Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 48 (30.11.1928)
- Date
- 1928-11-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT!l!!li^llliail#)ffllll(]:i!llHI!iIlii!li«lllt!i Jenen Gefühlen des Schmerzes und der Entrüstung Ausdruck verleihen, welche die traurigen Zwischenfälle bei allen Gemeindemitgliedern hervorgerufen haben. Das Präsidium beantragt dem Plenum die Annahme der folgenden Resolution: Die am heutigen Tage zusammengetretene Vollversammlung des Vorstandes der Israelitischen Kultur gemeinde Wien erhebt schärfsten Protest dagegen, daß am heil gsten Festtage der Judenhelt der Jüdische Gottesdienst bei der Tempelmauer in Jerusalem, dem letzten Ueberreste des alten Heiligtumes. wo die frommen Juden seit zweitausend Jahren ihre Gebete verrichten, von Beamten der englischen Palästinaregierung gestört und dadurch das Gefühlsleben des jüdischen Volkes in unverantwortlicher Weise verletzt wurde. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Regierung Seiner Britischen Majestät, als der Mandatarmacht für Palästina, und der Völkerbund, als Kontrollorgan für die Ausübung der Mandate, hiervon bereits durch die Protestresolutionen zahlreicher jüdischer Gemeinden und Körperschaften in Kenntnis gesetzt, entsprechende Maßnahmen treffen wird, um eine Wiederholung solcher Uebergriffe seitens der Beamten der Palästinaregierung zu verhüten und das jüdische Anrecht auf ungestörte, mit dem jüdischen Rituale im Einklang stehende Gebetsverrichtung an der Klagemauer, schleunigst in einer für die Juden befriedigenden Weise und im Sinne des international verbrieften Palästinamandates für die Dauer regeln wird. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Nun erstattete Regierungsrat Dr. Hermann Oppenheim den Finanzbericht und ersuchte gleichzeitig um Bewilligung des Ausgabenetats für Jänner 1929 in der gleichen Höhe wie in diesem Jahre mit Rücksicht darauf, daß vor Ende Dezember die Konstituierung des neugewählten Vorstandes noch nicht abgeschlossen sein wird. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Herr Regierungsrat Dr. Oppenheim erstattete sodann einen detaillierten Bericht über die Tätigkeit des Steueramtes. Er stellt fest, daß die Zahl der Zensiten wesentlich gestiegen ist, und daß sich die Steuereingänge dank des verbesserten Einbringungsverfabrens vermehrt haben. Er stellt den Antrag, daß dies nunmehr geübte vereinfachte Verfahren auch für das Jahr 1929 Anwendung finden möge. Nach einer hochinteressanten Wechselrede zwischen dem Referenten und Herrn Dr."DesMer Friedmann wurde der Antrag mit den Stimmen der der Union angeschlossenen Gruppe angenommen. Hierauf schloß der Vorsitzende, Präsident Professor Dr. Pick, die öffentliche Sitzung. Abbau der Balfour- Deklaraüon. Der Berichterstatter der „Vossischen Zeitung4*, Arthur Ko e s 11 e r, berichtet aus Jerusalem. (Ende Oktober.) Der Streit um die sogenannte „Klagemauer" in Jerusalem, der nach längerem Stillstand am letzten jüdischen Versöhnungstage in ganz ungewohnter Schärfe wiederauflebte, ist noch immer nicht beendet. Im Gegenteil: die Spannung zwischen der .jüdischen und der arabischen Bevölkerung hat einen Höhepunkt erreicht, wie er nach allgemeiner Ansicht nur in den Zeiten der bekannten Pogrome der Jahre 1920 und 1921 zu verzeichnen war; im ganzen Lande gehen die wildesten Gerüchte um: der Ton, dessen sich ein Teil der hebräischen und alle arabischen Zeitungen befleißigen, erinnert an die übelsten Hetz- "artikel der Kriegsjahre. Dabei ist zu unterscheiden zwischen dem eigentlichen .Gegenstand des Konfliktes (dem umstrittenen Rechte der Juden, auf dem Platze vor der Klagemauer, der mohammedanisches Eigentum ist, Gottesdienste abzuhalten) — und seinen Wurzeln, die geradeswegs in die verwickelten Beziehungen des jüdisch-arabisch-englischen Dreiecks und den undurchsichtigen Manövern der britischen „Gleichgewichts- Pölitik" in Palästina, hinunterreichen. : Erklärungen zionistischer und arabischer Führer zu dem Konflikt zeigen, bei aller selbstverständlichen Gegensätzlichkeit •der'Standpunkte, ein Gemeinsames: daß sie beide weniger der gegnerischen Partei als den britischen Behörden die Schulden dem Zwischenfall beimessen. Allerdings, während der Vorsitzende der Zionistischen Palästina-Exekutive, Lt Colonel F. H. Kish, die englischen Kolonialbehörden beschuldigt, „die Unduldsamkeit der Araber ermutigt zu haben", und ihnen vorwirft, daß . sie den arabischen Forderungen „mit EfiiiniituiiD!aiijim»iis4iüiffif!itU£fij4ur<;f»ii.,ii^.MuaHiJt wohlwollender Neutralität, cder sogar noch etwas freundlicher, gegenüberstehen", greift die Erklärung des arabischen iNationalisten Diemal el Husseini nicht ngendweiche britischen Funktionäre, sondern das Fundament der politischen Situation in Palästina selbst an: die balfour-Deklaration. „Es gibt keinen Araber, der nicht die balfour-Deklaration als eine ständige Provokation empfände, belange diese nicht abgeschafft ist, wird in Palästina keine Ruhe herrschen . . ." Und ein bekannter arabischer Journalist, den man allgemein als Sprachrohr des Moslemitischen Oberrates betrachtet, hat vor kurzem in einer ägyptischen Zeitung die Hoffnung der arabischen Politiker cfien dahin ausgesprochen, „daß d»e englische Administration in Palästina bemüht sei. einem jüdisch-arabischen Zusammenstoß die Wege zu ebnen, um so einen Vorv/and zur Abschaffung der baltcur-Deklaration, die die britische Politik im nahen Osten störe, zu erhalten". Dieser Ausspruch gibt vielleicht die Erklärung für die verwirrte Lage, und es ist möglich, daß die Hcftnung des arabischen Journalisten gar nicht so phantastisch ist, wie sie auf den ersten Blick erscheint. Die unneutrale Haltung der Kolonialbehörden, die sonst unbegreiflichen Taktlosigkeiten gegen den jüdischen Gottesdienst, die Wirtschaitsmaßnahmen des Jahres 1926. die zu der schweren Krise führten, an der Palästina noch heute leidet — alles dieses gewinnt einen Sinn nur dann, wenn man argwöhnt, daß es jene Bedingungen in Palästina schaffen soll, die den Abbau der BaHour-Dekiaration ermöglichen. Das kurzsichtige Kclonialregime darf allerdings mit der Politik des Foreign Ofiice nicht verwechselt werden. Aber London ist weit von Jerusalem, weiter als man glaubt. Zwar hat in manchen besonders krassen Fällen Lenden über den Kopf der lokalen Behörden hinweg direkte Entscheidungen getroffen oder indirekt Abänderungeen solcher Verordnungen erwirkt. Im allgemeinen aber wartet man ab, welchen Lauf die Dinge in Palästina nehmen werden. Bis einmal, im vorigen Jahre, zum erstenmal ein einflußreicher Londoner Parlamentarier, Colonel Wedgwood, Palästina bereiste, das Entsetzen, das ihn angesichts der palästinensischen Zustände ergriff, in einem sensationellen Buche (The Seventh Dominion) niederlegte, und damit das ganze Palästinaprcblem von neuem aufrollte. Die Kritik, der er hierbei die Politik der palästinensischen Eehörden unterzog, übertraf an Schärfe die schärfsten Auslassungen der zionistischen Opposition. Das Heilmittel, das er vorschlägt: Umwandlung des Mandatlandes Palästina in ein britisches Dominium mit jüdischer Majorität. Dieses Problem — Mandatspolitik oder Dominionstatus — wird bald, soweit dies nicht schon heute der Fall ist, zum Mittelpunkte der Palästinafrage werden. Und die Entscheidung über das Schicksal Palästinas wird, trotz der „wohlwollenden Neutralität", mit der einige hohe Beamte in Palästina einer überraschenden Lösung der Frage gegenüber zu stehen scheinen — in London zu fallen und nicht in Jerusalem. fwoi^ ESFAYH 3 Lehrbuch der hebräischen Sprache ■ für Schul- O'd ^elbst -nt^rrieht mit Schlüssel ■j und Wörterverz ichnis- Einführung in d.» 5 Literatur. ■ Moses Rath's „Sfafh Ämenu" B ist von der gesamten Tae-s- und Kac i- B presse sowie von allen Pädagogen u d ■ Fachleuten als die etnz:ge praktische 5 Mehode zur vollsändigcn Erlernung der ■ hebräischen Sprache in Wort und Schrift ■ a ich ohne Lehrer anerkai nt worden. 2 Preiseines gut ansgestateten, eebu nd enen. 00 Seiten ■ starken Fx^mpiares inklus'Vr- Schlüssel S nur S 3.eo ■ Zu bestellen b-i S m. bjith?fttiAo, mm n., 5 Tanorstrafte 20 rjiiiiiiiiiBHiiiBiuiiiiiiiiiiiiniiiii