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Die Wahrheit · 1928-12-07 · Heft 49 (7.12.1928) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 49 (7.12.1928)
Date
1928-12-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT niiiffliiiiuifflMiniiHiiiiiii™ Seite 5 tischen Mittel in unseren Besitz gelangen kann, weil dies einfach gegen die physikalischen Gesetze verstoßen würde. Sie übersahen aber auch, was noch viel wichtiger ist, daß es dem Judentum auch an dem animus mangelt, weil dieser immer nur religiös und nie politisch oder national orientiert war, daß es ein widernatürliches Beginnen ist, Juden zu einer selbständigen Nation machen zu wellen und daß der zionistische Plan auf die Umkehrung der historischen Individualität des Judentums und auf die Umwertung aller ererbten und daher unausrottbaren jüdischen Werte hinausläuft. Die Wahrheit ist, daß der Normalzustand des Judentums die Diaspora ist. Nur Selbsttäuschung und Selbstbetrug mag der alten jüdischen Gedankenwelt moderne politische Ideen unterschieben zu wollen. Die Geschichtsschreiber ä la Dubnow mögen diesen Standpunkt vertreten, der allen geschichtlichen Tatsachen widerspricht. Nie waren Juden ein politisches Volk, nie war Palästina ein jüdisches Land im politischen Sinne. Von der sagenhaften Zeit Davids und Salonions abgesehen, gib es wohl zwei „Reiche", Israel und Juda, die durch eine gewisse Zeit geringfügige Teile des palästinensischen Territoriums umfaßten. Als nach vorherigem Untergange das kleine Juda als Kultusgemeinde mit Jerusalem und Umgebung und einem Hohenpriester an der Spitze wieder ins Leben traten, war es alles eher als ein „Staat". Seitdem die jüdische Geschichte aus dem Dunstkreis der Legende in das Tageslicht der anderen Völker heraustrat, lebten die Juden zerstreut in der ganzen damals zivilisierten Welt. Diese Zerstreuung war eins freiwillige, die gegenteilige Behauptung ist bewußte oder unbewußte Fälschimg. Und immer hat es in der übrigen Welt mehr Juden gegeben als in Palästina, wo sie ein Minoritätsvolk waren, wie überall in der Welt. In dieser ihrer nationalen Lebensweise gehorchten sie ihrem innersten universalen und internationalen Triebe, dem sie sich nicht entziehen konnten und können. Das ist ihr Schicksal. Ihre ganze Tradition und Geschichte seit Abraham ist mit ihrem Wanderleben eng verknüpft. Es ist ein notwendiges unabwendbares Gesetz, welches die Juden zu einer apolitischen und anationalen Existenz verurteilt Wenn es auch fatalistisch klingen mag, ist es doch eine historische Tatsache. Wären die Juden in Palästina auf einem größeren Gebiete in einer kompakten Masse angesiedelt gewesen, hätten sie irgendwo einen eigenen erbgesessenen Bauernstand gebildet (Harn Haarez galt nie als wesentlicher Bestandteil des Judentums), so wäre nicht zu erklären, warum schon zwei Jahrhunderte vor Christus die hebräische Sprache in ihrem Munde abgestorben war. Ihr ganzes, geschichtliches Dasein vor und nach Palästina ohne eigenes Land und ohne eigene Sprache (auch die hebräische Sprache, sfas Kanaan, war nicht die ihrige) ist ein Beweis, daß sie immer ohne diese, für die andere Nationen bei sonstigem Untergange unentbehrlichen Requisiten ausgekommen sind, weil sich ihr ganzes Wesen im Geistigen erschöpfte. Die Alten, nämlich die Griechen und Römer, kannten die Juden nicht als politisches Volk, sondern nannten sie „unbeschnittene Syrer". Nähere Ausführungen über dieses Thema wären aber hier nicht am Platze. Als nun die Makkabäer die Erneuerung des Tempels durchführten und eine neue Aera jüdisch-staatlicher Autonomie inaugurierten, sprachen die Juden nur mehr aramäisch oder griechisch und trugen griechische Namen. Sie dachten ebensowenig an einen eigenen nationalen Staat wie die Makkabäer selbst, denen es nur um den Tempel und den Kultus in Jerusalem zu tun war. Die ersten Makkabäer waren nur Hohenpriester, und Judäa hieß offiziell, wie die ausgegrabenen Münzen bekunden, chewar Hajehudim, d. h. „jüdische Gemeinde". Auf der Reversseite dieser aufgefundenen Münzen prangt nur , der Name „Heiliges Jerusalem" und „Hohenpriester" (ohne Namen). Von politischer Selbständigkeit keine Spur! Erst Aristobulos setzte sich ais erster die Königskrone auf das Haupt, aber als jüdischer König kann er ebensowenig angesprochen werden wie ssine Nachfolger, gräzisierte Juden oder Idumäer mit despotischen Regierungsmethoden, die ihr Volk mit fremden Söldnerheeren unterdrückten. So jener Alexander Jannaios, der 50.000 Juden hinschlachten und achthundert mitten in der Stadt kreuzigen und ihre Weiber und Kinder vor ihren Augen niedermetzeln ließ, während er selbst mit seinen Beischläferinnen zechend und schmausend zusah. Das jüdische Volk mußte wiederholt gegen ihn und die anderen „jüdischen" Könige syrische Hilfe in Anspruch nehmen. Die Hasmonäre waren die Todfeinde des Judentums und werden im Talmud auch als solche be- CENTRAIKINO H Wien II., TaborslraBe & — Tel. R 42 3-41 der StPS Das große Nonnmenfaldrama mit JANET GAYNOR und CHARLES FARRELL Beginn der Vo ste» ungen : 5, 7 und 9 Uhr handelt. Es ist bezeichnend, daß im ganzen Talmud (Traktat Sabath kaum wenige Zeilen den Makkabäern gew.dmet sind. Die Diaspora hat auf die Wiedereroberung der jüd sehen Autonomie durch die Makkabäer in keiner Weise reagiert. Von einem Zurückströmen ins „befreite Vaterland" war keine Rede. Das jüdische Königtum der sadduzäischen Hasmcnäer wurde von den Pharisäern, also vom rechtgläubigen Judentum, aus dem allein das heutige jüdische Volk abstammt, ebensowenig anerkannt wie ihr Hohenpriestertum, das als Usurpation und Entweihung des Heiligtums empfunden wurde. Manche von diesen „Königen" von Rems Gnaden, besonders der Idumäer Herodes erstreckte seine Herrschaft wohl über andere, nicht jüdische Te le Palästinas, aber nur Ignoranz oder Verdrehung vermag diese Politik als Glanz und Ruhm des Judentums hinzustellen. Diese Politik war gegen das Judentum gerichtet. Es gab nach Salomen keinen politisch von Nichtjuden unabhängigen jüdischen Staat mehr, dessen Bereich über den Rahmen einer Religionsgensssenschaft hinausgegangen wäre. Alle vom Zionismus auf diese Vergangenheit gestützten Zukunftshonnungen, alle Wiederaufnahmsvirsuche einer früheren angebl.chen Souveränität sind nichtig und kindisch. Es gab und gibt keine jüdische Nation im politischem Sinne, und deshalb wrd es auch in Zukunft keine geben. Dagegen bestand das Judentum in seiner ReLgion, und nur in dieser ist sein künit.ger Bestand garantiert. Ohne Religion kein Judentum! Der Zionismus wird daran n chts ändern. Der nationale Ersatz, die er dem Judentum anbietet, ist für dasselbe ebenso utopistisch wie unbrauchbar. Entweder religiöses Judentum oder gar keines. Wer an nationales Judentum in der Vergangenheit und daher auch in der Zukunit glaubt, stellt sich mit dem wahren, d. h. geschichtlichen Judentum in Gegensatz. Am schlagendsten kommt dies in der Umwandlung des Chanukaiestes, welches durch 2100 Jahre ein ausschließlich religiöses war, in ein nationales zum Ausdruck. Als Beweis, daß es nie einen jüdischen Nationalismus gegeben hat, führe ich zwei klassische Zeuginnen an: die jüdische Geschichte und de hebräische Sprache, d:r das Wort und der Begriff „Vaterland" vollständig fremd ist und die keine eigene Bezeichnung für das Land „Kanaan" und „Paläst na" kennt. „Erez Israel" ist eine plumpe, unhistorische Neubildung nationaler Studenten. Dr. J. G. FLEISCHHAU EPE lw SIEGMUND KORNHEHL WIE« IX., BERGGASSE *M. 19 FILIALEi Xtflil, UlAMRlNGEftSTRASSe NR. 97 Telephon Ni A 17 .s-**v und A 1^-9-34 Lieferant fUr Heilanstalten Abteilung für KoschedFl* heb IX., Berggasse IS und XVUI., fcaiiri.girsipö&i 9? unter Aufsicht des ehr». Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima- Qualität zu den billigsten .Marktpreisen

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