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Die Wahrheit · 1928-12-21 · Heft 51 (21.12.1928) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 51 (21.12.1928)
Date
1928-12-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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geite 12 ßföHitöffl^ DIE WAHRHElt haben, darüber zu berichten, was alles sicherlich zur Freude unserer Anhänger geschehen wird, um deren berechtigten Wünschen entgegenzukommen. Wir denken vor allem an eine Ausgestaltung unseres Rechts sc Ii utzbüros, dessen Einzigartigkeit all den vielen in ihren Rechten bedrückten Glaubensgenossen die Möglichkeit bieten soll, in der „Union" jenen Rat und Tat zu finden, dessen sie überall anderswo entbehren. Wir wollen auch unseren weiblichen Anhängern Gelegenheit zu gemeinsamer Arbeit im Sinne der „Union" durch Schaffung einer Frauen sektion geben. Schließlich, aber nicht letztlich soll die bestehende Jugendgruppe der „Union" reorganisiert werden, um der großen Schar von Jugendlichen, die in diesem Wahlkampfe so treu zur „Union" gestanden, ein Betätigungsfeld zu geben, das möglichst breit sein soll. Mit diesen Andeutungen sind nur einige wenige der vielen Pläne kurz skizziert worden, die in unseren Reihen schon vor und insbesondere nach dem 2. Dezember aufgetaucht sind und an deren Verwirklichung wir jetzt emsig arbeiten. Es wird wohl auf diese Weise gelingen, das am Wahltage neuerlich dokumentierte Ansehen der „Union" in der Wiener Judenschaft noch größer zu gestalten und unsere Vereinigung zu einem machtvollen Faktor des Wiener Judentums auszubauen, dessen es sich jederzeit in Stunden der Gefahr bedienen kann. Ein vielfach geäußerter Wunsch unserer Anhänger wurde bereits vorigen Samstag verwirklicht und wir können nach den gewonnenen Erfahrungen wohl mit Recht sagen, daß dieser erste Versuch ein durchaus gelungener war. Es hatten sich nämlich zu dein am Samstag, den 15. d. M. stattgehabten ersten Sprechabend der „Union" eine solch große Zahl von Freunden und Anhängern eingefunden, daß wir für die nächsten Sprechabende, die in dem geräumigen schönen Klublokal des Kaffee Kolionaden stattfinden sollen, wohl mit einem, wenn möglich, noch verstärktem Interesse rechnen dürfen. Es hat sich gezeigt, daß diese Neueinführung der „Union", die vor allem dazu berufen ist, den Kontakt zwischen den aktiven Mitgliedern und Führern der Vereinigung enger zu gestalten, starken Anklang gefunden hat, und wir sind überzeugt, daß bei der nächsten Veranstaltung der Kreis der Interessenten sich noch vergrößert haben wird. Der Präsident der „Union", Herr Dr. Jakob 0 r n s t e i n, begrüßte, lebhaft akklamiert, die Erschienenen, insbesondere die zahlreich anwesenden Damen, und dankte zunächst öffentlich allen Mitarbeitern in diesem harten Wahlkampfe, der nun hinter uns liegt, für ihre treue Anteilnahme an unseren Bestrebungen und die Opferwilligkeit bei den schweren Arbeiten, die zu leisten waren. Er warf hierauf einen Rückblick auf das Ergebnis der Kultuswahlen, aus denen die „Union" wieder als stärkste Partei hervorging, eine Tatsache, die beweist, daß sie nach wie vor das Vertrauen der Mehrheit der Wiener Judenscbaft genießt. Dieser Manifestation eingedenk, will'die. „Union" jetzt intensiver an die Ausdehnung unserer Vereinigung schreiten, und zu diesem Unternehmen erbat Dr. Ornstein die Mitarbeit all jener, die schon während der Wahlbewegung so lebhaftes Interesse an unserer Partei und deren Intentionen dokumentierten. Hof rat Ing. Josef L ö w y besprach hierauf in einem ausgezeichneten Referate, das als Grundlage für eine programmatische Diskussion gedacht war, das Problem des Wiener Judentums, wobei er ganz allgemein von der Frage nach dem Wesen des Judentums ausging. Er berührte hierbei die die heutige Zeit so stark bewegenden Probleme der Rasse, Nation und Religion und verstand es glänzend, nachzuweisen, daß der Kern des Judentums kein rassenmäßiger, kein nationaler, sondern ein religiöser ist. Aus dieser Tatsache sei der Schluß zu ziehen, daß für die jüdische Gemeinschaft sich vor allem die Aufgabe ergebe, ihre ethischen Ideale ohne jedes Kompromiß vor Nationalismus oder Sozialismus zu verfechten, ein Standpunkt, der uns auch die Achtung unserer Gegner und schließlich die Erringung der vollständigen Gleichberechtigung, nicht nur der theoretischen, erreichen lassen wird. Starker Beifall lohnte die Ausführungen des Referenten, zumal sie tatsächlich imstande waren, den Boden für eine Diskussion zu geben, die befruchtend wirken muß. In der Diskussion, die am nächsten Sprechabend am 5. Jänner fortgesetzt werden soll, sprach zunächst Herr Hof rat Dr. Max Lenk, der sich als entschiedener Gegner der Jüdischnationalen und jüdischen Sozialdemokraten bekannte, und die Forderung aufstellte, daß die „Union" dazu berufen sei, das jüdische Bewußtsein zu stärken und seine unerschrockene Betonung gegenüber jedermann zu fördern. In diesem Sinne wandte sich Hofrat Dr. Lenk gegen einzelne Erscheinungen unseres politischen und wirtschaftlichen Lebens, an denen auch Juden beteiligt sind, ohne daß man stets die Empfindung habe, daß hier wirklich etwas geschehe, was der jüdischen Ehre zuträglich sei. Durch eine entschiedene Haltung werde es auch gelingen, die Jugend, die jetzt im nationalistischen und sozialistischen Lager eingefangen ist, für uns zu gewinnen, was eines der wichtigsten Erfordernisse der nächsten Zeit ist. Hof rat Ing. Josef L ö w y erwiderte noch kurz seinem Vorredner in einigen Punkten; im wesentlichen wurde aber beschlossen, die Diskussion für den nächsten Sprechabend zu verschieben, der am 5. Jänner — Einladungen werden rechtzeitig an alle Interessenten ergehen und erbitten wir Anmeldungen an das Sekretariat der „U n i o n", IX., Berggasse 4 — in dem sehr geeigneten Lokal des Kaffees Kollonaden stattfinden wird. Mehere Redner liaben sich bereits für diese Diskussion vorgemerkt, die durch ein Korreferat des Herrn Hofrat Dr. Max Lenk, eingeleitet werden soll. Das Schlußwort hat Herr Hofrat Ing. Josef L ö w y. 1AC MAYER Kleider- und Gummimantel-Industrie Export nach allen Ländern Wien 11., aiockengasse 24 Telephon R 48-4-70 Auch Detail verkauf zu Fabrikspreisen! Herrenanzug nach Maß auf Seide S 200.— Herrenraglan „ „ „ 150.— Herrenhose „ „ 48.— feinst ausgeführt Zeitgemäße Zahlungsbedingungen! Kein Kauf zwang I Freie Besichtigung

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