Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 50 (14.12.1928)
- Date
- 1928-12-14
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Iinilllillllllll .....Ilülüüüllillüll DIE WAHRHEIT Chanukahfeier in der Kinderbewahranstalt. Das Chanukahfest ist ein Fest der Jugend. Dies kam einem so recht zu Bewußtsein, wenn man die Kleinsten der Kleinen, welche der Kinderbewahranstalt in der Schiffamtssasse, dieser ältesten jüdischen Wohlfahrtsanstalt anvertraut sind, beobachtete, wie sie mit leuchtenden Augen die leuchtenden Lichter an der silberglänzenden Menorah umstanden. Gibt es einen herzerquickenderen Anblick als fröhliche Kinder? Da kann man sich wohl sagen: Unser Judentum, mag es auch viele tausende Jahre alt sein, hat sich seine Jugend zu bewahren gewußt und ist daher immer in der Lage, Freude und Begeisterung in jugendlichen Gemütern hervorzurufen. Eine illustre Gesellschaft wohnte dieser erhebenden Feier bei, welche Sonntag, den 9. d. M. stattfand, und hörte begeistert den tiefschöpfenden Worten, welche der Präsident der Anstalt, Herr Rabbiner Dr. Max G r u n w a 1 d, über die Bedeutung des Chanukahfestes im allgemeinen und für die Anstalt im besonderen sprach. Mit bewunderungswerter Einfühlungsgabe konnte Rabbiner Dr. G r u n w a 1 d auch dem jugendlichsten Zuhörer die Bedeutung des Festes begreiflich machen und einzelne zutreffende Antworten der Kleinen zeigten, daß die Worte Dr. Grunwalds auch bei ihnen ihre Wirkung nicht verfehlt haben. Oberkantor G. Margulies vom großen Leopoldstädter Tempel entzündete die Chanukahlichter, worauf von den Heimschützlingen das Moaus zur gesungen wurde. Das sonstige reiche Festprogramm wurde von den Heimschützlingen aufgeführt und ernteten die Kleinen und die Kleinsten für ihre wirklich entzückenden Darbietungen reichen Beifall. Für die schöne Veranstaltung gebührt dem rührigen Vorstand und Frau Direktor Fischer volles Lob. Chanukahfeier im XVIII. Bezirke. Die diesjährige, am Sabbath-Chanukah für die Jugend dieses Bezirkes im Währinger Gemeindetempell veranstaltete Chanukahfeier bot durch die äußerst rege Teilnahme — es waren mehr als 300 Kinder und deren Eltern anwesend! — ein prächtiges Bild, das Heiir Rabbinec Dr. Feuchtwang in sei'ner Ansprache an die Kinder zum Gegenstande einer recht wirkungsvollen Betrachtung machte. Der Verein zur Erhaltung einer Tahnudthoraschule im XVIII. Bezirke, der unter der Führung des Herrn Medizinalrates Dr. Ignaz Winter steht und dessen Unterrdchtskurse Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. David Feuchtwang leitet, entfaltet in seinem Bezirke ein allseits anerkanntes segensreiches Wirken; fast 100 Schulkinder werden von tüchtigen Lehrern, vollkommen unentgeltlich für ihre Eltern, unterrichtet und zu aufrechten, gläubigen Juden und Jüdinnen erzogen. Der Bund jüdischer Eltern im II. Wiener Gemeindebezirke veranstaltete Sonntag, den 9. Dezember, nachmittags, im Festsaale dies Hotel Continental, eine Chanuka-Feier, die einen wunderschönen Verlauf nahm und sich dank der vorbildlichen Tätigkeit des Vorstandes, insbesondere des Obmannes Direktor Gustav K o 1 m i n, zu eOnem wahren Freudenfest der Jugend gestaltete. Es war ein herzerfreuender Anblick, so viel Jugend, so viel Hoffnung, so viel Anmut und kindliche Fröhlichkeit beisammenzusehen und auch die Alten, die zu diesem Feste der Kleinen erschienen waren, konnten ich mit der Jugend freuen. Unter den Anwesenden bemerkte man den Protektor des Vereines Heirrn Rabb. Dr. Max G r u nw a I d mit Gemahlin, Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Dr. Jakob O r n s t e i n, Kultusvorsteher Dr. J. K 1 a b e r, Dr. A. Kaminka, Frau M. Steiner, Schulinspektor Prof. Wiesner, Hofrat Ing, Löwy und Gemahlin. Chefredakteur Hirschfeld und Gemahlin u. a. m. Obmann Gustav K o 1 m i n begrüßte die Festgäste und dankte den Herren Bethausvorsteher Siegmund Ernst. Brüder Dohan, Wilhelm Herzka und Ludwig Sz in berger für die Beschaffung der zahlreichen Festspenden, dem Lehrer Markus Pick und der Frau Lehrerin Rosa Reiss für die künstlerische Leitung der Darbietungen sowie allen Alitwirkenden, die ihr Können in den Dienst der guten Sache gestellt haben. Aus dem .reichhaltigen Programme erwähnen wir das Anzünden der Chanukalichter und die Festgedichte der Schüler Erich F r a n k 1. Walter Degen stück, Julius E i s n e r, Robert Paschkes unter Mitwirkung des Chores der Bibelschule in der Tempelgasse. (Sclo Walter Degenstück.) Die Gelegenheitsgedichte des Mittelschülers Kurt Sonne nschein und der Bürgerschülerimien Gerda und Paula Weiß wurden ebenfalls mit großem Beifall aufgenommen. Dr. J. K 1 a b e r würdigte sodann in einer Festrede die Bedeutung des Chanukafestes. Außerordentlichen Beifall ernteten die Violinvorträge des jugendlichen Virtuosen Walter G u 11m a n n (Klavierbegleitung Frl. Adrienne G a 1 i m i r) sowie die Instigen Lieder der kleinen Litzi T h i e m a n n. Das Festsniel ..Der Mutter Traum" fand bei Jung und Alt großen Gef 'üen und trug den jugendlichen Darstellerinnen sowie der Spielleitung der Frau Religionslehrerin Rosa Reiss ungeteiltes Lob efoi. Reizend war der Schuberttanz der 7jährigen Renate Kreindler, einstudiert von Tanzmeister Prof. Rudolf H e i m a n n. Zum Schlüsse kamen die mit großer Spannung erwarteten Chanukageschenke, welche bei allen Kindern lebhafteste Freude auslösten, zur Verteilung. Zugunsten der Schülerausspeisung an der jüdischen Volks- und Hauptschule, Wien II., Malzgasse 16, veranstalteten hervorragende Kantoren und Künstler am 9. Dezember, abends, im Festsaale des „Hotel Continental" einen Künstlerabend. Obwohl das sorgfältig gewählte Programm einen erlesenen künstlerischen Genuß erwarten ließ, wurde diese Erwartung von der ersten bis zur letzten Nummer weit übertroffen. Das reiche, edle Stimmenmaterial der Oberkantoren E. Frankel, G. Margulies, J, Müller und S. Weiß übten auf die zahlreichen Zuhörer einen nachhaltigen Eindruck und lösten die Darbietungen wahre Stürme von Begeisterung aus. Oskar B e r e g i, einer unserer bedeutendsten darstellenden Künstler, hatte sich ebenfalls in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt und rezitierte mit Liebe und künstlerischer Vollendung einige Bibelstellen. Der Cellovirtuose Ernst Friedländer trug mit großer Verve einige Konzertstücke vor. Besondere Erwähnung verdient die Festrede des Herrn Prof. E i s 1 e r. Der jüdische Witwen- und Waisenhilfsverein (IX., Servitengasse 12a). welcher, wie aus der ausgezeichneten Festrede des Herrn Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz hervorging, nach dem Ableben eines Mitgliedes der hinterbliebenen Witwe und den Waisen einen der Mitgliederzahl entsprechenden Betrag auszahlt und auch sonst hilfsbedürftige Witwen und Waisen unterstützt, veranstaltete Samstag, den 8. Dezember 1928, abends, im Müllner-Tempel, eine Chanuka-Feier, verbunden mit liturgischen Gesängen und jüdischen instrumentalen Melodien. Die mit wahrer Begeisterung aufgenommene Veranstaltung trug den ausgezeichneten Mitwirkenden uneingeschränktes Lob ein. Oberkantor S. P o s t o 1 o w, der den größten Teil des reichhaltigen Programmes bestritten hat. entzückte die Zuhörer durch Farbe, Klang und Schlagkraft seiner schönen Stimme. Professor Josef Z i m b 1 e r brachte einige Violinpiecen meisterhaft zum Vortrage. Händeis Arie aus „Israel in Aegypten" gab der Konzertsängerin Fräulein Grete Körner Gelegenheit, ihr Können zu beweisen. Gebührende Anerkennung verdienen die Leistungen des Dirigenten A. Dzimitrofsky und des Orgelvirtuosen Prof. Ignaz Feinsinger. Das Chanuka-Bekleidungsfest des Jüd. Wohltat.-Vereines ..Brüderlichkeit" findet Samstag, den 15. Dezember, abends 8 Uhr, in Verbindung eines „gemütlichen Konzert- und Tanz-Abends" dm Cafe Rembrandt, IL. Unt. Auga-riteinstraße 11, statt. 100 Kinder werden mit Geschenken beiteilt. — Entree frei, Gäste willkommen. Das Musikhaus Exzelsior, Wien I., Adlergasse, 5. teMt bezüglflch jüdischer uaid h e b näi sc h e r Schallplatten mit, daß es der Firma gelungen ist, ganz neuartige original amerikanische Aufnahmen zu erhalten. Der Verkauf derselben findet nun noch solange der Vorrat reicht statt. Vorführungen für unsere Leser uuvorbindiMch und kostenfrei. Außerdem findet derzeit ein Propagandaverkauf von erstklassigen Schlagerplatten zu besonders billigen Preisen statt. „Un'on deolschösterreldiismcr Juden4" _Wien IX., B&rggasse 4, Tel, A 19-2-77._ Die Mitglieder und Freunde der „Union" worden zu dem am Samstag, den 15. Dezember 192 8, 8 U h r a b e n d s im Kaffee Corso,!., Kolowratr i n g 6 stattfindenden SlMreclial»en«l höflichst eingeladen. Tagesordnung: 1. Dr. Jakob O r n s t e i n: Begrüßung und Rückblick auf die Kultuswahlen. 2. Hofrat Ing. Josef Löwy: Das Problem des Wiener Judentums. 3. Diskussion. Wir bitten, bei dieser Veranstaltung beistimmt zu erscheinen und Mitglieder des Familien- und Bekanntenkreises, auch Damen, freundlichst mitbringen zu wollen. Wir beabsichtigen in der Folge solche Sprechabende alle 14 Tage zu veranstalten und rechnen mit Bestimmtheit auf reges Interesse für diese Neueinführung der „Union". Für die „Union deutschösterr. Juden" Der Präsident: _ Dr. Jakob O r n s t e i n m. p.