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Die Wahrheit · 1928-12-21 · Heft 51 (21.12.1928) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 51 (21.12.1928)
Date
1928-12-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Ott Wah£h£i1 Möglichkeit muß es wohl geben, denn diese Fähigkeit besitzen ganz offenbar gewisse Lebewesen, die Insekten, die Tiere — in ihrem Instinkt. Wie äußert sich dieser? Ein Beispiel: Eine Bremse legt ihre Eier auf die Haut eines Pferdes an einen ganz bestimmten Ort. Zu welchem Zweck? Die Eier der Bremse gedeihen ganz besonders im Magen des Pferdes und die Bremse legt diese Eier gerade an jene Stellen, die das Pferd mit der Zunge erreichen kann, und indem es sich beleckt, gelangen diese Eier auf die einfachste Weise in den Magen des Pferdes. Ein anderes Beispiel. Eine Wespe fängt eine Fliege. Sie will sie nicht sofort verzehren, sondern als Beute auf Lager legen. Sie will sie aber auch vor Verwesung bewahren. Zu diesem Zwecke durchschneidet sie der Fliege bestimmte Nerven und gerade jene Nerven, deren Durchtrennung die Paralyse des erbeuteten Tieres herbeiführen. Denken wir nur an den Staat der Bienen, der Ameisen und ähnliche zweckmäßige Leistungen anderer Insekten, dann können wir nicht anstehen, den Tieren Fähigkeiten zuzusprechen, die die gründlichsten anatomischen Kenntnisse vorauszusetzen scheinen, die uns geradezu wie ein Wunder anmuten. Und wir wissen: die Tiere zeigen sogar gewisse moralische Anlagen, die die menschlichen Tugenden weit in den Schatten stellen, ja oft einen politischen Sinn, der selbst unsere Diplomaten beschämen könnte. Und dieser Instinkt zeigt sich nicht nur bei Organismen, sondern auch schon bei der Zelle. Wir sprechen mit Recht von einem Zellenstaat. Sowie in den menschlichen Körper ein Fremdkörper, etwa ein Bazillus, eindringt, schließen sich sofort alle Zellen zu einem Bündnis gegen die gemeinsame Gefahr zusammen. (Fortsetzung folgt.) QßlCTfetx. Anläßlich des Todes Leon Kellners wurde vielfach auch besonders des hohen Ansehens gedacht, das er in England wegen seiner hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiete der Shakespeare-Forschung genoß. Diese Anerkennung galt nicht zuletzt auch dem vornehmen, ungemein sympathischen Manne, der sich überall die Freundschaft und Verehrung wertvoller Menschen erwarb. Bezeichnend, aber nicht nur im erfreulichen Sinne ist die Mitteilung eines Wiener Schriftstellers, daß der Rektor dier Londoner Universität vor Jahren ihm gegenüber nach schmeichelhaften Bemerkungen über Kellner die Frage richtete, warum dieser nicht längst Professor an der Wiener Universität geworden sei? Der Wiener Schriftsteller, an den später, wie er erwähnt, noch mehr als ein englischer Literaturhistoriker diese Frage richtete, schloß seine Mitteilung mit den Worten: „Darauf wußte ich freilich keine Antwort". Seltsam! In Wien hätte jedjer mit den Verhältnissen auch nur einigermaßen Vertraute dem Rektor der Londoner Universität eine genaue Antwort gieben können. Freilich, ob er sie in London dan nauch begriffen hätte, ist eine andere Frage. Die letzten Rektoren der Wiener Universität hätten allerdings schon die Frage für ganz überflüssig gehalten. :•: j}: Man kann beim besten Willen nicht behaupten, daß unsere parlamentarischen Großdeutschen bei ihrem konsequenten Zusammenknickten vor den Christlichsozialen, von denen sie angeblich eine Weltanschauung trennt, den Eindruck einer besonders ernst zu nehmenden Partei machen. Wozu nehmen-sie sich aber noch außerdem von Zeit* zu RICHARD HERZOG» Wien I., Adlergasse 5 Telephon R 23-4-90 II., Kl. Pfarrgasse 28 Telephon A 41-6-24 Oberkantor J. ROSENBLATT und alle anderen jüdischen und hebräischen Lieder und kantoralen Gesänge. Auch Opern und moderne Schlagerplatten in größter Auswahl. 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Die Großdeutschen natürlich beteiligten sich an dem Gelächter nicht. Sie blieben da eine wirklich höchst ernste Partei. * Einige hervorragende Geistlichte in Dänemark haben kürzlich einen Aufruf zur Unterzeichnung an alle Amtsbrüder im Lande versandt, in welchem gegen jeden Krieg, als unvereinbar mit dem Christentum, protestiert wird. Es verlautet, daß nunmehr die Rabbiner in Dänemark, dem schönen Beispiele folgend, im Sinne! ihrer Religion eine ganz ähnliche, vom pazifistischen Geist durchdrungene Kundgebung gegen den Krieg zu veröffentlichen beabsichtigen. Sie wollen darin angeblich aber nebenbei auch einen innigen Wunsch wiederholen, der (wie auch an dieser Stelle schon einmal, registriert wurde) bei einem anderen geeigneten Anlaß schon geplant wurde, der aber beider seine Aktualität noch nicht eingebüßt hat. Die dänischen Rabbiner wünschen, daß die dänischen Geistlichen mit ihrem Protest gegen den Krieg mehr Glück haben, als Papst Pius XI. bishler mit seinen Erklärungen gegen den Antisemitismus hat. Der Papst hat nämlich auch diesen als unvereinbar mit dem Christentum bezeichnet. -

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