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Die Wahrheit · 1927-11-25 · Heft 48 (25.11.1927) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 48 (25.11.1927)
Date
1927-11-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT ÄlFi!^^ iHi!llirii[il)i|iiililiii|'liliilil!llllii[iiiiliiiliifl!H UilMlLHilli Seite 5 Man braucht das Erez Israel-Werk nicht zu kennen, um zu wissen, was das bedeutet. Bei einem lebenden Organismus, der sich entwickeln will, bei einem Werk, das nur mit allergrößter Aufopferung und einem so niedrig wie möglich gehaltenen Standard gehalten werden konnte, 40 Prozent herabstreichen! Aber man glaubt, die palästinensische Wirklichkeit wird sich nach den Absichten der Baseler Budgetkommission richten. Das Erziehungsbudget hatte 72.000 Pfund erfordert, ein Versuch zur Einschränkung auf 70.000 Pfund war fehlgeschlagen. Das neue Budget sah 48.000 Pfund vor und konnte nur mi 56.000 Pfund erhöht werden. Was nützt es also, wenn die Budget-Kommission ein Budget nach den zu erwartenden Einnahmen zurechtmacht, wenn sie nicht imstande ist, zu zeigen, wie mit diesen Mitteln die Arbeit fortgeführt werden kann? Aber ohne auf diese brennendste Frage eine Antwort zu versuchen, bezeichnet das linke Zentrum mit Stolz die Annahme dieses Budgets als ihren Erfolg. Was will man mehr, als daß die Einnahmen und Ausgaben sich decken? Die Bilanz stimmt. Aber gibt es jemand, der trotz aller Einschränkung dem, was lebensfähig isr in Erez Israel, zur Entwicklung zu helfen die Kraft hat? Das hat die Regierungspartei bejaht. Zwar als sie aui den Kongreß kam, wußte sie noch niemand zu nennen. Zwar am Tage, nachdem die neue Exekutive der Tagesordnung nach hätte gewählt werden sollen, wurden dem Permanenz- Ausschuß von offizieller Stelle keine Veränderungen in der Situation der bisherigen Exekutive angekündigt. Aber einen weiteren Tag. und der Führer war gefunden... Er stellte weitgehende Bedingungen, von denen die wesentlichsten waren, daß er selbst seine beiden Mitarbeiter zu bestimmen habe, daß die Exekutive im Lande keine Männer der linken und rechten Flügelgruppe enthalten dürfe und daß die Kontrolle über die Fonds auf die Exekutive überzugehen habe. ^Wer das schwere Werk durchführen will, unter den gegebenen Verhältnissen das Erez Israel zu leiten, schmerzende Restriktionen durchzuführen, der Entwicklung Zügel anzulegen, für den sind zwei Eigenschaften unerläßlich, eine subjektive und eine objektive. Subjektiv: Er muß mit allen Zweigen des Jischub innerlich eng verbunden sein, um das Augenmaß für die Bedürfnisse und die Möglichkeiten aller Teile des Werks zu kennen. Objektiv: Er muß ein ungewöhnliches Maß von Vertrauen in seine Objektivität und Fähigkeiten genießen. (In diesem Sonderfall um so mehr, als durch die geforderte Entfernung der dem Misrachi und den Arbeiterparteien angehörigen Mitglieder der Exekutive diesen Föderationen jede konstitutionelle Einwirkung auf die Leitung genommen werden soll.) Sa:her, Rechtsanwalt in Jerusalem, der an die Spitze der palästinensischen Exekutive treten sollte, wurde von Mitgliedern des linken Zentrums, die ihn kandidierten, als besonders geeignet geschildert. Aber, wenn man als richtig unterstellt, daß er ein überragender Wirtschaftsfachmann ist — die beiden als unerläßlich bezeichneten Eigenschaften hat er zweifellos nicht. Und das entscheidet. Denn es kommt nicht nur darauf an, daß jemand ein Programm hat (das er übrigens auch bisher nicht entwickelt hat), sondern daß er es durchführen kann. Und wie ist das möglich, wenn der Misrachi, die Linke und fast sämtliche Vertreter des bürgerlichen Zionismus Erez Israels sich gegen ihn erklärt haben? Mag sein, daß sein Empfang weniger unfreundlich gewesen wäre, wenn die Exekutive zur rechten Zeit diesen Kandidaten präsentiert hätte. Dann hätte in Ausführlichkeit eine Fühlungnahme aller Gruppen mit Sacher erfolgen können und man hätte klarer gesehen, in welchen Grenzen man mit ihm hätte arbeiten können. Das ist nicht geschehen. Deshalb nicht, so heißt es, weil auch die Exekutive nicht wußte, daß Sacher sich kandidieren lassen werde. Dann bleibt die Schuld der Exekutive bestehen. Ist sie ganz ohne Plan nach Basel gekommen und hat sie es dem Zufall überlassen, ob er ihr plötzlich einen Leiter für den immerhin bedeutungsvollen Posten bescheren werde? Um dann von Delegierten eines Kongresses zu verlangen, daß man ihn unbedingt wählt, und es dem leidenden Erez IsTael überläßt, mit ihm fertig zu werden? Die Delegierten, die das nicht taten, waren politisch geschulter als die Exekutive. Soll man auf die Form eingehen, in der Herr Sacher dennoch gewählt worden ist? Die ursprüngliche Ablehnung durch den Permanenzausschuß, der zunächst die Affäre nicht einmal ernst nehmen wollte, die Schachzüge von Exekutive t& J?9 - i^^^^^p^^^L ^SipiK^V /w^^^b^, £)UADDÄf# ■ erhältlich In Ob«r 60O Verkaufsstellen ■ Großvertrieb für Oesterreich: 3 S«fts«*l»fl«al»a»llK KobBer & Entfel ■ Wien VII.. Siebensterngasse 46, Tel. B 31 3-73 und Regierungspartei, die von ihnen vorher als unerläßlich für die wirtschaftliche Gesundung Erez Israels bezeichneten Maßnahmen nicht beschließen zu lassen, weil man damit die Herren auf der Linken schon vorher in die Opposition getrieben hätte? Die Verhandlungen nach allen Seiten hin, um wenigstens die entsprechende Anzahl von Stimmen enthalt ungen zu erreichen? Die Haltung eines Arbeiterführers, der, weil seine Partei ihm wohl nicht folgen wollte, den Misrachi zu bewegen suchte, für die Kombination zu stimmen? Die endliche „Wahl" durch insgesamt einige 80 Delegierte mit/ Erklärungen von der linken Seite des Hauses, daß sie dieser durch ihre Stimmenenthaltung gewählten Exekutive das Vertrauen verweigern. Soll man aui diese Dinge eingehen? Man braucht es nicht. Was man aber vielleicht tun muß, ist zu sagen, was man von dem verantwortlichen Wirtschaftler erwartet hätte. Etwas anderes als einen Ersparungskommissär, der damit beginnt, daß 25 Prozent der Lehrer die Kündigung erhalten (Palästina-A u f b a u?), sondern dessen Einschränkungen einen konstruktiven Leitgedanken haben. Dessen Programm aber neben — nein vor dem allen für Steigerungen der Einnahmen sorgt. :H # * Die Krise in Palästina. Die folgenden Mitteilungen wurden von Artur Koestler, einem revisionistischen Zionisten. in der „Neuen Freien Presse" veröffentlicht. Das einzige Land unter den Nachfolgestaaten des Ottomanischen Reiches, das die übernommene ottomanische Schuld regelmäßig zahlt, ist Palästina. Es kann sich diesen Luxus erlauben, da seine Finanzen glänzend stehen. Das am 31. Dezember 1926 abgeschlossene Regierungsbudget weist einen Ueberschuß von nicht weniger als anderthalb Millionen ägyptische Pfund auf. In diesem Jahre beabsichtigt die Regierung, sogar jene Schulden zu zahlen, die noch die alte Militärverwaltung unmittelbar nach Eroberung des Landes hinterließ, eine Schuld, die etwas über 200.000 Pfund ausmacht und beim besten Willen nicht als allzu dringend bezeichnet werden kann. (Zur gleichen Zeit verhungern in Palästina Lehrer! D. Red.) Dieses wohlsituierte Land, das imstande ist, seine Schuldner so gentlemanlike zu behandeln, obwohl es nur 160.000 europäische Einwohner hat, von denen seine Einnahmen fast zur Gänze herrühren, obwohl nach den optimistischen Schätzungen höchstens 30 Prozent seiner Bodenfläche kultiviert und seine Naturschätze bisher

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