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Die Wahrheit · 1928-12-07 · Heft 49 (7.12.1928) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 49 (7.12.1928)
Date
1928-12-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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!>!& WAHRHEIT HiHiiifiiiiiiHiinHiiiHiiniiinm seite 5 zur Zeit der Griechen, denn ich ließ ihnen erstehen Simon den Gerechten und Mattasjahu, Sohn des flohepriesters Jochanan, den Hasmonäer und seine Söhne, und sie nicht verworfen zur Zeit der Römer, da ich ihnen erstehen ließ Rabbi und die Weisen seinerzeit.—Wenn nun aber auch nach den bisherigen Ausführungen die Makkabäerkämpfe als Kämpfe für die Erhaltung der Religion des jüdischen Volkes und Chanukah als ein Fest der Religion par e xc e 11 e n c e bezeichnet werden müssen, so darf anderseits die Feststellung nicht unterdrückt werden, daß der Begriff „Religion" hier im weitesten Sinne des Wortes zu nehmen ist. Daß zur Zeit des zweiten judäischen Staates die Grenzen der Begriffe „Religion" und „Nation" fließende sind, wurde bereits vorhin betont. Viel wichtiger ist aber die bekannte Tatsache, daß die Gefahr, die dem jüdischen Volke im zweiten Jahrhundert vor der gewöhnlichen Zeitrechnung vom Hellenismus her drohte, nicht nur auf religiösem, sondern ebenso auf sozialem Gebiete lag. Unter dem Glanz der hellenistischen Kultur verbargen sich wüste Sitten und Zuchtlosigkeit, zu denen sich Verschwendung, Prasserei bei den Reichen und Begüterten gesellt hatten. Die sinnlosen Prassereien bei den verschiedenen Turnfesten, olympischen Spielen und Bacchanalen waren ebensoviele Ausschreitungen sozialen Unrechts. Was Wunder, daß dieser Unflat auf unterirdischen Kanälen auch bei der begüterten Klasse der Juden Eingang gefunden und diese zu zersetzen drohte. Es galt den Makkabäern, den Kampf auf der ganzen Linie aufzunehmen und namentlich waren es die aus den Nasiräern hervorgegangenen Chassidim und Anawim, die gegen das soziale Verderben auftraten und dem Uebermut und der Verschwendung der Reichen und Begüterten Armut und Bescheidenheit und ihr Streben nach Gütergleichheit und Gütergemeinschaft entgegenhielten — etwa in der Art, wie die heutigen Sozialdemokraten den Kapi- Völkern gelebt, unter Babyloniern und Assyrern, unter Griechen und Römern, unter den Ost- und Westgoten. Wenn wir von jedem einzelnen unserer Wirtsvölker auch nur etwas in religiöser Beziehung angenommen hätten, so würde unser Judentum längst seine Eigenart, seine Besonderheit völlig eingebüßt haben, es wäre ein Flickwerk geworden, zusammengesetzt aus allen möglichen Arten der Religionsverehrung, die wir bei anderen Völkern gefunden haben. Schauen wir voll Stolz auf das Chanukkalicht! Es lehrt uns: nur weil unsere Ahnen das Judentum in seiner Reinheit und Sonderheit bewahrt und vor Anpassung an die nichtjüdische Ideenwelt behütet haben, konnte es sich erhalten bis auf unseren Tag. Wie notwendig ist diese Mahnung in unserer Zeit! Gibt es doch viele Familien, welche die Chanukkalichter nicht mehr in ihren Häüsern leuchten lassen, sie nicht mehr benützen, um in die Herzen ihrer Kinder Liebe und Begeisterung für die Helden unserer Geschichte zu pflanzen. Aber an einem anderen Tage entzünden sie einen Weihnachtsbaum, der doch zu dem Emblemen einer anderen Religion gehört, und beschenken dabei ihre Kinder. Werden die jüdischen Kindet durch solchen Widersinn nicht systematisch dem Judentum entfremdet? Wer seine Religion wahrhaft liebt, kann und darf solche Verirrungen nicht mit Gleichgültigkeit ansehen, mit ganzer Kraft wird er vielmehr dem modernen Hellenismus, der nicht minder verächtlich ist wie derjenige des Altertums, entgegentreten. Lernen auch wir vom Chanukkalichte: uns unsere Religion in ihrer Reinheit und Sonderheit zu erhalten und uns an ihrem Lichtglanze zu erfreuen. Sorgen wir dafür, uns und unseren Kindern die lebendige, innige Verbindung mit dem Judentum zu bewahren. Krupnilc das Modezentrum für den verwöhnten Geschmack bringt für die kommende Saison Modelle aus Paris und eigene Schaffunsen von Mänteln, Kostümen, Comptets, Nach" mittags' und Gesellschaftstolletten Schöne Linie, vornehme Eleganz, unerreicht billige Preise kennzeichnen unsere Erzeugnisse mm ii iiirm Nil!1 Vl1' ^AISEPSTPASSE 113 Anerkannt größtes und führendes Spezialhaus Oesterreichs talismus und dessen Ausschreitungen in Wort und Schrift bekämpfen.*) Wäre es aber gleichwohl nicht ein lächerliches Beginnen, wenn die gegenwärtige sozialdemokratische Partei es sich beifallen ließe, das Chanukahfest für sich in Anspruch zu nehmen und es als ein sozialdemokratisches Fest hinzustellen? Es zeigt sich eben gerade beim Schein der Chanukahlichtlein am klarsten, daß die aus der sozialmaterialistischen Geschichtsauffassung entspringenden Begriffsbildungen, ohne welche die heutige Gesellschaft nicht auskommen zu können glaubt, auf das Judentum nicht anwendbar sind, auch nicht für die Zeit, da es ein selbständiges politisches Gemeinwesen bildete. Hier hat schon Bileam, nach der Ansicht der Alten einer der besten Kenner des Judentums, das Richtige getroffen,, mit seinem Ausspruch: Siehe ein Volk, da-s allein wohnt und zu den anderen Völkern nicht gerechnet werden darf. „Jüdischnational", „Religiös", „sozialdemokratisch", solche oder ähnliche Bezeichnungen, mögen als wahltechnische Behelfe allenfalls noch hingenommen werden, für die Ergründung des Problems „Judentum" sind sie belang- und bedeutungslos, denn auch hier gilt des Dichters Wort: Dann haben wir die einzelnen Teile *) In den Makkabäerpsalmen und im Buche Siraeh werden „die Falschheit und Lüsternheit der Reichen" gegeißelt und „der Gewalttätigkeit der Frevler" die Gemeinschaft der Frommen entgegengestellt. Und im zweiten Makkabäerbuch wird gasagt: Sie sahen hinter all dem Gold und Silber, dem Hyazinth und Purpur und all dem anderen Prunk, den der Feind entfaltet, eine seelische Hohlheit bar der Wahrheit und des Rechtes.

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