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Die Wahrheit · 1928-11-30 · Heft 48 (30.11.1928) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 48 (30.11.1928)
Date
1928-11-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT liMinniiiüiiiiHiiiiiiiniiiiiiuiiiiiiM Seite a waren, den Wahlkampf mit einer geradezu bewunderungswerten Vornehmheit und enthielten sich aller persönlichen Gehässigkeiten, obwohl die Kampfesweise selbst der Führer der Gegenparteien so manchen hierzu hätte hinreißen können. Diese Männer haben wahrlich in den Versammlungen bewiesen, von welcher hohen Auffassung sie vom Judentum durchdrungen sind und von ihrer Pflicht gegen die jüdische Gemeinschaft beseelt sind und, wer diese Männer sprechen gehört hat, wer die innere Ueberzeugungskraft ihrer Worte ganz auf sich wirken ließ, noch mehr aber der, welcher das, was diese Männer geleistet haben, zu würdigen weiß, der muß sich sagen, daß die Gemeinde in solchen Händen wohl geborgen ist. D i e W a hlbewegungistabgeschlossen. Unsere Führer und Versammlun.gsredner haben ihre Pflicht und Schuldigkeit voll und ganz erfüllt. Nun ist es an den Kultuswählern, auch ihrerseits ihre Pflicht und Schuldigkeit zu erfüllen und am Sonntag wie ein Mann für die „Jüdische Union, vereinigte Parteien zum Zwecke der Ausschaltung ieder Politik aus der Kultusstube" zu stimmen. Kultuswählerversammlungen. Unter Vorsitz des Postamtsdirektors G. Kol min fand Dienstag, den 20. d. M., im Theatersaale des Hotels „Bayrischer Hof" eine außerordentlich gut besuchte Kultuswählerversammlung statt, das infolge der dort gehaltenen Reden und der sich an diesen anschließenden Diskussionen einen bemerkenswerten Verlauf nahm. iNachdem der Vorsitzende die zahlreich erschienenen Wähler und Wählerinnen namens der Einberufer des Bezirkswahlkomitees II der „Union" herzlich begrüßt hatte, erteilte er dem ersten Referenten Herrn Baurat Wilhelm Kempler das Wort zu folgenden Ausführungen: „Von den Parteien, welche mit uns Im Wahlkampf stehen, will Ich mich zuerst mit den Sozialdemokraten befassen, oder, besser gesagt, mit der .Vereinigung werktätiger Juden', unter welchem irreführenden. Deckmantel die Sozialdemokraten in den Wahlkampf eingetreten sind, um die Kultusgemeinde zu .erobern'. Stellen wir uns vor. diesen Herren würde ihr Unterfangen gelingen, und sie würden in größerer Anzahl einziehen, welches Gesicht würden wir dort haben, wenn ihre Partei, bzw. ihr Parteiblatt die .Arbeite r- Zeitun g' ihre antisemitischen Tendenzen, die in jüngster Zeit immer deutlicher hervortreten, offen zur Schau trägt? Was würden, was könnten Sie dazu sagen, wenn, wie das in jüngster Zeit seitens sozialdemokratischer Abgeordneter geschehen ist, unter den Hausbesitzern, welche mit jüdisch klingenden Namen ausgewählt und der Oeffentlichkeit als Zeichen dafür aufgetischt würden, daß die Juden besonders gefährliche Zinsgeier sind, welche die armen Leute bedrücken. Unter den ersten Beispielen für jüdischen Hausbesitz befindet CENTRALKINO Wien ll.f TaborstraBe 8 - 1«). R 42-3-41 Engel der Straße das große nonamentaMrama mit JANET GAYNOR und CHARLES FARRELL Beginn der Vo^stei'nngen: 5, 7 und 9 Uhr sich die Wiener Israelitische Kultusgemeinde, deren Kapitalismus so von dem sozialdemokratischen Redner angeprangert wurde. Allerdings hat er es geflissentlich unterlassen zu sagen, welcher Art die Häuser sind, die unsere Gemeinde besitzt, weil dies wahrscheinlich der ausgesprochen antisemitischen Tendenz seiner Ausführungen Abbruch getan hätte; es sind dies nämlich das Spital, das Versorgungshaus, das A m t s g e b ä u d e in der Seitenstettengasse und andere Fürsorgezwecken dienende Gebäude. Zu dieser gehässigen Einstellung der Sozialdemokraten unserer Gemeinde gegenüber paßt sehr gut ihre Geringschätzung der Für Sorgetätigkeit derselben, die nicht nur nicht unterstützt, sondern sogar gehemmt wird. Und doch haben wir auf diesem Gebiete unendlich viel Gutes geleistet und unsere Leistungen auf diesem Gebiete sind in ständigem Fortschreiten begriffen. Dies mögen Ihnen einige Zahlen beweisen. Im Jahre 1925 betrug unser Budget 4,6 Millionen Schilling, davon entfielen 1,7 Millionen Schilling auf Fürsorgezwecke, im Jahre 1926 betrug dasselbe 4.9 Millionen Schilling, wovon 1,8 Millionen Schilling auf Wohltätigkeits- und Fürsorgezwecke entfielen; 1927 betrug das Budget 5,6 Millionen Schilling, wovon 1,9 Millionen Schilling Fürsorgezwecken zugewendet wurden, während in diesem Jahre von unseren bisherigen Gesamtausgaben von 4,6 Millionen Schilling 1,6 Millionen Schilling auf Fürsorgezwecke entfallen. Und da kommen nun die .Werktätigen Juden4 und verlangen, das Fürsorgewesen möge von Grund auf umgestaltet werden. Wahrscheinlich meinen sie in klassenmäßigem oder parteipolitischem Sinne. Doch dafür werden die Wiener Juden niemals zu haben sein. Sie haben durch viele viele Jahre immer und immer wieder der ,U n i o n' ihre Stimme gegeben und damit dokumentiert, daß sie die Verwaltungstätigkeit, wie sie von den Mandataren der Union im Kultusvorstande inauguriert wird, als die einzig richtige, dem Geiste des Judentums entsprechende, ansehen. Sie werden auch bei diesen Wahlen die .Union4 unterstützen, sofern ihnen Religion. Tradition und Pietät nicht leere Schlagworte, sondern wirkliches Herzensbedürfnis sind, denn unsere Vertreter im Kultusvorstande sind immer der Ansicht gewesen, daß die Kultusgemeinde auch Verpflichtungen höchster seelischer Art besitzt, denen sie sich nie und nimmer entziehen darf. Zu diesen gehört in erster Linie die Pietät gegenüber den Verstorbenen. Dies ist auch der Grund, warum wir eine der Pflicht und die Würde unserer Gemeinde entsprechende Zeremonien halle auf dem Zentralfriedhofe errichtet haben, wegen welcher wir jetzt von denen, die seinerzeit mit uns für deren Erbauung gestimmt haben, den heftigsten Angriffen ausgesetzt sind. Doch, es wird, davon bin ich überzeugt, einst die Zeit kommen, wo man der Kultusgemeinde dafür Dank zollen wird, daß sie M^BMELJFABRHC S1GM. WIEN, 2. BEZ., PRA TERSTRASSE NR. 30 Deiche Auswahl solid gearbeiteter Möbel zu billigsten Preisen Atelier IBr Innendekoration, stets große Auswah I von Möbeln aller Stilarten In Jeder Pieislase. mumm——— FERNSPRECH-NUMMER R 45-1-91 PPENHEIN

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