Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 48 (25.11.1927)
- Date
- 1927-11-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 iililüöÄ^ DIE WAHRHEIT HOTEL „NATIONAL Ii Restaurant Wien II., Taborstraße 18 Jr.'eÄ5 Zentrale Lage, 200Zimmer, fließendes kaltes und warmes Wasser u. Zentralheizung. In allen Zimmern Telephon Unter der bewährten Leitung des bestbekannten Restaurateurs S. Grüner. Vorzttgl. Wiener, ungarische u. orientalische (rumänische) KU Che. Wiener bräu u. Pilsner Urquell. orden? Weil im Jahre 1394 der Papst den Orden der Templer verurteilte, und weil im gleichen Jahre der König von Frankreich die Juden vertrieben hat. Natürlich waren dieJudendieUrheberder Revolution von 1789, obwohl sie erst 1794 das Bürgerrecht erwarben und obwohl kaum hundert jüdische Familien (unter Ludwig XIV. waren es nur vier) im eigentlichen Frankreich lebten. D i e Linie der Orleans, die den Freimaurern nahestand, ist selbstverständlich mit den Juden verbündet. Und schließlich ist Napoleon, trotz all seiner Freundschaft für die Juden, nur von ihnen zu Fall gebracht worden. Außerdem hat die Zeit von 1789 bis 1815 ihre Wurzeln nicht in den Fehlern der Ancien Regime, in der Arbeit Rousseaus und der Philosophen, sondern einzig und allein in der Judengasse zu Frankfurt im Stammhause der Rothschilds. Nach diesen Beispielen von den historischen Elementen, auf denen sich die Anschauungen der „Ordnungsliga" aufbauen, kann man sich eine Vorstellung von ihrer Beurteilung der Gegenwart machen. Poincare, der Allgewaltige von heute, istnureinSpielballinderfiand der „jüdischen Finanz" (Heft 4, S. 314). Die Juden sind schuld an dem „schlechten Frieden". Die wichtigste Tatsache der Friedensverträge ist die Begründung des national home in Palästina. Aber wenn die Juden die Väter des Bolschewismus sind, so geht anderseits auf sie auch all das Böse zurück, was der Völkerbund angerichtet hat. Jede Entscheidung, die sich gegen Frankreich richtet, ist darauf zurückzuführen, daß die Juden im Völkerbund „herrschend" sind. Sie gehorchen einer „Geheimregierun g", dem K a h a 1. Diese jüdische Geheimregierung hat nach Ansicht der Ordnungsleute überhaupt die meisten politischen Ereignisse der letzten Jahre auf dem Gewissen. Wir finden also hier in französischer Fassung die gleichen Märchen wieder, wie sie den Leichtgläubigen der anderen Länder täglich vorerzählt werden. Da Frankreich allmählich in die Wahlkampagne eintritt, werden die Bemühungen, durch die internationalen Märchen über das Judentum für die äußersten Rechtsgruppen zu werben, sicher zunehmen. In diesem Sinne hat diese antisemitische Renaissance in Frankreich nicht nur einen Kuriositätswert, sondern auch eine gewisse aktuelle Bedeutung, die ihre weitere Beobachtung erforderlich macht. L. Steinfeld (Paris). Glossen. Als ich vorige Woche an dieser Stelle schrieb, die ungarische Regierungs-Novelle über den Numerus clausus werde angeblich eine Milderung dieses grausamen Gesetzes bringen, ahnte ich nicht, daß Bethlen so schnell bemüht gewesen, diese vorsichtige Wendung zu rechtfertigen. Seine Exzellenz hatte allmählich im Auslande die Belehrung gewonnen, daß man dort zwischen der einstigen Revision des Trianoner Vertrages, der Ungarn zwei Drittel seines Gebietes genommen, und der baldigen Revision des Numerus clausus, der dem Kontingent jüdischer Universitätshörer mehr als neun Zehntel raubte, eine Art Kausalnexus hergestellt habe. Da den ungarischen Ministern die Revision des Trianoner Vertrages ehrlich am Herzen liegt, entschlossen sie sich, mit Berufung auf das Ausland, tatsächlich zu einer Revision des Numerus clausus. Revision ist Revision. Graf Bethlen hat Wort gehalten, aber freilich in der Weise, daß selbst der sicherlich mehr als zahme „Pester Lloyd", um nicht seinen jüdischen Abonnenten und der interkonfessionellen Wahrheit ins Antlitz zu schlagen, schreiben mußte, nach dieser Revision des Numerus clausus werde es sich leicht ergaben, daß zeitweilig an keiner ungarischen Universität auch nur ein einziger jüdischer Student Aufnahme findet. Aber die Herren Minister, Gentlemans vom Kopfe bis zur Sohle, haben mit einer Schlauheit, um die sie der Geriebenste beneiden dürfte, ihr Versprechen eingelöst. Revision ist Revision. * Graf Bethlen begnügt sich aber nicht damit, dem Auslande es mundgerecht zu machen, daß durch den Wortlaut seiner Novelle das konfessionelle Moment aus dem Numerus clausus-Gesetze ausgeschieden sei, er scheut auch den Versuch nicht, die Dankbarkeit der Juden in Ungarn durcli die Versicherung zu erpressen, er habe sie durch das Fallenlassen dieses Punktes von dem gelben Fleck befreit, den ihnen das Gesetz in seiner alten Formulierung angeheftet hatte. Welch eine Genugtuung für einen jüdischen Studenten, daß er fürderhin vor keiner Pforte einer ungarischen Universität offen wegen seiner Konfession, sondern bloß aus einem Dutzend anderer schlecht verhüllter judenfeindlicher Gründe zurückgewiesen werden soll! Der gelbe Fleck ist fort vom Rock, aber auch der ganze Rock mit ihm. * * * Es gibt vielleicht naive Gemüter, die sich durch die schändlichen Ausschreitungen, mit denen die