Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 48 (25.11.1927)
- Date
- 1927-11-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 rtDinüiuiüiHninriißtüiinfiifiiftHninniHh'üTonHHinuimminiimin DIE WAHRHEIf wäre unmöglich gewesen ohne die starke Verbreitung der Protokolle und des „Internationalen Juden" in Polen, die die Gemüter mit dem Gedanken vertraut machten, daß die Juden im Auftrage ihrer Geheimorganisationen die Staatsoberhäupter gewaltsam aus dem Wege zu räumen bestrebt sind. Der von dem polnischen Protokoll- Uebersetzer Pater Ewrard geprägte Begriff „anonymes Reich" zur Bezeichnung der „geheimen Jüdischen Weltherrschaft" hat sich bereits so eingebürgert, daß er in die neue polnische Enzyklopädie aufgenommen wird und Richter mit ihm ihre Urteile begründen. In kurzem findet in Warschau eine Disziplinarverhandlung statt wegen einer solchen Urteilsbegründung. Weitverbreitete einflußreiche polnische Blätter drucken bei jeder Gelegenheit, so erst unlängst, angesichts der parlamentarischen Wirren, ganze Partien aus den Protokollen und dem Internationalen Juden ab. Und nachdem Ford seine Abkehr vom Antisemitismus kundgemacht hatte, ließ die bulgarische patriotische Gesellschaft „Narodna Zaczcyta" eine Uebersetzung der Protokolle nebst einem Auszug aus dem Internationalen Juden herausgeben und in Massen verbreiten. Man sieht, dieser ganze Aberglaube ist auf dem Wege, sich so tief einzunisten, wie der Aberglaube des R i t u a 1 m o r d e s, der trotz unzähliger Widerlegungen immer wieder erwacht, bald in der finstersten Ecke von Polen, bald in dem hochzivilisierten Breslau. Es war nun höchst naiv von Henry Ford, wenn er glaubte, durch seine Absage an den Antisemitismus das Uebel gutzumachen, welches er gestiftet. Wie soll die Kunde davon zu all den Massen dringen, die das von ihm zubereitete Gift aus Millionen von Büchern, Broschüren, Flugschriften, Artikeln sieben Jahre lang tranken? Nicht einmal der kleinste Teil von ihnen hat die Nachricht vernommen, und von diesem kleinen Teil hat der größte Teil sich gefragt: „Was für Beweise batHenryForddafür, daßdiejüdische Weltverschwörung nur eine lügnerische Verleumdung und die Protokolle eine Fälschung seien? Warum teilt er uns diese Beweise nicht mit?" Sie haben alle noch die 3000 Dollar in Erinnerung, die er erst kurz zuvor dem Urheber des Attentates auf V ä z s o n y i verehrt hatte und New Yorker Journalisten und Advokaten posaunten in die Welt hinaus, sie hätten durch angedrohte Prozesse Henry Ford eingeschüchtert und ihn zum Gang nach Kanossa gezwungen! . . . Soll das die Welt überzeugen, daß die von Henry Ford sieben Jahre lang so leidenschaftlich verfochtenen Behauptungen auf einmal falsch sind? Scheint das nicht eher die Behauptungen von der jüdischen Allmacht und Weltherrschaft zu bestätigen? Nein! Wenn Herr Henry Ford ernstlich gesonnen ist, wenigstens einen Teil des Unrechtes gutzumachen, das er durch seine Verleumdungen begangen hat, so muß er von Louis Marshall das Buch fordern, welches Major P u t n a m s ihn vor sieben Jahren zu verfassen angeregt hatte, und er muß es jetzt herausgeben und dafür sorgen, daß es in der ganzen Welt eine solche Verbreitung findet, wie der Internationale Jude. Und Herr Marshall hat die Pflicht, jetzt für die Abfassung eines solchen Buches Sorge zu tragen. Major Putnam schrieb mir am 2. August, er sei unter gewissen Bedingungen bereit, ein solches Buch herauszugeben. Jetzt scheinen diese Bedingungen gegeben. Wir wollen hoffen, daß Louis M a r s h a 11 und das American Jewish Committee diesmal nicht wieder die Gelegenheit verpassen. Herrn Lucien Wolf in London aber, diesem hervorragenden Gelehrten und ausgezeichneten Diplomaten, der sich um die Abwehr von Verleumdungen der Juden schon so große Verdienste erworben hat, liegt es ob, die Angelegenheit für England in die Hand zu nehmen.__ ößrliBjtircaffislswT^Oie Wafirtetr §\ Feuilleton Die Assentierung. Von Scholem Aleichem. (Schluß.) Der erste Advokat, den ich traf, war ein großer Kopf, ein stumpfer, trotz der großen Stirn mit einer mächtigen Glatze, wie um Lokschenteig darauf auszurollen. Er hat nicht einmal verstehen können, wer Alterchen ist und wer Itzig, und Awrohom Jitzchok ist, ui:d wer Eisik gewesen sei. Ich erzähle ihm noch einmal und noch einmal: Alterchen und Awrohom Jitzchok und Itzig sind ein Mensch, und Eisik ist der, der den Samowar über sich gegossen hat. als ich noch in Worotiliwka gewesen bin. Wie ich meine, daß ich mit ihm fertig bin, fragt er mich eine ganz neue Frage: „Sagt nur, wer ist der älteste, Itzig oder Alterchen oder Awrohom Jitzchok?" — Hat man schon so etwas gehört! Sag' ich ihm: „Ich hab' Euch schon fünfzehnmal gesagt, daß Itzig und Awrohom Jitzchok und Alterchen ist alles eine Person: das heißt, sein wirklicher Name ist Itzig, das heißt Awrohom Jitzchok, nur ruft man ihn, seine Mutter, meine ich. Alterchen. Seine Mutter hat ihn so verzogen. Und Eisik ist der, der den Samowar über sich gegossen hat, als ich noch ein Worotiliwkaer gewesen bin." — „Und wann." fragt jener, „in welchem Jahre ist Awrohom Alterchen, ich meine Jitzchok Eisik zur Militärgestellung gegangen?" — „Was schwatzt Ihr da?" frag' ich, „was bringt Ihr da durcheinander Graupen und Borschtsch? Zum erstenmal in meinem Leben treffe ich einen Jüd mit einem so blöden Kopf! Man sagt Euch doch, daß Jitzchok und Awrohom Jitzchok und Itzig und Eisik und Alterchen das ist alles ein Mensch!" „Sach," sagte er, „schreien Sie nicht so! Was schreien Sie?" .... Verstehen Sie eine Sprach'? Nun soll er gar nicht recht haben! .... Kurz, ich habe selbstverständlich ausgespuckt und bin weggegangen zu einem anderen Advokaten, der war gerade ein guter Kopf, ein talmudischer Kopf war er, nur ein wenig überchochem. überklug ein wenig. Er rieb sich die Stirn und „lernte", den Text des Gesetzes lernte er, drehte sich, folgerte, zog Schlüsse, daß nach diesem und diesem Paragraphen der Meseretscher Magistrat gar nicht berechtigt war, ihn einzuschreiben. „Dagegen," sagte er, „ist vorhanden ein Gesetz, daß, wenn er hier eingeschrieben worden ist, so muß er ausgeschrieben werden; und wieder ist vorhanden eine „Kassation", daß, wenn er hier eingeschrieben ist, und dort nicht ausgeschrieben wurde, so . . . ." Kurz, so ein Gesetz und so ein Gesetz, so eine Kassation und so eine Kassation; er hat mir „kassiert" den Kopf voll, und ich mußte gehen zu einem dritten, mußte ich. Da hab' ich gerade angetroffen auf einen Schlemiehl, ein ganz junges Advokatchen, ein funkelnagelneues, das erst vor kurzem sein „Juris" beendet hat. ein sehr gutes Menschchen