Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 52 (28.12.1928)
- Date
- 1928-12-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT iiHiHiiHiHiiHtiuiiiiniM Seite 3 KAUF UND VERKAUF VON REALITÄTEN JEDER ART SOWIE ÜBERNAHME VON HAUSVERWALTUNGEN DURCH ARCHITEKT HEKH/INN EBENSPdNQER WIEN IX., LATSCHKAGASSE A / TEL. A16-5-15 dem ehrlichen Willen Weizmanns, zu einem Friedensschluß mit den Nichtzionisten auf Basis des Palästinaaufbaues zu kommen, steht der Einspruch der zionistischen Opposition gegenüber, die von einem solchen Zusammengehen mit Nichtzionisten nichts wissen will, da sie nach wie vor an ihren „nationalen" Forderungen — nur zum Schaden der Palästinaidee — festhält. Diese Opposition besteht aus den „radikalen" Zionisten, die sich jetzt in Oesterreich in „demokratische" Zionisten umgetauft haben, angeblich weil die Bezeichnung „radikal" die Bestrebungen des Verbandes nicht hinreichend charakterisiert, in Wirklichkeit wohl deshalb, weil die bisherige Signierung einen zu ominösen Beigeschmack in der Wiener Judenschaft hatte. Eine weitere Oppositionsgruppe gegen Weizmann ist die revisionistische Fraktion, die gerade in diesen Tagen in Wien ihren dritten „Weltkongreß" abhält. Ihr Programm unterscheidet sich nicht wesentlich von dem der „radikalen", jetzt „demokratischen" Gruppe, einig sind vor allem beide Parteien in der Ablehnung der Beteiligung von Nichtzionisten am Aufbauwerk. Diese Oppositionellen laufen auch diesmal wieder gegen Weizmann Sturm, in ihren Blättern — vornehmlich in der Strickerschen „Neuen Weit" — werden dem Präsidenten der Weltorganisation Vorwürfe gemacht, die direkt an Verrat an der zionistischen Idee grenzen. Was ist denn sein großes Verbrechen? Er sieht mit offenen Augen den drohenden Zusammenbruch des Palästinaaufbaues, wenn nicht in letzter Stunde Hilfe durch die gesamte Judenschaft kommt. Deshalb bemüht er sich seit vielen Jahren redlich um eine Einigung und es ist ihm auch, wie hier wiederholt ausgeführt, gelungen, vor allem mit den kapitalsstarken amerikanischen Nichtzionisten eine Verständigung zu erzielen, deren erstes Ergebnis das bekannte, vielbesprochene Sachverständigengutachten der Londoner Vierer- Kommission war. Mit welchen Intentionen Weizmann zu der wichtigen Berliner Tagung ging, ist aus einer Rede ersichtlich, die er auf einem ihm zu Ehren gegebenen Diner im Amsterdam hielt und in der er sagte: Die Zusammenarbeit zwischen Zionisten und Nichtzionisten im Aufbau Palästinas, die, wie er hoffe, Ende dieses Winters oder zu Beginn des kommenden Sommers einsetzen würde, werde eine neue Phase in der jüdischen Geschichte einleiten. Die vollzogene Einigung im Zeichen des Palästina-Werkes ist kaum weniger bedeutungsvoll, als die Erlangung der Balfour- Dekiaration. Während so in der zionistischen Weltorganisation ein sehr heftiger Kampf um die Frage der Beteiligung der Nichtzionisten tobt, beginnt auch in deren europäischen Reihen geschriebenen Büchlein niedergelegt, aber er versteht kein Wort Hebräisch und hat keine Ahnung von dem, was ich meine. Ich spreche auch nicht gern mit solchen Herren darüber, die sind von der Politik und anderen wichtigeren Dingen viel zu sehr in Anspruch genommen." Ich folgte ihm, und er gab mir eine kleine Broschüre von zwei Bogen im Duodezformat, betitelt „Thorat ha Ammim" (Religion der Völker), gedruckt bei M. Bilous, Kolomea, 191)0. — „Warum haben Sie Ihren Namen nicht darunter gesetzt?" fragte ich. — „Wenn Sie das Schriftchen gelesen haben, werden Sie wissen, warum". Er wollte keine Bezahlung annehmen: „Das verteile ich unentgeltlich, aber hier habe ich eine andere Schrift, die können Sie bezahlen, wenn Sie wollen." Diese andere Schrift, betitelt „Daath linvonim" (gedruckt in Munkacs, 1898, bei Kohn & Klein), trug den vollen Namen des Verfassers. Diese Schrift las ich zuerst. Sie enthielt einige talmudische Aufsätze. Daran schloß sich eine „Megillath Juchassin" an, eine Familienchronik samt Stammbaum, wie ihn in der alten guten Zeit die Verfasser, wenn sie auf eine lange Reihe berühmter Ahnen zurückblicken konnten, ihren Werken beizugeben liebten. Unser Verfasser konnte seine Herkunft väterlicherseits sowie mütterlicherseits auf berühmte jüdische Familien des Mittelalters zurückführen, die ihrerseits ihre Herkunft von der Ds^nastie des Königs David herleiteten. In den Adern des kleinen Apfelsinenhändlers von Kolomea floß also von väterlicher wie mütterlicher Seite her königliches Blut. Sein gebückter Kopf mit den feinen welken Zügen trug eine unsichtbare Krone. Was Wunder, daß in diesem Kopf sich königliche, davidische, messianische Gedanken regten? Diese Gedanken sollte ,ich aus der dünnen Broschüre ' mit dem Titel ,;Thörath h'a Ammim" kennen lernen. Der etwas weitläufige Untertitel lautete: „Um die Welt aufzurichten im eine Klärung der Ansichten, nachdem, wie gesagt, die gleichgesinnten amerikanischen Kreise bereits ihre Entschließungen gefaßt haben. Bedeutsam ist hierzu folgender auszugsweise wiedergegebener Aufsatz, den einer der prominentesten liberalen Führer Deutschlands, Landesgerichtsrat Dr. Arthur Lilie nthal, in der Berliner „Jüdisch-liberalen Zeitung" veröffentlichte: „Wenn die Verhandlungen der Zionisten mit den Amerikanern zu einem Ergebnis führen, wird auch an uns deutsche Nichtzionisten sehr bald die Frage herantreten, wie' wir uns zu der Erweiterung der Jewish Agency stellen. Wir werden dabei davon auszugehen haben, daß in Palästina von Juden etwas geschaffen worden ist und daß es im Interesse der Gesamtjudenheit liegt, das Geschaffene nicht verfallen zu lassen. Auf sie würde der Untergang des Palästinawerks zurückfallen. Die jüdische Solidarität erfordert es, jüdische Menschen, die in aufopferungsfreudigem Idealismus und unter Einsetzung ihrer Existenz etwas geleistet haben, nicht im Stich zu lassen. Es bedarf auch keiner besonderen Erörterung, daß, wer eine lebensfähige jüdische Siedlung in Palästina will, das Werk nicht in dem Zustand belassen kann, in dem es sich im Augenblick zufällig befindet, daß es vielmehr systemvoll weitergeführt werden muß. Wenn die Palästina-Arbeit bisher in einem Sinn geführt worden ist, der uns die Mitarbeit unmöglich machte, so darf das unsere Bereitschaft zur Mitarbeit in einem Augenblick nicht ausschließen, in dem wir glauben, daß auch die andere Seite ehrlich gewillt ist, die Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit nicht nur damit zu schaffen, daß sie bereit ist. das Geld der anderen zu nehmen. Wir müssen willens sein, an der Siedlung im Lande der Bibel, der Ursprungsstätte unserer Gemeinschaft, mitzuarbeiten. Vorbedingung für eine gemeinsame Arbeit ist aber natürlich, daß man von zionistischer Seite denen, die die Voraussetzungen für eine Weiterentwicklung des Palästinawerks schaffen, den entsprechenden Einfluß zugesteht und ihrer Einstellung Rechnung trägt. Eine Zusammenarbeit, wie man sie Reiche des Allmächtigen (malchuth Schaddaj) und die Völker dem Bunde zuzuführen, der Anbetung Gottes heißt, damit sie an jenen Geboten festhalten, die der Ewige allen Menschen anbefohlen hat, dann werden sie Anbeter Gottes heißen." Er hat selber eine verkürzte Uebersetzung seiner Schrift ins Deutsche angefertigt und drucken lassen, hundert Exemplare davon schickte er nebst einem Begleitschreiben an den 1900 gelegentlich der Weitausstellung in Paris tagenden Kongreß der Religionen, von dem er in seiner Naivität vermutete, daß er sich mit religiösen Reformen befassen wollte. Das Deutsch dieser verkürzten Uebersetzung war jedoch derart, daß keiner der Teilnehmer beim besten Willen hätte daraus klug werden können. Aber das Begleitschreiben, das in hebräischer Sprache der Broschüre beigedruckt ist, gibt einen guten Einblick in die Seelenverfassung des „Religionsstifters" . . . „Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei, ohne die Stütze des Glaubens, denn wenn die Zahl der Leugner der göttlichen Vorsehung zunimmt, wächst die Gewalttätigkeit und das Unrecht in der Welt. In unserer Zeit aber hat der Unglaube zugenommen. Darum habe ich das Büchlein „Religion der Völker" verfaßt, um die Zweifler durch die Bande der Menschenliebe heranzuziehen und dem Bunde der Anbetung Gottes zuzuführen . . Ich bin nicht gekommen, um den Völkern einen neuen Bund zu verkünden, ihnen eine neue Religion zu bringen, sondern um sie in dem uralten Bunde zu vereinen, das ist die Religion Mosis, damit sie an jenen Geboten festhalten, die allen Völkern auferlegt worden sind ... Da aber in der Thora die an alle Menschen gerichteten Gebote unter denen, die die Juden allein betreffen, verstreut sind, habe ich die ersteren herausgesucht und zusammengestellt, um die Uebersicht zu erleichtern . . . Das ist also keineswegs etwas Neues, sondern die uralte, heilige Thora, und meine Schrift ist nur ein Kompendium (jalkut) ihrer an alle Völker gerichteten Forderungen ... Ich wende mich nur an jene Angehörigen der anderen Völker, die von jeglichem Glauben verlassen «-ind, sie will ich durch