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Die Wahrheit · 1927-11-25 · Heft 48 (25.11.1927) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 48 (25.11.1927)
Date
1927-11-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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DIE WAHRHEIT nifnnitiininnnniuisuiiiiiiuiiüninüitniimiiiJüuuiuiuui liiüiliiM^ Seite 9 Rassenschützler die Regierungsvorlage über den Numerus clausus begrüßen, zu der Annahme verleiten lassen, diese Revision sei vielleicht doch von einem freiheitlichen Geiste diktiert. Es ist wahr, die rassenschützlerischen Studenten, die bei der bloßen Ankündigung der Revision mit dem Dreinschlagen begannen und nach der Bekanntgabe des Textes der Regierungsvorlage diese Tätigkeit mit erhöhtem Eifer und, wie es scheint, mit größtem Erfolg fortsetzten, erwecken den Anschein, als ob sie dadurch auch gegen die Regierung demonstrieren. Aber der Anschein trügt. So wenig die Regierung bisher Ernst gegen die jungen Herren gemacht hat, so wenig ernst ist die Opposition dieser Skandalmacher gegen die Regierung gerichtet. Diese rassenschützlerischen Helden haben bisher in zahllosen Fällen gesehen, daß man selbst ihre verbrecherischsten Exzesse höchstens mit hohlen Phrasen straft, wie hätte sie das bestimmen sollen, den Qummiknüttel, mit dem sie in den der Wissenschaft geweihten Hallen so unermüdlich für ihre Ideale wirken, aus der Hand zu legen? Es wäre zu albern, das freche, aller Menschlichkeit und allen noch auf dem Papier bestehenden Gesetzen hohnsprechende Treiben der rassenschützlerischen Studenten noch dem Regime Bethlen gutzuschreiben. Solche Exzesse können sich einmal ereignen und eine nachsichtige Beurteilung finden; ihre Jahre hindurch planmäßig und straflos betriebene Wiederholung kann nur mit der rätselhaften Duldung erklärt werden, deren sich die Exzedenten erfreuen. Die Frechlinge, die auf praktischem Wege ihre Revision des Numerus clausus demonstrieren, haben nur den Kommentar zu der Regierungs-Novelle geliefert. * Die ungeheuerlichen Schändlichkeiten, mit denen die ungarischen Universitäten in den letzten Tagen befleckt wurden, sind keine Premieren. Sie sind nur Reprisen beliebter, oft gespielter Spektakelstücke. Wie man die Absetzung eines unsympathischen Stückes erzwingt, das haben vor kurzem erst die Rassenschützler gezeigt, als sie die Aufführung der „Großherrin" inhibierten. Graf Bethlen könnte von den Herren lernen und er wäre insoferne im Vorteil gegen sie, als er nicht zu Stinkbomben, sondern bloß zu gesetzlichen Mitteln seine Zuflucht nehmen müßte. * Wie sollen Worte genügen, um Rohlinge, die immer nur zehn gegen einen herfallen und selbst Mädchen mit tätlichen Insulten bedrohen, zur Gesittung zurückzuführen? Und noch dazu Worte, so zahm und mild geprägt, als ob es sich nicht darum handelte, brutale Raufbolde, sondern Jünglinge zurechtzuweisen, die sich in einer erregten Debatte zu einem schärferen Worte hinreißen ließen. Weiß der liebe Himmel, woher es kommt, daß man antisemitischen Jünglingen gegenüber nur eine so zarte Sprache angezeigt hält? Ich z. B. würde nicht zaudern, gegebenenfalls jüdische Studenten, die systematisch darauf ausgehen, nur zehn gegen einen Hakenkreuzler loszugehen, als erbärmliche, feige Schufte zu kennzeichnen. Ego. Eine beherzigenswerte Rede. dh. Der Landeshauptmann von Tirol, Dr. Stumpf, der zu den besonnensten und der Verantwortlichkeit ihrer Stellung sich stets bewußten Politikern gehört, hat vor kurzem auf der Herbsttagung des Tiroler Landtages folgende bemerkenswerte Rede gehalten, die wir hier teilweise wiedergeben, weil sie es verdient, festgehalten zu werden: Es werden die Anzeichen immer zahlreicher, daß die politisch einsichtsreichen Kreise Europas eine gesunde Entwicklung dieses Erdteiles nicht mehr vom Ausbau kategorischer Machtmittel, sondern von der Festigung des geistigen Ausbaues erwarten. Immer klarer wird es all denen, die eine ernstliche Verantwortung für das Gedeihen europäischer Kultur fühlen, daß die durch die Staatsverträge vom Jahre 1919 geschaffenen Verhältnisse nur dadurch an Gefährlichkeit verlieren können, wenn an Stelle der nationalen Unterdrückung eine weitherzige Duldung, eine aufrichtige Achtung vor fre*mdem Volkstum tritt. Uns allen ist es gewiß, daß die zwangsweise Verbindung von Staatshoheit mit nationaler Bevormundung zu nichts anderem führen kann als zu nationaler Entrechtung und damit zu neuen, noch viel schwereren Konflikten als.sie unsere Generation erlebt hat. Was unseren Brüdern iu Südtirol geschieht, ist nichts anderes als eine übersteigerte Aeußerung dieser verhängnisvollen Begriffsvermengung. nichts anderes als die Frucht einer Theorie der\ Staatsallmacht, die — wie sie sich schmeichelt — die schwierigsten Fragen wie einen gordischen Knoten durchhauen kann, in Wirklichkeit aber nur unbegrenzte Leiden über die ihr unterstehenden Deutschen bringt und auch in die Herzen aller Volksgenossen dieses vom Schicksal so hart angefaßten Stammes den wuchernden Keim der Erbitterung pflanzen muß. Bravo! Es gibt gewiß keinen in Oesterreich, so weit er Anspruch darauf erhebt, als treuer Bundesbürger gewertet zu werden, der nicht jedes Wort dieser Rede gutheißen würde. Dann aber sei uns die Frage gestattet: wie steht es um diese weitherzige Duldung und aufrichtige Achtung hier in Oesterreich, sagen wir einmal den Juden gegenüber? Wie steht es mit dieser weitherzigen Duldung namentlich an den Universitäten? Wir meinen, was man für sich verlangt, darf man auch anderen nicht vorenthalten wollen! Aus diesem Grunde glaubten wir, auf die Rede Stumpfs besonders aufmerksam machen zu sollen. Hoffentlich trägt sie zur Entgiftung der noch immer recht hoch gehenden Haßwelle etwas bei. y«owo»se<3aecaw*99*9 oo»es»e—»99999*2 Vollständige Ausbildung t I f iir Kantoraf (Chasunes) | 5 übernimmt gegen mäßiges Honorar f 1 Oberkantor J. Kaiman Katz $ Wien V., Zentagasse 37 II/II 190 KltivterumtereiclftJl Bettl lewin (Tochter des Oberkantors Artur Lewin) Wien VIII., Lerchengasse 15/17 eine Schülerin des Professors Franz Schmidt, erteilt Unterricht für Anfänger und Vorgeschrittene. jmHmmimniMm»MHMiMH«mnntt«mnmii»Mi<iiiiiinniiiii

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