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Die Wahrheit · 1928-12-14 · Heft 50 (14.12.1928) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 50 (14.12.1928)
Date
1928-12-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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beite 11j;H!])iiiiifflM^ mt WAüÄü£fi bruch des Tages beim Erwachen vom Schlafe. Und wisse, daß jede Bewegung nach dem Essen sehr schadet. Es ist merk würdig, daß man heute zu den Anschauungen, die der große Arzt und Gelehrte vor acht Jahrhunderten ausgesprochen hat, wieder zurückgekehrt ist. Wird doch heute nur demjenigen Turnen Wert beigelegt, daß mit richtigem und tiefem Atmen verbunden ist. Was die Nachahmung der Bewegungen der Tiere durch den Menschen anbelangt, so ist der Vertreter dieser Richtung der im Vorjahre ort genannte Wiener Arzt Graf Thun- Hohenstein, der auf diesem Gebiete durch seine Lehren und Vorführungen in Fachkreisen viel Anerkennung gefunden hat. OflCsFT Wer in den letzten Tagen so vorsichtig war, nur eine Auswahl der offiziellen Reden zu lesen, die anläßlich der Wahl des Bundespräsidenten gehalten wurden, wird sich in dem beglückenden Traum wiegen dürfen, daß für unser Land eine neue messianische Zeit angebrochen sei. Der große von Juden und Christen gleichmäßig verehrte Prophet J e s a i a hat bekanntlich in seiner vielzitierten von göttlichem Geiste diktierten Ankündigung dieser Zeit als das erste charakteristische Moment derselben folgende Tatsache hervorgehoben: „Und es wohnt der Wolf mit dem Lamm An das Dämmern dieser beglückenden Zeit gemahnte schon der Umstand, daß Wilhelm Miklas, das hervorragende Mitglied der christlichsozialen Partei, lediglich durch den Willen der sozialdemokratischen Partei auf diesen hohen Posten berufen wurde, während es doch in ihrer Macht gestanden hätte, wenn auch nicht einem der Ihrigen, so doch einem Parteilosen den Weg zu dieser Würde zu ebnen. Aber noch klarer, noch deutlicher wurde die völlige Umwandlung des politisch-zoologischen Verhältnisseszwischen den beiden großen Parteien durch die Rede gekennzeichnet, mit der der sozialdemokratische Vorsitzende Eldersch den neuen Bundespräsidenten begrüßte. Kein Renne r, kein S e i t z und kein Austerlitz hätten von Eldersch einen höheren Tribut der Verehrung er- FLEISCHHAUEREI SIEGMUND KORNMEHL ~™^^UlEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII,, WÄHRINGERSTRASSE NR. 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Hellanstalten Abteilung für Koscherfleisch IX., iBFggassi IS und XVIII., SibPingirstraBB 97 unter Aufsieht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Vfisn. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima- Qualität zu den billigsten Marktpreisen warten dürfen, als er in der Wilhelm Miklas gegebenen Versicherung enthalten war, daß „ihm niemand Achtung und Vertrauen versagen wird", „daß sein hohes Pflichtgefühl und die strenge Unparteilichkeit'*, die er bisher bekundete, „mit Zuversicht erwarten läßt, daß er auch auf diesem Platze das Vertrauen rechtfertigen werde, das Oesterreichs Volk in den Repräsentanten seiner Souveränität setzt". Wir begrüßen Eldersch als den ersten Herold der nahenden messianischen Zeit! Als den zweiten, der vielleicht schon mit Rücksicht auf sein priesterliches Gewand sich gedrängt fühlte, mit Eldersch um die Palme des tieferen Verständnisses für heiligste Ideale der Menschheit zu ringen, erblicken wir Dr. S e i p e 1. Man wird es nur begreiflich finden, daß er zunächst mit Gefühlen stolzer Genugtuung und Freude die Tatsache beleuchtete, daß die christiichsoziale Partei nunmehr einen der Ihrigen auch an der allerersten Stelle im Staate habe. Vielleicht hätte Herr Doktor S e i p e 1 die Gelegenheit benützen können, um dankbar der edlen Selbstverleugnung der Sozialdemokraten zu gedenken, ohne die dieser Erfolg nicht hätte gebucht werden können. Vielleicht fürchtete er aber, daß mancher — ach Gott, die Menschen glauben so schwer an absolute Reinheit und Gradlinigkeit — in dieser Anerkennung auch eine ironische Nuance vermuten könnte. Herr Dr. S e i p e 1 tat aber etwas Besseres. Er feierte zwar in Miklas den christlichsozialen Parteimann, aber er erklärte mit dem ihm eigenen überzeugenden Brustton, „wir haben mit Absicht einen solchen Mann zum Repräsentanten des österreichischen Staates gemacht, weil er in seiner katholischen Ueberzeugung es auch am leichtesten haben wird, die Ueberzeugung — anderer zu achten und jene Unparteilichkeit aufzubringen, die ein Staatsoberhaupt besitzen muß". Wie übertrumpft, überwunden und besiegt steht Eldersch durch Seipel da! Wenn der Sozialdemokrat dem christlichsoziaien Kandidaten den Vorschuß des höchsten Vertrauens in seine Unparteilichkeit gewährte, trotzdem er ihn als den gegnerischen Parteimann kannte, so vindiziert Herr Dr. Seipel dem christlichsoziaien Parteimann diese Tugend, gerade weil er am leichtesten diese — ideale Unparteilichkeit zu erreichen in der Lage ist. Nach f : KONKURS In der Israelit. Kultusgemeinde Salzburg gelangt die Stelle des Rabbiners zugleich Religionslehrers, zur Besetzung. Bewerber um diese Stelle wollen ihre mit dem Nachweise der vorgeschriebenen Studien und der bisherigen Verwendung belegten Gesuche bis spätestens 31. Dezember 1928 beim J Präsidium der Kultusgemeinde einbringen. Der Präsident: Rudolf Löwy

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