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Die Wahrheit · 1928-12-07 · Heft 49 (7.12.1928) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 49 (7.12.1928)
Date
1928-12-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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gelte iUJiiiufDDiiiffiafi DIE WAHRntll Sieg des Terrors. Als am Abend des 2. Dezember zu einer Zeit, da noch nicht sämtliche Resultate aus den 47 Wahlsprengeln in der Kultusgemeinde bekannt waren, sich vor dem Amtsgebäude in der Seitenstettengasse eine große Menge meistens halbwüchsiger jungen angesammelt hatte, um das Ergebnis der Kultuswahlen zu erfahren, da fand es ein prominenter Führer der zionistischen Partei für richtig, sich zu den versammelten Volke zu begeben und demselben in emphatischer Weise folgendes Resultat zu verkünden: „Die Macht der ,Union' in der Kultusgemeinde ist gebrochen, die Zionisten haben die Kultusgemieinde erobert." Wie so oft in diesem Wahlkampfe war auch hier nur der Wunsch der Vater des Gedankens unserer zionistischen Gegner. Denn wie sehen die Tatsachen aus? Während die Gegenparteien alle Mittel des Wahlterrors, wie sie selbst bei politischen Wahlen kaum mehr geübt werden, zur Anwendung brachten, während Versammlungssprengungen und unlautere Machinationen vor und am Wahltage an der Tagesordnung waren, hat die „U n i o n" trotz allem den Wahlkampf in einer Weise geführt, welche mit der eigenen Würde und der der Kultusgemeinde in Uebereinstimmung steht und sich insbesonders nicht zu jenen persönlichen Angriffen auf ihre Gegner hinreißen lassen, wie dies von den Gegenparteien leider getan wurde. Trotz allem ist wieder die Mehrheit der Wiener Judenschaft der Fahne der „U n i o n" gefolgt und hat mit dem Stimmzettel in der Hand zu erkennen gegeben, daß sie die von der „Union" ausgegebene Parole „Ausschaltung jeder Politik a u s d e r K u 11 u s s t u b e!" als die einzig mögliche Basis eines gedeihlichen Zusammenarbeitens in der Kultusgemeinde ansieht. Wohl hat die „Union" gegenüber ihrem früheren Mandatsbesitz eine kleine Einbuße erlitten, indem sie e i n Mandat verlor, im großen und ganzen hat sie ihre überragende und einflußreiche Stellung innerhalb der Kultusgemeinde behauptet, was einen um so größeren Erfolg darstellt, als sich die übrigen Parteien im A n g r i f f, die „Union" aber in der Verteidigung befand; denn unsere Kampfgegner, die Zionisten und die „W er k tätigen Juden" sind mit der Absicht in den Wahlkampf gezogen, die Kultusgemeinde zu „erobern". Nun, aus der „E r o b e r u n g" d e r K u 11 u sgemeinde ist die Eroberung eines einzigen Mandates geworden. Daß diese Pläne unserer Gegner gescheitert sind, das haben wir vor allem der unablässigen und aufreibenden Aufklärungsarbeit der Kandidaten der „Union" zu verdanken, welche trotz persönlicher Anfeindungen und anderer häßlicher Mittel, mit welchen unsere Gegner den Wahlkampf geführt haben, aushielten und die Angriffe auf die Kultusgemeinde abschlugen. Hierzu kommt, daß die Gegenparteien durch eine energische Agitation ihren letzten Mann zur Urne bringen konnten, so daß ihre Wahlziffern mit der Zahl ihrer Anhänger unter der Kultuswählerschaft übereinstimmen, während zahlreiche» Anhänger der „Union" entweder, angeekelt durch den wüsten Terror, sich überhaupt nicht an der Wahl beteiligten oder aber durch die bereits erwähnten Machinationen der Gegenparteien (Ausgabe ungültiger Stimmzettel usw.) irregeführt wurden. Tatsache ist, daß die „Union" die Hälfte aller Mandate und mit dem Vertreter des polnischen Tempels Dr. Leo Landau, dessen Liste mit der der „Union" gekoppelt war, die absolute Majorität besitzt. Ob dies noch eine Majorität ist, welche regieren kann, wird sich erst dann zeigen, bis die Einstellung aller Parteien ersichtlich sein wird. Am wenigsten aber haben die Zionisten Grund zum Jubeln. Denn ihr hauptsächlichster Gewinn geht auf Kosten der mit ihr alliierten misrachistischen Gruppe, der die zionistische Liste ein Mandat einfach wegnahm. Wenn also die Stärke dieser beiden vereinigten Parteien im nunmehr abtretenden Kultusvorstande bisher 11 betrug, so stellt sie sich jetzt auf 12 Mandate; von einer „Eroberung", wie sie so gewalttätig angestrebt wurde, ist also sicherlich nicht zu reden. Wir wollen aber hoffen, daß die Vernunft, die ja einte der charakteristischen Eigenschaften des Judentums ist, sich schließlich doch durchsetzen wird und die in der Kultusgemeinde vertretenen Gruppen, so wie dies die „Union" getan hat, ebenfalls ihre Sonderinteressen hinter das Allgemeininteresse des Judentums und unserer Gemeinde zurückstellen werden; denn nur dann wird unsere altehrwürdige Gemeinde in dieser Zeit schwerster wirtschaftlicher Not, unter der wir Juden am meisten zu leiden haben, erhalten werden können, nur dann wird die Wiener israelitische Kultusgemeinde, die als autonome Körperschaft das einzig verfassungsmäßige Bollwerk der Wiener Judenschaft, gleichzeitig der Konzentrationspunkt ihrer höchsten Ideale und idealsten Bestrebungen ist, vor schweren Erschütterungen bewahrt werden können; zum Segen der Wiener Judenschaft und unseres von allen so heißgeliebten Judentums! MÖBELFABRIK FERNSPRECH-NUM MER R 45-1-91 SIGM. * JPPENHEI WIEN, 2. 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