Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 50 (14.12.1928)
- Date
- 1928-12-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT ffliiinHüiimiiHiJiminiirtiiiiifltä Seite 9 h-eit uns zuwenden. Im Gegenteil, sagt Bergson, das Gedächtnis ist eine Energie, eine Kugel, ein Schneeball, der aus unendlicher Vergangenheit auf uns zurollt und durch die Gegenwart in die Zukunft dringen will. Diese Kugel stemmt sich mit aller Gewalt gegen die Scheidewand, die unser Innenleben von der Außenwelt trennt, und jeder Sinnesreiz ist nichts anderes, als die Oeffnung eines Ventils, durch das nun das Gedächtnis, die Kugel hinausschießt in die Außenwelt, durch das sie, wie beim Ausfall aus einer belagerten Festung, von der Außenwelt Besitz ergreift. Nicht so vollzieht sich also dieser Vorgang, daß die Außenwelt mit Hilfe der sensorischen Nerven einen Vorgang in unserem Innern erzeugt. Sondern im Gegenteil, an der Grenze zwischen Innen- und Außenwelt steht schußbereit das Gedächtnis, um sofort in die Außenwelt einen Ausfall zu machen — in einer Handlung. Nun klingt es merkwürdig, daß das Gedächtnis, etwas Geistiges, Besitz ergreifen soll von etwas Materiellem, von &jv Außenwelt. Ausdehnung und Geist sind doch, meinen wir, inkommensurable Größen, die sich feindlich gegenüberstehen! Gewiß, sagt Bergson, es sind zwei Gegensätze, die sich nicht vereinen lassen, wenn man sie beide nebeneinander stellt im räumlichen Sinne, aber nicht, wenn man sie vergleicht im zeitlichen Sinn. Das bedeutet folgendes: Wählen wir irgend eine Probe, etwa das rote Licht. Das rote Licht hat die längsten Aetherschwingungen und weil die Schwingungswellen dieses Lichtes die längsten sind von allen Lichtsorten, darum ist ihre Zahl die geringste, ist ihr Tempo das langsamste. Immerhin zählt die Wissenschaft beim roten Licht in einer Sekunde nicht weniger als vierhundert Billionen solcher Schwingungen. Diese wahrzunehmen, mit unserem Bewußtsein voneinander zu trennen, dazu brauchten wir Menschen die Kleinigkeit von 25.000 Jahren. Nun lehrt doch aber die Erfahrung, daß wir die Lichterscheinung in einem Moment erfassen. Was hat also das Gedächtnis getan, indem es in die Außenwelt ausfiel? Es hat diese schier unzähligen Schwingungen zusammengefaßt, es hat ihren Rhythmus verlangsamt. Das fühlen wir am deutlichsten bei Wahrnehmungen' unseres Gehörs. Wenn wir z. B. die tiefsten Basstöne hören, besonders bei einem stark resennierenden Fußboden, so nehmen wir die einzelnen Schwingungen der Luit mit unserem Tastgefühl wahr, und doch werden alle diese Schwingungen zusammengefaßt in die eine einzige Wahrnehmung unseres Gehörs. In der Wahrnehmung geschieht also folgendes: Es wird, um ein Gleichnis, zu gebrauchen, ein Eilzug über eine Kurve in ein neues Geleise übergeführt, auf dem er langsamer fahren muß, wie etwa bei Zügen, die über die russische Grenzen gehen. Immerhin sehen wir in dieser Wahrnehmung zwei Elemente vereint, die wir vorher für unversöhnliche Gegensätze gehalten haben, nämlich Geist und Materie. (Fortsetzung folgt.) Leibesübungen der Juden. Von Reg.-Rat Dr. Emil Weinberg. Das bekannte Handwörterbuch der Staatswissenschaften von Elster, Weber und Wieser enthält in seiner 4. Auflage vom Jahre 1924 eine Abhandlung von A. Fischer, die sich größtenteils mit dem Stande der Leibesübungen in Deutschland und mit der in Berlin errichteten Hochschule für Leibesübungen beschäftigt. Nebenbei ist von den Leibesübungen der Juden die Rede. Es heißt dort: „Interessant ist, was Nossig (Herausgeber des Buches: Einführung in das Studium der sozialen Hygiene, Stuttgart 1894) über die die Leibesübungen betreffenden Vorschriften der Juden berichtet. Er legt dar, daß, im Gegensatz zu den sonstigen zahlreichen und genauen hygienischen Vorschriften des alten Testamentes und des Talmuds erst durch Moses Mainionides (geboren 11^9 zu Cordova) die Leibesübungen nachdrücklich in die jüdische Hygiene eingeführt wurden. Würde sein Codex, schreibt Nossig, in diesem Funkte eine ebenso gewissenhafte Observanz gefunden haben wie in anderen Punkten, so würde der physische Typus der jüdischen Rasse heute wohl minder degeneriert sein. Die sozialhygienischen Mißstände, namentlich auf dem Gebiete des Wohnungswesens und Nahrungswesens, haben gewiß viel zu jener Degeneration beigetragen, aber durch eifrig betriebene Leibesübungen hätten sich trotzdem manche Schädigungen verhüten lassen." In dieser kurzen Kritik ist nicht gesagt, au welche Schritt von Maimonides Nossig gedacht hat. Es ist wohl anzunehmen, daß er dabei an die Gesundheitsanleitung des Maimonides für den Sultan al-Malik-al-Afdal gedacht hat. Ich habe den Versuch gemacht, in einer Uebersetzung aus dem Arabischen die bezügliche Stelle festzustellen und habe mich hierbei der Uebersetzung des Rabbiners Dr. H. Kroner, Oberdorf-Bopiingcn, Württemberg. Verlag E. I. Brill, Leiden 1925 bedient. Im ersten Kapitel dieser Schrift heißt es: Auch soil mau die Art der Bewegungen des Viehes betrachten, wie man es bewegt, damit es nicht dauernd steif ist und zugrunde geht. Er (der Mensch) aber tut das nicht mit sich und denkt nicht an die Uebung des Körpers, die doch die Hauptgrundlage für die Erhaltung der Gesundheit und die Abhaltung vieler Krankheiten ist. Und wirklich findet sich keine Sache (d. i. mäßige Bewegung), welche die Uebung irgendwie ersetzt; denn durch die Uebung entzündet sich die natürliche Wärme, und alles Ueberschüssige wird ausgestoßen, bei der Ruhe hingegen erstickt das Feuer der natürlichen Wärme und die Ueberschüsse im Körper werden nicht ausgeschieden, hbzv nicht jede Bewegung ist eine Uebung nach Ansicht der Aerzie. Uebung wird nur genannt eine starke oder athletische oder eine beide vereinigende Bewegung. Es ist eine kräftige Bewegung eine solche, bei der sich das Atmen verändert, und der Mensch tief zu atmen beginnt oder eine solche, die darüber noch hinausgeht, die dann Erschöpfung ist, d. h. die sehr starke Uebung wird Erschöpfung genannt. Nicht jeder kann die Erschöpfung ertragen, und man hat sie auch nicht nötig, jedoch das Beste bei der Bewahrung der Gesundheit ist die Abkürzung der Uebung. Man soll nur üben bei Leere des Magens und nach Verminderung der Exkremente, d. h. des Urins und des Stuhles. Man übe weder bei starker Hitze noch bei starker Kälte, die bevorzugte Zeit ist der An- S. Griiners Restaurant II., Zirkusgasse 30 Telephon R 43-1-60 VorzUgl. Wiener, ungarische und orientalische (rumänische) Köche. Mittag und Abend Menü nach Wahl. Erstklassige Getränke. fnefliiler i tafct WIEN l.v Seitenstettengasse 2 Tel. U 28-1-28 XI.,Zentralfrledhof, neben dem l. Tor, Tel. U18-0-83