Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 48 (25.11.1927)
- Date
- 1927-11-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEU llillllillllllllilllllllilllllllililliiiw .....ninniniiiiiinii![innuniunniiiiui:jniniiniiiinintinniHiuiiniiHiuiHiaiHiiiiiuiiniiin ge^e? „Der Ewige ist mein Fels, meine Burg und mein Befreier .... Ich schrei zum Ewigen, und er erlöst mich von meinen Feinden .... Die Sulzburger vertriebenen Lutheraner. Aus Qöcking, Vollkommene Emigrationsgeschichte .... Frankfurt 1734 und 1737. In Nauen stand eine Jüdin auf der Gasse, die einen Beutel mit Geld in der Hand hatte. Diese teilete aus ihrem Beutel allen und jedem mit, die vorbei gingen. Nun fand sich auch ein kranker Mann unter den Salzburgern, der nach der Apotheke ging, um sich daselbst Arznei geben zu lassen. Der Apotheker gab ihm auch dieselbe ohne Entgelt. Die Jüdin, welche dieses kanken Mannes ansichtig wurde, ging hinüber vor die Apotheke. Da er nun wieder herauskam, bot sie ihm auch etwas Geld an. Allein er weigerte sich, solches anzunehmen; und aller Bitten ohngeachtet, nahm er es doch nicht. Weil er nur sehr schwach war, nahm ihn der Kommissariiis zu sich in seinen Wagen. Unterwegs fragte er ihn. warum er das Geld von der Jüdin in Nauen nicht annehmen wollte? Er gab aber zur Antwort: Er habe sie für eine Frau angesehen, die vielleicht ärme wäre und das Geld nötiger hätte, als er; und deswegen glaubte er, e würde gesündigt haben, wenn er das Angebotene von ihr genommen hätte. In Berlin spendeten Juden und Jüdinnen Geld, Kleider und Lebensmittel. Sie veranstalteten auch in der Synagoge eine Kollekte. „Die Judenfrauen schickten außerdem auch 200 Ellen Leinwand für sie ein und baten, daß man solches dergestalt verteilen möchte, damit die Aeltesten und Aermsten unter ihnen nicht vergessen würden. Die Vorsteher gaban wiederum folgende eigenhändige. Zeilen darüber von sich: Als die Judenfrauen in ihrer separaten Synagoge ebenfalls eine Kollekte für die anwesenden salzburgischen Emigranten gemacht und diese auf göttliches Gebot, 5. B. Mos., 10. Kap. v. 18, von ihnen fundiert worden: So sind 204SA Ellen Leinwand von ihnen zusammengebracht und solche am gehörigen Ort abgeliefert worden. Berlin, 7. Mai 1732. Benedict Mayer." Nettelbeck, der heldenmütige Verteidiger Kolbergs in den Napoleonischen Kriegen, erzählt in seiner Lebensgeschichte, wie er als Schiffbrüchiger an der nordafrikanischen Küste von einer Jüdin gastlich aufgenommen, vollständig gekleidet und zur Weiterreise ausgestattet wurde. Jede Zumutung einer Vergütung wies sie in edlem Stolz zurück. (Fortsetzung folgt.) Antisemitismus in Frankreich. Der Antisemitismus in seiner modernen Erscheinungsform hat von Anfang an das Bestreben gehabt, die nationalen Grenzen zu sprengen und die Hilfe des Auslandes, sei es auch des feindlichen, weitgehend in Anspruch zu nehmen. Wir kennen selbst in Deutschland Fälle internationaler Annäherung antisemitischer Gruppen. Die Entwicklung der Nachkriegsjahre hat dazu beigetragen, die Fäden, die der internationale Antisemitismus um die Welt gesponnen hatte und die die Jahre 1914 bis 1918 nur scheinbar zerrissen hatten, wieder fester zu knüpfen. Für diesen großen Welttrust gegen das Judentum kommen heute in erster Linie von den Weltmächten Deutschland, England und die Vereinigten Staaten in Frage, von den kleineren Oesterreich, Ungarn und Rumänien. Aber es scheint, daß auch in Frankreich Kräfte am Werk sind, um das La,nd, das einenwirklichen Antisemitismus nur als vorübergehende Erscheinung gekannt hat, in den inter- JAC. MAVER Für Kultusbeamte und Verelnsfunktloi nationalen Ring hinüberzuziehen. Da wirkliche Grundlagen für eine starke antisemitische Bewegung in Frankreich nicht vorhanden sind, nutzen die Gruppen, die sich dem Geschäft des Hetzens widmen, nach Kräften die wirtschaftlichen Zustände aus. Die Lage bietet hierzu gewisse Anhaltspunkte. Der kleine Mittelstand leidet schwer unter der PseudoStabilisierung des herrschenden Systems. Zu der allgemeinen Enttäuschung, die der Frieden den Franzosen gebracht hat, kommt die große Steuerlast, die sich erst gegenwärtig im ganzen Umfang bemerkbar macht, und ein Rückgang der Geschäftstätigkeit, der nach nun mehr als einjähriger Beruhigung des Devisenmarktes immer wieder zum Durchbruch kommt. Mit einem Wort: Die Aussichten für den Sozialismus der Dummen sind nicht schlecht. Aber diese Momente würden nicht genügen. Daher sucht der Antisemitismus, der in Frankreich durchdringen will, Anlehnung an die klerikalen und nationalistischen Richtungen, die latent ähnliche Gedankengänge enthalten. Dafür bleiben allerdings nur die äußersten rechten Gruppen übrig, deren Anhängerschaft recht gering ist. Nicht einmal die Action francaise ist, trotz ihrer antisemitischen Haltung, für eine scharfe Betonung dieses Standpunktes zu gewinnen. So blieb denn nichts übrig, als den üblichen Weg zu beschreiten, auf dem man in Frankreich die Propaganda für bestimmte politische Zwecke betreibt, die Gründung einer Liga. Das ist seit einiger Zeit geschehen, und wir haben jetzt eine Organisation mit dem schönen Namen „Ligue de Pordre" vor uns. Ueber das Blühen und Gedeihen dieser politischen Neugründung liegen aus verständlichen Gründen keine zuverlässigen Angaben vor. Dafür gibt aber die Liga eine einstweilen nur alle zwei Monate erscheinende Zeitschrift heraus, die über ihre Tendenzen vollen Aufschluß gibt: die „Cahiers de Pordre". Die Liga stellt sich die Dinge so vor, daß die jüdische Großfinanz" und Freimaure rtum, sei es einzeln oder verbündet, überall Unruhe stiften, Kriege schüren und die Versklavung, schließlich die Vernichtung der katholischen und orthodoxen Länder herbeiführen wollen. Das ist im wesentlichen das gleiche Programm, wie es der Antisemitismus der Dreyfus-Jahre, wie es vor allem Drumont vertreten hat. Die „Cahiers de Pordre4 folgen Drumont in seinem Haß, der sich gegen Judentum und Freimaurertum gleichzeitig wandte. So gehen die Beziehungen des Judentums zur Freimaurerei schon auf den Orden der Tempelritter zurück. Weshalb diese seltsame Verbindung der Juden mit einem christlichen Ritter- Kleider- Ii. Gummimäntel'Fabrik Export nach allen Ländern Zentrale: Wien II.» GlOCkeitgaSSe 24 Tel. 48-4-79 re gegen Legitimation 10% Nachlaft