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Die Wahrheit · 1928-12-21 · Heft 51 (21.12.1928) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 51 (21.12.1928)
Date
1928-12-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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iiiiHUMHiiiiüiiittö Seite 5 Oesterreichs, wo ehemals bis zur Abschaffung der Todesstrafe die abscheulichen Hinrichtungen stattgefunden haben, gibt es keine jüdischen Mörder, keine Einbrecher, keine verrohten Gewohnheitsverbrecher, wie wenn sie wüßten, daß sie damit "unsägliches Unheil auf das Haupt des Judentums laden würden. Angesichts dieses Elends muß das unendlich tiefe jüdische Wohlwollen erstrahlen. Wir Juden können nicht ewig verdammen. Das traditionelle Judentum kennt keine Strafen, sondern nur ein Warnen, ein Mahnen, ein Bitten. Machet Baal-Teschuba's aus den unglücklichsten aller Juden, zeiget der Welt, daß R. Jochanan ben Sakai Recht behalten hat, wenn er den Besitzer des guten Herzens als den besten Juden bezeichnete! Hier wäre eine gemeinsame Plattform gegeben, wo sich alle Parteien im Judentum treffen und einigen können. Während so Hoffnung und Trauer in meinem Herzen wechseln, denke ich über praktische Vorschläge nach, die man der jüdischen üeffentlichkeit unterbreiten könnte, deren organisatorische Durchführung und Verwirklichung der neue Kultusvorstand erfolgreich, mit frischem Mut beseelt, in die Wege leiten könnte. Ein Amt allein darf es nicht sein. Wir haben an dem Beispiel eines unglücklichen Kindes gesehen, daß ein Amt Zeit braucht, Fehler begehen kann, da es bürokratische Vorschriften erfüllen muß. Nur ein Verein arbeitswilliger Männer und Frauen, mit dem Herzen bei der Sache, an gar keine Vorschriften gebunden, kann dieses edle Werk erfolgreich durchführen. Die Redaktion dieses Blattes will gerne Beitrittserklärungen von solchen hochherzigen Männern und Frauen entgegennehmen, die an die Gründung eines solchen jüdischen Rettungs- und Fürsorgevereines herantreten würden. Nach Stein kommen in der Regel jüdische Männer, die über ein Jahr Kerker erhalten und schon einen Teil ihrer Strafe in Wien abgebüßt haben. Die jüdischen Frauen, die so hart bestraft wurden (es gibt deren Gott sei Dank nicht viele) kommen in die Bezirksgerichte der Provinz. Ihr Los, ihren Jammer kenne ich nicht. Auch für diese Geschöpfe soll unsere neue Fürsorge gelten. Dr. K. K u p f e r, israel. Straf Seelsorger in Stein. WeibdJlbcniuntmfikJ)k fflahtkeül S. Restaurant II., Zirkusgasse 30 Telephon R 43-1.60 VorzUgl. Wiener, ungarische und orientalische (rumänische) Küche. Mittag und Abend Menü nach Wahl. Erstklassige Getränke. KAU- UND VERKAUF VON REALITÄTEN JEDER ART SOWIE ÜBERNAHME VON HAUSVERWALTUNGEN DURCH ARCHITEKT HEKH/1NN EBENSP/mQER WIEN IX., LATSCHKAGASSE 4 / TEL. A16-5-15 Der Fall Halsmann. Der Prozeß gegen den Studenten Philipp Halsmann hat einen unerwarteten sensationellen Ausgang genommen. Der Angeklagte wurde des Vatermordes schuldig erkannt und zu 10 Jahren schweren Kerkers verurteilt. Der Schuldspruch erfolgte, trotzdem es der Staatsanwaltschaft nicht gelang, einen klaren Beweis für die Schuld des Angeklagten zu erbringien. Die Verlesung des Verdikts sowie die Urteilsiällung waren von Gefühlsausbrüchen des Auditoriums und des Verurteilten begleitet, wile sie der Innsbrucker Schwurgerichtssaal vermutlich noch nicht oft miterlebt hat. Philipp H a 1 sm a n n, der das Verdikt schon vor der offiziellen Bekanntgabe erfahren hatte, schrie außer sich: „Das ist Justizmor d", worauf der Vorsitzende auf den Tisch schlug und zurückschrie: „Das ist Justiz!" Auch das Auditorium, Innsbrucker Intelligenz, protestierte gegen diesen Justizirrtum, worauf der Vorsitzende von seinem Hausrecht Gebrauch machte und durch Gendarmen dien Saal räumen ließ. Philipp Halsmann erklärte, er könne das Urteil nicht mitanhören und ließ sich abfüuren. Er versuchte, sich mit einer Bleistiftspitzerklinge die Pulsadern aufzusenneiden, wurde aber daran gehindert. Sein Verteidiger, der bekannte Wiener Rechtsanwalt Dr. Richard P r e ß b u r g e r hat in seinem Plädoyer vorausahnend gesagt: „Das Gespenst des Justizmordes schreitet auch durch diesen Verhandlungssaal!" In einem Interview sagte Rechtsanwalt Dr. Preßburger, er habe bei der Einstellung der Geschworenen schon während des Plädoyers das Empfinden gehabt, daß er tauben Ohren predige. Dieses Gefühl sei durch verschiedene kleine Zwischenfälle während des Prozesses entstanden und bestimmt worden. So habe man ihm mitgeteilt, daß von Zeugen aus dem Zillertal, die Dr. P r e ß b u r g e r als absolut befangen bezeichnet, auf dem Gange wiederholt geäußert wurde, „man werde den Juden schon eintunken". Am Samstag, den 15. d. M., habe ein Geschworener, als der Angeklagte demonstrierte wie er sich den Absturz vorstelle, kategorisch erklärt: „Mir machen S' nichts vor, an dieser Stelle kann ma sei fnediämr i Itttsft Gl.,™ HJ UHH Ivlllll Seltensten »9asie 2 Tai. U 28 1-28 XI., Zentralf riedhoff» neben dem 1. Tor, Tel. t> 18-0-83

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