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Die Wahrheit · 1928-11-30 · Heft 48 (30.11.1928) · page 16

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 48 (30.11.1928)
Date
1928-11-30
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite lo ZCcdu&dim Ztömlage Frau Ludendorff und Goethe. Tagebuch: Die Familie Ludendorff kommt nach und nach sämtlichen Weitgeheimnissen auf die Spur. Hat Er die politischen Probleme endgültig geklärt, so wendet Sie sich jetzt dem bisher vernachlässigten Felde der Literatur zu und füget, die züchtige nimmerruhende Hausfrau, auch hier zum Guten den Glanz und den Schimmer. Sie hat soeben eine tiefschürfende Untersuchung „Der ungesühnte Frevel an Luther, Lessing und Schiller im Dienste des allmächtigen Baumeisters aller Welten" erscheinen lassen. Darin deckt sie auf, daß Luther. Lessing und Schiller (übrigens auch Mozart, damit keiner fehle — und wie wars mit Schuberts frühem Tod und Beethovens verdächtigen Darmkoliken?) daß also Luther, Lessing und Schiller von Freimaurern und Juden meuchlings um die Ecke gebracht worden sind und tust immer an „Jahwehtagen"! Was ein solcher „Jahwehtag" ist? „Ein Tag, dessen Datum die Jahreszahlen 10 oder 15 an sich cder als Quersumme enthält und außerdem noch Geometrie-Gesetzen entspricht." Nun weiß man es genau. Auch erfährt man nebenbei, was ein richtiges Volk ist, nämlich: „Ein Volk ist dank des gleichen Rasseerbgutes im Unterbewußtsein jedes einzelnen Menschen in diesem Volke und dank der gemeinsamen Sprache und Kultur, die mit diesem Erbgute in Einklang steht, ein einheitliches Bewußtsein in allen Fragen seines Lebens und seines Gotterlebens". Haargenau so ist es. Und wie verhält es sich rechtens mit „Bruder" Goethe? „Br. Goethe, dessen schmählichster Verrat an Schiller nach dessen Tode ihn für immer aus der Reihe deutscher Geisteshelden ausscheidet... Seine Werke wurden von nun an plumpe Verherrlichung der Logenlehren, wie das verworrene Werk „Faust" II. Teil, das die „leuchtenden Meister" bis zur heutigen Stunde vergebens den klaren deutsehen Geistern als Meisterwerk aufzuschwatzen versuchen. Für jeden von Logenluft, von okkulten Zauberlehren nicht verdummten deutschen Geist sind diese Werke nur traurige Zeugnisse der Zertrümmerung einer gewaltigen Begabung, die, weil charakteristisch anfällig, ihren Todesstoß erhielt durch den feigen Verrat an dem Freunde und Genius SehiHer." Glücklicherweise sind die Ludendorffs, im Gegensatz zu Goethe, charakteristisch nicht anfällig. Sie bleiben konsequent. Jetzt möchten, wir gern mal von ihnen hören, wie das damals vor sich gegangen ist, als die Freimaurer den Vesuv durch Bestechung so weit brachten, die blühenden deutschen Städte Pompeji und Herkulanum meuchlings zu vernichten? Es soll darüber ein zynisches Geständnis des vor drei Jahren durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen Krakauer Tempeldieners Moische Silberblatt existieren! I faemirtge Hummer isit 55© Seilen stark. ■HHD DIE WAHRHEIT Jüdisches Elend unter dem Sowjetreginie. In D a n z i g sind in den letzten Tagen jüdische Familien aus Moskau eingetroffen, denen als sogenannten „nicht arbeitenden Elementen" das Recht, eine der Zwangswirtschaft unterliegende Wohnung zu benutzen',' entzogen worden ist. In einem Gespräch mit dem Danziger „Ita"-Vertreter erklärten sie, daß die Anfang des Winters erschienene Verordnung, wonach „nicht arbeitende Elemente" ihre zwangsbewirtschafteten Wohnungen verlassen müssen. Tausende jüdische Familien in eine unsagbar verzweifelte Lage gebracht hat. Die Wegnahme einer Wohnung kommt einem Todesurteil gleich. Es ist einfach ausgeschlossen, in PÄoskau oder in irgendeiner anderen Stadt Rußlands eine nicht zwangsbewirtschaftete Wohnung zu bekommen. Unmöglich ist es einer aus ihrer Wohnung hinausgeworfenen Familie, ein möbliertes Zimmer in einer fremden Wohnung zu bekommen, weil dann der andere Wohnungsinhaber in die Gefahr kömmt, daß ihm seine Wohnung weggenommen wird. Vorläufig hat die Unterdrückung der jüdischen religiösen Erziehung durch die Machthaber der .,J e ws e k z i a" (jüdische Abteilung der kommunistischen Partei) einen neuen jüdischen Berufszweig hervorgebracht, der allerdings kein Aequivalent für die vernichtete jüdische Wirtschaft bedeutet: die Kaddischpacht. Diejenigen jüdischen Eltern, die die traurige Gewißheit haben, daß ihre Kinder nach ihrem Tode keinen Kaddisch sagen werden, sichern sich schon zu Lebzeiten einen fremden Kaddischsager. der gegen ein bestimmtes Honorar, das von den Todeskandidaten schon beim Leben ausgezahlt wird, die Verpflichtung übernimmt, dem Toten ein pietätvolles Andenken zu bewahren und für dessen Seelenheil zu beten. Die Nachfrage nach Kaddischsagern ist recht lebhaft geworden. Ritualmordhetze zum Prozeß Hußmann. Die völkische, nationalistische und zum Teil auch die deutschnationale Presse waren in ihrer Berichterstattung über den Prozeß gegen den Abiturienten Hußmann, der vor dem Essener Schwurgericht angeklagt war., seinen Freund Daube durch Halsschnitt getötet und die Leiche in grauenvoller Weise geschändet zu haben, aber freigesprochen wurde, mit ihren Sympathien deutlich auf der Seite des Angeklagten Hußmann, der dem „Stahlhelm" angehört und sich in seinen Briefen aus dem Gefängnis stark nationalistisch gebärdete. Nunmehr versucht die antisemitische Presse, den Mordfall zu einer Rituaimordhetze auszunützen. Wie aus Köln gemeldet wird, ist der vom nationalsozialistischen Abgeordneten Dr.. L e y redigierte „Westdeutsche Beobachter" polizeilich beschlagnahmt worden, weil er einen Leitartikel mit der Ueb&r schritt: „Daube von Juden g e s c h ä ch t e t", sowie auf der Titelseite eine Zeichnung „ein Ritualmord" gebracht hat. Beide Darstellungen gaben Grund zum Verbot des eine Pogromstimmung vorbereitenden Blattes. Wie amtlich mitgeteilt wird, wurde das Verbot auf Grund eines Erlasses des Amtsgerichtes erlassen, nachdem bereits die Donnerstag erschienene Nummer beschlagnahmt worden war. Da die Tags darauf erschienene E.rsatznuHimer den gleichen Inhalt hatte wie. die vorhergehende, konnte die Polizei c-hne weiteres auch zur Beschlagnahme dieser Nummer schreiten. Pension Hirsch Semmering (ffirsfenhoQ sucht eine Aufsichtsperson (Wirtschafterin), welche die selbständige Leitung eines größeren Betriebes in streng rituell-wirtschaftlicher Hinsicht übernehmen kann. Bewerber, österreichische Staatsbürger, welche ihre Befähigung mit Zeugnissen anerkannter rabbinischer Autoritäten nachweisen können und einem Betriebe in dieser Eigenschaft bereits vorgestanden sind, wollen ihre Offerte Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner S. Fürst. Wien IL. Große Schiffgasse 8, unterbreiten.

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