig Hartstein eine solche Aeußerung weder in dieser noch in einer ähnlichen Form jemals getan hat. Die Gießener Mischna-Ausgabe, Ein Gesamtüberblick. Von Rabibner Dr. A. Posner, Kiel. (Fortsetzung.) Nun sollen in recht kurzer Form die einzelnen bisher erschienenen Traktate behandelt werden. Gutes und Schlechtes, soll dabei hervorgehoben werden, ohne daß damit eine volle Würdigung jedes Heftes erstrebt werden wollte. Es soU damit zugleich eine Ueberslcht gegeben werden, die auch zeigt, wie durch den Krieg die Vollendung der Ausgabe recht stark unterbrochen ist, wie aber nun recht flott wieder daran gearbeitet wird. Die Reihenfolge ist nach den Sedarin gewählt. 1. Berakot ist 1912 erschienen, ed. Holtzmann. Zu S. 1: der Wechsel der Umgebungsgebete des Schma kann kein Argument für ihre verschiedene Entstehungszelt sein. Die Ab? handlung über das Achtzehngebet S. 13 ist recht eindringlich und aufklärend. S. 80 simen hat mehr den Sinn von „sich verabreden". Vorsichtig und nicht ganz unzutreffend ist der Schlußsatz auf S. 97. 2. Peah, erschienen 1915 von W. Bauer. Zu S. 11: bei I 2bwäre auf 6, 7 zu verweisen. S. 16: zu nlr siehe auch Jer. 4, 3. Die Pflanzennamen und die Fruchtbezeichnungen sind-gut angegeben (unter Benutzung von Low). 3. Kilajim, erschienen 1914 von K. Albrecht. Die Etymologie des Traktatnamens ist wertvoll. S. V. ist besser LIpsehütz (nicht ü) zu schreiben. S. 19 zu II 3 a ihn Weizen» S. 68 zu VIII 6 b siehe I. Kö Io, 22. 4. Challa, erschienen 1913 von K. Albrecht Ueber die An-, Ordnung und Teilung des Traktates wie über die Geschichte, der Teighebe ist gut gehandelt, wobei allerdings dem Heraus? geber nicht recht klar zu sein scheint, daß die Bestimmungaus dem Schulchan Aruk den heutigen Usus vorschreibt Dte Anführung des Siphre sei lobend hervorgehoben. 5. Orla, erschienen 1916 von K. Albrecht, unter starkes: Benutzung der Einzelausgabe von Arthur Rosenthal. Die Be«. rücksichtigung der Tosephta und ihre Beziehung zur Mischna wird gut gewürdigt, wodurch an der zeitlichen Entstehung des Traktates Kritik geübt wird. S. 9 zu I 4b sollte es wohl besser heißen „wie groß ist das Maß der Wurzel?" S. 25-Hj IZ ,nach dem ersten', .nach dem letzten' ist durch II H b ,im Anfange' ,am Ende' veranlaßt, man braucht daher wohl keinen: Einsehub anzunehmen. Der Schlußsatz auf S. 35> ist wieder nur mit Vorsicht aufzunehmen. 6. Bikurim, erschienen 1922 von^IC Albrecht (die InhaJt-, lieh zusammenhängenden Traktate hat erfreulicherweise ein Forscher bearbeitet, das kommt ihnen auch sehr zugute). In der Einleitung werden bibelkritische Fragen gestreift die mit WeHhaüsenscheji Theorien operieren. Die Anmerkung S; 43^ Istvongroßer kulturhistorischer Bedeutung. S: 46 dürfte die An», merkung anzuzweifeln sein. Die textkritische Grundlage von Kap. 4 wifd der Tosephta verdankt, darüberausführlich im.. textkritischen Anhang. 7. Schabbat, erschienen 1924 von W* Nowack. An diesem-: Traktat ist auch Dr. Rabin beteiligt. Die Geschichte. de». Sabbats entfernt sich bisweilen von-der ungetrübten Elias» sung des biblischen Textes, da die Hineinbeziehung der. baby*. Ionischen Siebenertage ein falsches Bild der jüdischen Sab-