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Die Wahrheit · 1927-11-25 · Heft 48 (25.11.1927) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 48 (25.11.1927)
Date
1927-11-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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€ws*Sketnt Jeden breitetg Oftee&a «fieser UmmMt: SO drosdhen D/E WAHRHEIT CesterreicMscne Warfkens&Tift für fudistne Jfriferessem Veräffentti&ungen da „Union deufsefiosferr. Juden" Redaktion und Administration: Wiem //., 34.rine&tr*M0e Jfr. Fernruf 42-2*19 XLIII. Jahrgang Wien, 25. November 1927 Nummer 48 Ford — und kein Ende. Von Binjamin Segel. Neulich brachten die Tagesblätter in großer Aufmachung lange Depeschen aus New York, wonach Henry Ford den antisemitischen Hammer- Verlag in Leipzig sowie den Verlag Theodor Fritsch in Leipzig durch ein Schreiben angewiesen habe, sämtliche Ausgaben der Schmähschrift „Der Internationale Jude" sofort zurückzuziehen, auch habe er beiden Firmen verboten, seinen Namen im Zusammenhang mit diesen Schriften weiter zu verwenden. Ford erklärt, er habe es als selbstverständlich angenommen, daß die Schrift nicht weiter verbreitet werde, nachdem er schon im Juni öffentlich erklärt habe, daß die darin enthaltenen Behauptungen falsch und völlig unbegründet seien und er sich in aller Form wegen dieser Kränkung entschuldigt habe. Weiters meldet der Depeschendienst, das American Jewish Committee werde in Broschürenform eine vollständige Darstellung von Fords antisemitischer Kampagne und seinem Kanossagange veröffentlichen. Ford selbst habe dazu die Anregung gegeben, in dem Wunsche, einen Teil des Unrechtes das er mit der Verleumdung der Juden begangen, wieder gutzumachen. Es ist nun sehr erfreulich, daß man sich in Amerika endlich entschlossen hat, der Ford-Propaganda mit den Protokollen und der „jüdischen Welt v er schwörung44 energisch entgegen zu treten — wenn auch reichlich sieben Jahre zu spät. In diesen sieben Jahren hat die Ford-Propaganda, die mit gigantischen Mitteln in der ganzen Welt rastlos arbeitete, eine so unübersehbare Menge von Gift ausgestreut, welches sich so tief in das Unterbewußtsein der hreitesten Schichten eingefressen hat, daß es schwerlich so bald wieder gut gemacht werden wird, auch wenn nicht so unwirksame Mittel angewendet werden sollten wie die angekündigten. Vor mehr als sieben Jahren, im Juni 1920, da hattea es die amerikanischen Juden in der Hand, die eben erst begonnene Propaganda im Keime zu ersticken. Damals erbot sich die New Yorker Verlagsfirma G. P. Putnam4s Sons dem American Jewish. Committee gegenüber, ein Buch herauszugeben, welches die Unechtheit der Protokolle und die Nichtexistenz der angeblichen „jüdischen Weltverschwörung44 nachweisen sollte. Die genannte Firma ist eine der ersten in der anglosächsischen Welt und ein solches Buch, von ihr herausgegeben, würde die größte Verbreitung gefunden und der ganzen Legende auf einmal ein Ende gemacht haben. Vor allem würde es Henry Ford sofort überzeugt haben, daß er von Böswilligen irregeführt worden sei und ihn zu dem Schritt bewogen haben, den er jetzt tat. In meinem Buche über die Protokolle habe ich die Vermutung ausgesprochen, daß Henry Ford nicht aus Bosheit sondern aus Verirrung die antisemitische Welthetze in die Hand genommen habe und nur eines Besseren belehrt zu werden brauchte, um sein verderbliches Treiben aufzugeben. Diese Vermutung hat sich jetzt als Wahrheit herausgestellt. Das American Jewish Committee lud auch im November 1920 die größten jüdischen Organisationen Amerikas ein, die Abfassung eines solchen Buches in die Hand zu nehmen (American Jewish Year Book, Band 23. S. 329). Allein dieses Buch ist nie zustande gekommen. Mittlerweile gaben sich die amerikanischen und englischen Juden der beruhigenden Auffassung hin, daß, wenn wir Juden nur davon nicht reden, die ganze Sache von selber in Vergessenheit geraten würde. Indessen geschah das Gegenteil. Die Agitation Fords wurde nur erbitterter, den Protokollen und der „jüdischen Weltverschwörung44 entstanden immer neue Verfechter. Im Jahre 1922 sandte mir C. G. Montefiore aus London ein Buch von Hilaire Belloc ein, das „The Jews" betitelt war und charakterisierte es in seiner knappen, lichtvollen Weise: „Dumm, verlogen, aber ungefährlich!44 Die beiden ersten Bezeichnungen trafen vollkommen zu, ungefährlich aber war das Werk nur in den Kreisen höchster Geistigkeit, mit denen es Montefiore zu tun hat. Aber vor kurzem erst wurde es ins Deutsche übersetzt und mit großer Aufmachung angekündigt, von einem sehr bedeutenden katholischen Vertag. Das Buch baut sich ganz auf die Protokolle auf, und die jüdische Weltverschwörung ist seine Hauptgrundlage. Dasselbe gilt von Websters „Secret Societies and subversive Movements** (1924Y dessen deutsche Uebersetzung ebenfalls jetzt angekündigt wird. Viel gefährlicher sind die Bücher jder Brüder Tharaud, besonders „Quand Israel est Iroi", die in gefälliger, novellistischer Form die lLehre von den Protokollen und der „jüdischen Welt- (Verschwörung'4 als greifbare Tatsachen schildern I und in Millionen von Exemplaren in ganz Osteuropa I verbreitet wurden. Der Steiger -Prozeß

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