Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 50 (14.12.1928)
- Date
- 1928-12-14
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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IPlßPlMII^^ Seite 13 letzter Redner dankte Kommerzialrat Kurl Klemperer im Namen der Sozialen H i 1 f s g e m e i n s c h a i t dem Verstorbenen für sein mcnsehenfreundL'ches, vom wahrsten jüdischen Geiste beseeltes Wirken für die armen und notleidenden Glaubensgenossen. Die kantorale Funktion wurde von Oberkantor Isr. K. K a t z mit großer Chorassistenz in überaus würdiger Wei'se durchgeführt. Nur schweren Herzens konnte sich die nach Hunderten zählende Trauergemeinde, unter welcher sich auch zahlreiche Mitglieder der B.-B.-Logen befanden, von der Stätte trennen, in v/elcher dfe Kühle ein noch jugendliches Herz umfaßt, das so warm für alles Gute und Schöne geschlagen. Erste Jahrzeitfeier für den seligen Dr. Chajes im Stadttempel. In würdiger, vornehmer Weise, wie es dem Andenken des unvergeßlichen Oberrabbiners geziemt hat, fand im Stadttempel Mittwoch, den 5. Dezember, abends, eine Trauerandacht statt. Nachdem Herr Oberkantor H. Fischer das Maariv-Gebet in althergebrachter Weise verrichtet hatte, sang Herr Oberkantor M. Matyas mit dem vortrefflichen Chore, der unter der Leitung des bewährten Herrn Direktor J. Z e 1nik stand, die wehmütige Melodie des 49. Psalmes „Schimeu saus kol hoamim"; sodann brachte Herr Oberkantor M. Matyas ein für diesen Anlaß von ihm verfaßtes Menucho nechauno in ergreifender Weise zum Vortrage. Herr Bethausvorsteher Oskar R o s n e r sagte das Kadischgebet. Der Gesamteindruck dieser Trauerandacht war ein erhebender, ein überaus teilnahmsvoller; jeder Anwesende konnte erkennen, daß ein großer, bedeutender, ein über alle Maßen verehrter und geliebter Mann betrauert, daß diesem ein inniges, herzliches Gedenken in dieser weihevollen Stunde gewidmet wurde. Das Menucho nechaumo lautet in freier Uebersetzung: Eine wahrhafte Ruhestätte in den Höhen unter den Fittichen Gottes für die Seele unseres Vaters---der Wagen Israels und seiner Reiter---kommen wir in das Heiligtum zum Gebet. Sein schützender Mantel ist von uns gefallen, als c" im Sturme in den Himmel fuhr, und wir suchen den Gott des Chajut, den unverfälschten Gottesgedanken — vom Ursprünge an. Bescheiden war sein Erdenwallen, nur für den reinen Gottesglauben hat er gestritten auf Erden, um in Juda den Bestand zu sichern. Er stärkte sich gleich einem Tiger, gleich einem Hirsche war er dann beflissen. Als Schelaumaus Sohn stammt er von dem gelehrten Helden, deren Leben ein Ewiges in den Höhen ist, das auch er sich zu hüten hat angeeignet, durch Wissenschaft, Rechtlichkeit und gute Werke. Das sahen, priesen und gaben alle zu. Seine schöne Sprache war mit Gunst vereint, um seinem Volke den Weg des Lichtes -:n lehren, ihm eine Heimstätte zu bahnen, vor der Bedrückung in allen Zeiten. Wenn auch ein Grabmal seinen Körper deckt, sein Glanz wird verankert bleiben in unseren Herzen, der Sonne gleich dauernd leuchten, sein Verdienst wird uns 'zum Schutze sein. Man findet im Sifre in einem Midrasch am Ende d»;s Abschnittes Schauftim die Bemerkung zu dem Bibelvers: Vergib Deinem Volke Israel — damit sind die Lebenden gemeint — die Du erlösest — damit sind die Toten gemeint. Deshalb wollen wir vor dem Herrn des Erbarmens unser Herz ausschütten für das Seelenheil unseres großen Lehrers, des hervorragenden Oberrabbiners Dr. Chajes, der ein wahrhaft tadelloser, gerechter Mann war. Gott möge seiner zürn Guten gedenken im Rate der Gerechten der Welt. Möge der Allerbarmende seine Verdienste lohnen, damit er die Herrlichkeit Gottes erschaue, seine Seele Anteil nehmen an der Ewigkeit, und seine Ruhe in Ehren bedacht sein. Der Friede sei ihm gegönnt nach Deinem Willen oh Gott. Amen R. K. Jubiläumsfeier. Der unter der bewährten Leitung des Obmannes S. N a t o v i c stehende „Jüdische H i 1 f s v e r e i n P r a t e r", der auf eine 10jährige segensreiche Tätigkeit zurückblicken kann, veranstaltet Sonntag, den 16. Dezember, im Cafe Wien, IL, Stuwerstraße 1. eine Jubiläumsfeier, bei welcher 50 arme Kinder mit vollständiger Kleidung bcteilt werden. Jüdischer Arbeitsnachweis. Donnerstag, den 2<j. November hat die Neukonstitution des Vorstandes des Vereines „Jüdischer Arbeitsnachweis", IL, Taborstraße 59, stattgefunden und wurden nachfolgende Funktionäre gewählt: Präsident: Kommerzialrat Karl Klemperer; Vizepräsidenten: Rabbiner Dr. M. R o s e n m a n n und Hofrat Leopold H e r t z ka: Schriftführer; Ingenieur Leo Steiner; Kassier: Gustav BETTFEDERN En gros SPEZIALHAUS en detail Leo Schotten, Wien XIV., BraunMrscbengasse Nr. 21 Telephon R 38-3-83 — Provinzversand — Samstag geschlossen Zentrale: Mattersburg, Bargentand. _ Jacob; Obmann des Exekutiv-Komitees: Kommerzialrat Emil Abraham. Der neugebildete Vorstand hat beschlossen, eine lebhafte Propaganda im Kreise der jüdischen Arbeitgeber einzuleiten und durch dieselbe nicht nur eine materielle Kräftigimg, sondern auch eine erhöhte Leistimgsfähigkeit des Vereines herbeizuführen. Der Delegiertentag des Jüdischen Hochschulausschusses findet am Samstag, den!5. d. M„ um 4 Uhr nachmittags, im Festsaale des Vereines „Zukunft", Wien VIR, Bennoplatz 1, statt. Chanuka~Feiern. israelitische Versorgunjjsanstalt. Samstag, den S. Dezember 1. .1. fand in der Israelitischen Versorgungs- und Sieeheti- Austalt, IX., Seegasse 9, anläßlich des Chanukah-Festes eine Bcte'lung der Pfleglinge statt. Dank den Bemühungen des Obmannes Herrn Kuitusr -t David D o ha n. des Herrn .Julius B e r g e r. des Merru S. O e s t e r r e i c h e r (Bikur ChauMm, IX. Bezirk) und vieler anderer war es heuer möglich, den Insassen durch Aufbringung wertvoller Geschenke eine besondere Freude zu bereiten. Nach der guten Jause und der erfolgten Bescherung fand im Betsaale der Anstalt ein Gottesdienst statt: Öberkantor M. Mary äs brachte die feierlichen Gesänge mit großer Chorassistenz unter der bewährten Leitung des Chordirektors Josef Zellnik zur erhebenden Wirkung. Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Schwarz richtete an die fast vollzählig erschienenen Insassen eine zu Herzen gehende auf das Fest bezugnehmende Ansprache. Anwesend waren unter anderen die Herren Präsident Generaloberstabsarzt Dr. Alois Pick, Siegmurtd K o r n m e h 1. Josef D o Ii a ii, S. W e i n e r, Franz Engel. Adolf ß 1 a u, Redakteur Hirschfeld, Architekt Li ndne r. \\\ die alten Frauen und Männer, welche die Anstalt bewohnen, waren voll des Lobes und Dankes für das ihnen Gebotene. Ein Chanukah-Fest im Blinden-fnstitut Hohe Warte gehört zu jenen Feiern, deren nachhaltiger Eindruck der beste Mahner zur Teilnahme für die nächste Veranstaltung ist. Was am verflossenen Sonntag geboten wurde, verdiente die höchste Bewunderung und diese wurde auch von dem weit über 200 Personen zählenden Auditorium gezollt. Das Anzünden mit den Chanukah-Gesängen leiteten die Feier ein. Ein Chor aus Juda Makkabäus von Händel folgte. Im klassischen Hebräisch sprachen hierauf zwei blinde Kinder die Gedichte ..Chanuka" und „Das Trendelchen", nachdem sie vorher den Gästen den Inhalt in deutschen Versen bekanntgaben. Nun spielte ein Orchester, ans blinden Knaben und Mädchen zusammengesetzt, in vollendeter Welse die Ouvertüre zu „Orpheus in der Unterwelt", geleitet \oin ehemaligen Zögling Abram F r i e d m a n n. einem hochbegabten jungen Musik«.,r. Nicht enden wollender Beifall begleitete eine von der Anstalts- Lehirerin Vitta Seif einstudierte Märchenauriührung mit Musik und Tanz, eine Leistung, die einem aufrichtigste Bewunderung für die Tätigkeit einer Blindenerzieherin und größte Ueherraschung für die Befähigung blinder Kinder abringt. Der Findruck kann vielleicht nur durch die Worte charakterisiert werden, die ich den Kultusvorsteher. Fabrikanten Bernhard Altmann zum Direktor der Anstalt sr.gen hörte: „Zuerst ist man in der Seele traurig: hat rmn aber d'^se reizenden blinden Kinderchen ii? ihrer ungetrübten Freudigkeit gesehen, dann ist man doDnelt froh und aufs neue erfreu, daß so eine Anstalt existiert." Eine reiche innige Besehen;n^. verbunden mit einer Fest'ause. schloß diese prächtige Feier iK 0. K. Döblinger Temoelverein. Aus AnL ß des Charnikahf.-st'-s fand Samstag, den 8. Dezember. K>5 Uhr abends, ein Festgottesdienst im Döblinger Tempel statt. Die Festpredigr hielt Herr Rabbiner Dr. A. F r a n k f u r t e r, die kantor^ie Funktion versah Herr Oberkantor D. Bogumolny, der durch seine künstlerischen Leistungen die Zuhörer begeisterte,