Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 50 (14.12.1928)
- Date
- 1928-12-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064248-3064296--16798-3089568- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sülie 12 ^k^''!!'^ OIE WAHRHEIT |M| {3 B £ LFAB R I K FERNSPRECH-NUMMER R 45-1-91 mmmmmmmmS!r €l PPENHEIM WIEN, 2. BEZ., PRATERSTRASSE NR. 30 ^mkW ^■^^■■^■^^^^^^^■i Reiche Auswahl solid gearbeiteter Möbel zu billigsten Preisen Atelier für Innendekoration, stets große Auswahl von Mobein aller Stilarten In Jeder Preislage. ——■ dent unseres Parlamentes hat er auch im wildesten Toben, im heftigsten Aufeinanderprallen der politischen Leidenschaften Geduld, Mäßigung und Unparteilichkeit bewahrt, er war zwar Politiker, aber nie einseitiger Parteipolitiker, so daß ihm selbst die Oppositionspartei den Zoll der Achtung niemals verweigert hat. Wir hoffen daher, daß Bundespräsident Wilhelm Miklas auf der höchsten Stelle in unserem Staate das bleiben wird, was er bisher gewesen: ein guter Familienvater. Das ist der Glückwunsch, mit dem wir österreichischen Juden, die wir uns ganz als ein Glied unserer österreichischen Familie fühlen, aus vollem Herzen anläßlich seines Amtsantrittes begrüßen. Möge er mit der Güte des Vaters und der Geduld des Lehrers alle seine Kinder, die guten wie die bösen, leiten und lenken, einer glücklicheren und vor allem freundlicheren Zukunft entgegen! Amerika und das Hilfswerk für die Ostjudenheit. Durch die 500.0U0-Dollar-Spende von John D. Rockeieller junior zugunsten des russischen Kolonisationswerkes des amerikanischen Agro-Joiht wurden die Gesamtfonds dieser Institution auf acht Millionen Dollar gebracht. Aus diesem Anlaß erläßt der Präsident des Agro-Joint, Herr James R. Rosenberg, einen Appell an die Juden Amerikas, ohne Säumen die zu dem 10-Millionen-Dollar-Fonds noch fehlenden zwei Millionen Dollar aufzubringen. Bekanntlich hat Herr Julius Rosenwald aus Chikago für das russisch-jüdische Kolonisationswerk fünf Millionen Dollar gespendet, aber daran die Bedingung geknüpft, daß bis zu einer gewissen Zeit von anderen Personen für den gleichen Zweck fünf Millionen Dollar gegeben werden. Herr Rosenberg teilt ferner mit, daß in kurzem ein Siedlungsvertrag mit der russischen Regierung geschlossen werden wird. Wir müssen uns beeilen, schließt er seinen Appell, wir müssen das Wettrennen gegen die Not der jüdischen Massen gewinnen. Wo man sich austoben darf. In Rumänien ist eine eigenartige Bestimmung getroffen worden, die hoffentlich nicht ohne Erfolg bleiben wird. Unterrichtsmirofster Professor N. Costachescu sandte an alle Universitäten des Landes ein Rundschreiben folgenden Inhaltes: „Zwecks Aufrechterhaltung der Ordnung in den Universitäten ersuche ich Sie, außer den schon bisher getroffenen Maßnahmen noch folgende Verfügung durchzuführen: Während der Vorlesungen mögen drei bis vier Studenten bestimmt werden, damit sie aufpassen, welche Studenten Unruhen hervorrufen wollen. Im Einvernehmen mit dem Kriegsministerium verfüge ich, daß diejenigen Studenten, welche bei der Ruhestörung betroffen werden, sofort der Studienaufschub entzogen werde und daß sie als Strafe zum Militär eingezogen werden." Chaim Weizmann und die Stephanskrone. Das Organ Adolf Hitlers, der „Völkische Beobachter", läßt allen Ernstes aus Wien, 24. Oktober, melden, daß der liberale Abgeordnete und frühere Justizminister Dr. Emil Nagy. sowie der 86jährige Publizist Eugen Rakosi dem Führer der Zionisten, Professor Chaim Weizmann, die ungarische Stephanskrone angeboten haben, in der Hoffnung, daß dieser Thronkandidat die Unterstützung des internationalen Judentums in der Weltbörse finden und daß es seinem Einfluß gelingen werde, eine Revision des Vertrages von Trianon herbeizuführen. In Ungarn, besagt die Meldung weiter, glaubte man erst, daß Nagy und Rakosi Lord Rotheraiere als Thronkandidaten vorgeschlagen hätten, nunmehr sei es aber gewiß, daß der neue Thronkandidat dieser Gruppen Chaim Weizmann heißt. Vui Woche zu IDocke In memoriam Dr. Ernst Friedjung. Still und bescheiden, wie Dr. Ernst Fried jung gelebt, ist er von uns gegangen. Im Kreise seiner innigstge- K'ebten Familie hauchte er nach langem schweren Leiden am 7. d. M. seine treue Seele aus. hrst üurcli die Zeitungen erfuhr die große Zahl seiner Freunde und Verehrer, daß er aus dem Leben geschieden ist, und jeder, der ihn gekannt, hatte das Gefühl, daß der unerbittliche Tod einen der Besten aus dem Kreise seiner Freunde geholt; einen Mann, der, anspruchslos für seine eigene Person, stets hilfsbereit dastand, wo man seines Rates und seiner latkrait bedurrte. Mit Dr. Ernst F r i e d j u n g, der nur ein Alter von 53 Jahren erreichte, ist ein kluger, tatkräftiger und charaktervoller Mann, voll Eifer für jüdische Atigelegenheiten, von uns gegangen. Er kam aus dem Verbände der Wiener Tempelvereine als Vertreter der Bezirke Wieden—Margareten in den Kultus vorstand, wo er vom Jahre 1920 bis zum Jahre 1924 eine allseits geachtete und verdienstvolle Tätigkeit entfaltete. Er war durch Besonnenheit und Objektivität ausgezeichnet und erregte durch seine inhaltsreichen, sachlichen und eingehenden Referate stets Bewunderung. Auf eine Wiederwahl ■i'm Jahre 1924 hat der Verstorbene zum großen Bedauern seiner Anhänger und Freunde mit Rücksicht auf seine angegriffene Gesundheit verzichtet. Bei dem am 9. d. M. stattgefundenen Leichenbegängnisse scharten sich viele Jriundcrte um den barg des verewigten wie um einen verstorbenen Verwandten und lauschten tief ergriffen den trefflichen Worten des Trauerredners, Sr. Ehrw. Rabbiner Dr. M. G. Mehr er, der bewegten Herzens die schönen Eigenschaften und den ausgezeichneten Charakter des braven Mannes schilderte, sein utrenes, iteoenswuroiges Wesen, seine Selbstlosigkeit, seine Opierwilligkeit als Sohn, Gatte, Vater und Bruder sowie seine besondere Treue den Freunden gegenüber. Vizepräsident der Kultusgemeinde, Dr. Jakob Ornstein, gab dem Gelühle des Schmerzes über den schweren Verlust beredten Ausdruck und dankte in tiefempfundenen Worten dem Verblichenen für seine hingebungsvolle Tätigkeit im Dienste dar Gemeinde und der Wiener j udenschait. Redner gab die Versicherung, daß so hervorragende Leistungen, wie sie der Verstorbene vollbracht hat, stets in ehrenvollster Erinnerung bleiben werden. Dr. J. Ornstein gedachte auch in innigen Worten der Tätigkeit Doktor F r, i e d j u n g s für jüdische Waisenkinder im Merores- Waisenhaus, in dessen Kuratorium er auch nach seinem Ausscheiden aus dem Kultusvorstande weiter verblieb, um die seinem Herzen so nahestehenden Waisenkinder, trotz schweren körperlichen Leidens, weiter betreuen zu können. Dr. Wilhelm Pappen he im dankte als Präsident der Chewra Kadischa namens dieser Institution dem verstorbenen Vorstandsrnitgliede für seilnie segensreiche Tätigkeit und betonte ganz besonders jene unnachahmliche Art, wie es der Heimgegangene verstanden hat, vom Schicksal schwier gebeugte Glaubensbrüder und -schwesiern durch vom Merzen kommende Worte aufzurichten. Kein Auge blieb tränenleer, als der Nestor der Wiener Tempelvereins-Obmänner, Herr Adolf Hof mann, von seinem jugendlichen Freunde Abschied nahm und ihm für seine überaus wertvollen Leistungen für den Tempelverein im IV. und V. Bezirk den innigsten Dank aussprach. Der Obmann des Verbandes der Wiener Tempelr v er eine, Börserat Ignatz Glück, dankte dem verstorbenen Mitarbeiter für seine wertvolle Unterstützung nicht nur in der Organisation der Tempelvereine, sondern auch für das warme Interesse, das er den Tempelvereinen während seiner Tätigkeit dm Kultusvorstande stets entgegenbrachte. Als