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Die Wahrheit · 1928-11-30 · Heft 48 (30.11.1928) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 48 (30.11.1928)
Date
1928-11-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Schon der äußere Anblick der Versammlung zeigte, daß draußen im jüdischen Leben große Sachen vor sich gehen, welche die Interessen der Kultusvorsteher anderweitig in Anspruch nehmen und so kommt es, daß nur die Mitglieder der der „Union" angehörenden Vertretergruppe so ziemlich vollständig erschienen waren, während die Reihen der übrigen Parteien große Lücken aufwiesen. Nachdem der Vorsitzende die ordnungsmäßige Einberufung und Beschlußfähigkeit der Versammlung festgestellt hatte, brachte Amtsdirektor Regierungsrat Guido Fuchsgelb den Einlauf zur Verlesung, in dem sich befand: Ein Bericht des Jüdischen Kindergartens, Wien XX., Othmargasse 46, aus dem hervorgeht, daß durch die Errichtung einer Baracke auf der Wiese der Kinderspitalsambulanz im Augarten den Zöglingen des Kindergartens vom 22. Juni bis zum 1. Oktober d. J. als Ersatz eines Landaufenthaltes, die Betreuung in frischer Luft, bei entsprechender Verpflegung und Wartung geboten werden konnte, wodurch sich vorzügliche Erholungsresultate ergeben haben. Das Präsidium hat den Kuratoriumsmitgliedern, der Leitung des Kindergartens und Herrn Inspektor (Dehler für die diesfälligen ersprießlichen Bemühungen den Dank zum Ausdrucke gebracht. Von der Rechnungskontrölle der Israelitischen Kultusgemeinde liegt ein Bericht über die Abrechnungen des Betsitzkartenverkaufes und über die in den Gemeindetempeln an den diesjährigen hohen Feiertagen erfiossenen Tempelspenden vor. Was den Betsitzkartenverkauf anbetrifft, der einen Erlös von insgesamt S 157.743.— ergeben hat, blieb derselbe hinter den Ziffern des Voranschlages zurück, da derselbe S 162.500.— als Einnahmen vorgesehen hatte. Die Tempelspenden belaufen sich für die Zeit vom 1. Jänner bis 31. Oktober 1928 auf S 137.585.— gegen S 132.418 im Jahre 1927. Fräulein Anneliese Hatschek in Troppau spendete anläßlich der in Wien erfolgten Bestattung ihres Vaters, des Herrn Josef H a t s c h e k s. A., S 2000.—, und zwar je S 500.— für den Präsidialfonds, das Blindeninstitut, die Chewre Kadischa und den Waisenverein. Die im Stadttempel angebrachten Sammelbüchsen für 13 Fürsörgeinstitutionen brachten ein Gesamtergebnis von S 3ÖÖ6.—. Dankschreiben sind eingelangt: Von Herrn Dr. Adolf Stein für die Gratulation anläßlich seines 90. Geburtstages; von Herrn Rabbiner Professor Dr. Moriz Bauer für die Beglückwünschung anläßlich seiner 25jährigen Amtswirksamkeit als Rabbiner und als Religionslehrer an Mittelschulen: von dem „Jüdisch-akademischen Philosophen vere i n" und vom Jugendvereine ,.E r e z Israel" für die seitens der Kultusgemeinde erfolgte Förderung der Vereinsbestrebungen. Anläßlich der diamantenen Hochzeit wurde das Ehepaar Josef und Regine Rottenstein, anläßlich der goldenen Hochzeiten die Ehepaare Hermann und Julie Engel, und Hermann und Mathilde Grab vom Kultusvorstande in der üblichen Weise beglückwünscht und haben ihren Dank hierfür bekundet. Für die Kondolenz anläßlich des Ablebens des Oberlehrers Jakob Kappelmaeher ist namens der Familienangehörigen seitens des Herrn Professors Dr. A. Kappelmac h e r ein Dankschreiben eingelangt Vom Matrikelamte der Kultusgemeinde liegen die Wochenberichte für die Zeit vom 23. September bis 10. November d. J. vor, nach welchen in diesem Zeiträume 182 Geburten, 335 Sterbefälle, 157 Austritte und 53 Eintritte, bzw. Rücktritte zu verzeichnen sind. In der Zeit vom 1. Jähner bis 10. November d. J. sind insgesamt 791 Personen aus der israelitischen Religionsgesellschaft ausgetreten, während 255 Personen ihren Eintritt, bzw. ihre Rückkehr ins Judentum angemeldet haben. Aus dem hierauf von Regierungsrat Fuchsgelb zur Verlesung gebrachten Präsidialbericht entnehmen wir folgendes: Das Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde wurde am 23. Oktober d. J. vom Herrn Bundeskanzler Dr. Seipel empfangen und hat dem Herrn Bundeskanzler die Eingabe der Kultusgemeinde um eine Beihilfe aus Staatsmitteln unter ausführlicher Darlegung aller in Betracht kommenden Umstände überreicht Der Herr Bundeskanzler stellte in Aussicht, nach Fühlungnahme mit den beteiligten Ministerien auf die Angelegenheit zurückzukommen. Wie bereits bekannt ist, wurde das Gebäude des aufgelassenen „Israelitischen Taubstummen- Institutes" vom Bund erworben. Das Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde hat die erforderlichen Schritte eingeleitet, um an Stelle des im Taubstummen-Institute untergebracht gewesenen Bethauses geeignete Räumlichkeiten zu erlangen, damit den religiösen Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung dieses Bezirksteiles Genüge geleistet werden kann. Es steht zu erwarten, daß die Bemühungen des Kultüsvorstandes von Erfolg begleitet sein werden. Anläßlich der Feier .des zehnjährigen. Bestandes der Republik Oesterreich hat das Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde für den 12. November d. J. die Abhaltung von Festgöttesdiensten für die Gemeindemitglieder und von feierlichen Jugendgottesdiensten für die Schüler der Unterrichtsanstalten verfügt und Veranlaßt, daß seitens der Prediger und Exhortanten der Feier entsprechende Festreden gehalten werden. Das Präsidium, der Israelitischen Kultusgemeinde hat aus Anlaß der .Republikfeier dem Herrn Bundespräsidenten Dr. Michael Hainisch die Glückwünsche der Wiener Judenschaft zum Ausdrucke gebracht Im Rahmen der Vorarbeiten für die am 2. Dezember cL J. stattfindende Neuwahl des Kultus vor Standes und der Vertrauensmänner wurde ein T ä t i g k e i t s b e r i c h t der Kultusgemeinde für die Periode 1925—1928 verfaßt, der an sämtliche Kustussteuerträger zur Versendung gelangte. Den wahlberechtigten Gemeindemitgliedern wurde der Bericht zugleich mit der W a h 11 e g i t i m a t i 0 n und den amtlichen Stimmzetteln übermittelt Der Präsident der Kultusgemeinde, Professor Dr. Alois Pick, dankte dem Verfasser des.Tätigkeitsberichtes, Herrn Amtsdirektor. Regierungsrät Guido Fuchs gelb, für die ausgezeichnete Redigierung des Berichtes im Namen des Präsidiums und des Vorstandes.*) Die Zwischenfälle, welche sich amJomkippurtage an der Klagemauer in Jerusalem ereigneten, haben bei der gesamten Judenschaft der ganzen Welt, ohne Unterschied der Parteizugehörigkeit und der religiösen Richtung Schmerz und Erbitterung hervorgerufen. In Uebereinstimmung mit den großen jüdischen Gemeinden der ganzen Welt will auch die Wiener Israelitische Kultusgemeinde *) Auch wir werden Veranlassung nehmen, uns mit dieser ausgezeichneten Arbeit eingehender zu befassen.

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