Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 48 (30.11.1928)
- Date
- 1928-11-30
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 15 QI erre #v. Im Olymp. Schubert zu Mozart: „Brauchst mich nicht zu trösten, mein Lieber, über die Festrede, in der man mich an der Wiener Universität so fest abgekanzelt hat. Ich weiß, du warst grad so ein Bohemien wie ich, der es zu Lebzeiten in der Welt weder zu einer festen sozialen Stellung, noch zu einem gesicherten Einkommen und zu selbständiger, unabhängiger Existenz hast bringen können und am-allerwenigsten zu einer Würdigung seitens gewisser frommer Herren." , Mozart: „Recht hast du Bruder, lach dazu. Du bist ja doch schließlich bei deiner Jubelfeier besser davongekommen als die österreichische Republik gelegentlich ihres Jubiläums an der Wiener Universität. Hat man dich auch nicht hochleben lassen, so hat doch niemand gerufen: „Nieder mit Schubert!" Anläßlich der feierlichen Proklamierung der katholischen Universität Salzburg sagte der Bundeskanzler Dr. Seipel in seiner Festrede u. a., er möchte vor dem eventuellen Pessimismus bewahren, als ob die Zeit dazu nicht günstig sei. „An unseren Hochschulen gibt es eine große Anzahl von Gelehrten, an deren wissenschaftlichem Rang man nicht zweifeln kann und die durchaus sich zur katholischen Kirche bekennen." Herr Dr. Seipel hätte sogar mit dem besten Gewissen ruhig den Versuch unternehmen dürfen, einen „eventuellen" Pessimismus in einen wohlbegründeten Optimismus umzuwandeln. Er hätte wahrhaftig mit dem vollen Brustton der Ueberzeugung erklären dürfen, daß es nunmehr schon eine große Anzahl von Gelehrten gibt, an deren wissenschaftlichen Rang man nicht zweifeln kann, denen aber die österreichischen Hochschulen fast völlig verschlossen sind, weil sie sich nicht zur — klerikalen Richtung bekennen. Kein Unbefangener hätte einer solchen Behauptung Dr. Seipel widersprochen. * * * Nun berichten deutsche Blätter über die Schändung des jüdischen Friedhofes in K ö p e n i c k. Man erinnert sich noch an die Groteske, die der Hauptmann von Köpenick einst aufführte und über die seinerzeit als über ein Unikum ganz Europa lachte. Die Friedhofschändung in Köpenick erregt schon weniger Aufsehen; sie ist beiläufig die siebzigste Wiederholung eines von Gemeinen zum Gaudium Gleichgesinnter aufgeführten Stückes in Deutschland. Graf Bethten hat sich veranlaßt gesehen, in seiner jüngsten in der Einheitspartei gehaltenen Rede sich und die Mitglieder seiner Partei als Verehrer des Liberalismus und der Demokratie zu erklären. „Liberalismus und Demokratie", sagte er unter anderem buchstäblich, „bedeuten für uns auch, daß wir jedem sein Wohlergehen nach seinem Glauben gestatten, ohne zu untersuchen, ob dieser Glaube sich im Gegensatze zu dem unseren befindet, ohne künstliche Gegensätze zwischen Auffassungen und Religionen zu züchten. Wir machen keinen Unterschied zwischen Mensch und Mensch" usw. usw. Der Bericht über diese Rede verzeichnet an dieser Stelle weder Beifall, noch Heiterkeit. Die Anwesenden, unter denen natürlich auch das nunmehr so hervorragende Mitglied der Einheitspartei, Görnbös, sich befand, waren wohl von den herrlichen Bekenntnissen ihres Parteicbefs so ergriffen, daß sie den feierlichen Moment durch keinen Laut stören wollten. Auch unter den Lesern dieser Rede werden sich gewiß viele gefunden haben, denen die Verkündigung dieser schönen Gedanken Tränen der Rührung entlockte. Dabei denke ich insbesonders an die Eltern der blutiggeschlagenen jüdischen Studenten. * :£ Vor einigen Tagen hat in der Sitzung des Budapester Gemeinderates Thomas von Källay über die schmachvollen Exzesse an der Universität gesprochen und unter anderem versichert, sein ungarisches Herz schäme sich, daß zehn und z w a n z i g Burschen, die dereinst zu hohen Stellungen gelangen werden, sich nicht entblöden, über einen jüdischen Studenten herzufallen und ihn zu mißhandeln. Vierundzwanzig Stunden später wurden an der Hochschule für Tierarzneikunde, drei jüdische Studenten von einer vielköpfigen antisemitischen Horde überfallen und blutig geschlagen. Diesen antisemitischen Jünglingen wird allerdings in ihrer späteren Karriere der richtige Umgangston mit ihren Patienten nicht fehlen. Ego. S. Grüners 352 Restaurant II., Zirkusgasse 30 Telephon R 43-1-60 VorzQgl. Wiener, ungarische und orientalische (rumänische) Küche. Mittag und Abend MenQ nach Wähl; Erstklassige Getränke. I friiilläifer i leitsi WIEN l.f Sellenstettengasse 2 Tel. U 38-1-28 XI., Zentralfriedhof, neben dem l. Tor, Tel. 1118-0-89 1AC. MAVER Kleider- und Gummimäntel-Industrie Export nach allen Ländern Wien II., GlOCkengasse 24 Telephon R 48-4-79 Auch Detail verkauf zu Fabrikspreisen I Herrenanzug nach Maß auf Seide S 200.— Herrenraglan „ „ „ „ 150.— Herrenhose „ „ 48.— feinst ausgeführt ZeltgemäBe Zahlungsbedingungen! Kein Kaufiwangl Freie Besichtigung!