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Die Wahrheit · 1928-11-23 · Heft 47 (23.11.1928) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 47 (23.11.1928)
Date
1928-11-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 annaftufflfflw^^ neben der Gleichstellung der Kultusbeamten und neben dem Pensionsnormale noch eine weitere Besserstellung herbeizuführen geeignet gewesen wären, hätte stellen können. Sie hat es nicht getan und begnügt sich jetzt mit einem kurzen Satze im Programm und enthält sich jeder Andeutung über die Mittel, durch welche eine solche „Hebung" herbeigeführt werden soll. Die vorangeführten Leistungen .der Vertreter der ..Union" in der Vergangenheit bieten die beste Bürgschaft, daß sie gerne an der Förderung des Wohles der Beamtenschaft, deren Wirksamkeit im Interesse der Oemeinde sie immer freudigst gerechte Würdigung zuteil werden ließ, arbeiten wird. * * Unter Vorsitz des Herrn Franz Engel fand Samstag den 17 d. M., 8 Uhr abends, im Restaurant Nagel, IL, Kleine Sperlgasse 5, eine Kultuswählerversammlung der „Union" statt, welche einen außerordentlich zahlreichen Besuch aufzuweisen hatte. Insbesonders war es das Erscheinen vieler orthodoxer Glaubensbrüder, welches dieser Versammlung ein besonderes Gepräge verlieh, und ein Zeugnis dafür ist, daß unsere Wahlparole „F ü r die Religion und gegen die Politik!" uns trotz aller Verhetzungsversuche gegnerischer Agitatoren die Sympathie auch dieses wertvollen Teiles der Wiener Judenheit verschafft hat. Es sprachen die Herren Dr. Ernst Feldsberg, Präsident Dr. J. G r n s t e i n, Kultusvorsteher Wolf Pappen heim, I. Stern, Börserat I. Glück, M. Spitzer und wurden die Ausführungen der einzelnen Redner mit großem Beifall aufgenommen. Selbstverständlich wurde von jüdischnationaler Seite der Versuch unternommen, die Versammlung zu sprengen, was ihnen aber nicht gelang. Der Vorsitzende Herr Franz Engel entledigte sich hierbei seiner teilweise recht schwierigen Aufgabe in glänzender Weise und schloß in vorgerückter Stunde mit einem Dank an alle Anwesenden und die Redner die Versammlung. Der Bankerott der jüdischen Nationalitäten-Politik in Polen. Von Binjamin Segel. I. Am 10., 11. und 12. November beging der polnische Staat mit großer Feierlichkeit und rauschender Freude das zehnjährige Jubiläum der Gründung der unabhängigen Republik. Das Regierungsorgan hebt mit nachdrücklicher Genugtuung hervor, daß die Juden das Fest ostentativ und mit aufrichtiger Begeisterung mitgefeiert haben, im Gegensatz zu den Deutschen, Urkrainern und Weißrussen, die in einem Briefe an die Marschälle des Sejm und des Senats erklärt haben, daß dieser Tag für sie ein Trauertag sei, denn Polen habe Teile ihres eigenen Vaterlandes seinem Territorium einverleibt usw. Die i)lt WAHRHEII führenden polnischen Blätter bemerken hierzu: „Durch diese Enunziation bekunden die Politiker der Nationalitäten nur. daß sie keinen Sinn für die realen Tatsachen haben und die wirklichen Interessen der Wähler schlecht wahrnehmen". Die Juden Polens haben sich jetzt endgültig von den drei anderen nationalen Minderhelten getrennt, mit denen sie anfänglich sogar einen Wahlblock bildeten, und haben entschieden mit jener törichten und gefährlichen Politik gebrochen, die unter dem Schlagwort „Minoritätenschutz" für die Juden als „Nationalität" bekannt ist. Es war von vornherein eine große und unverschämte Irreführung der Juden, als man ihnen mit tausend Zungen einredete, sie seien eine nationale Minderheit, gleichwie etwa die Deutschen und Ungarn in der Tschechoslowakei, die Ukrainer, Deutschen und Weißrussen in Polen oder die Polen und Russen in Litauen, die Vlämen (Holländer) in Belgien oder die Polen und Dänen in Deutschland; und wenn man die Formel: „Schutz den nationalen Minderheiten durch den Völkerbund" auch auf die Juden anwende, so seien ihre Interessen viel besser geschützt als durch die alte, in langjährigem schweren Ringen, leider wohl noch unvollständig, erkämpfte absolute Gleichberechtigung aller Staatsbürger ohne Unterschied der Konfession. Es ist förmlich unbegreiflich, daß sogar ernsthafte Männer, Männer von Bildung und Wissen, Männer, die eine Verantwortung tragen, auf dieses Sammelsurium von hohlen Phrasen hineinfielen, daß diese Phrasen zum Streitpunkt zwischen Parteien und Gruppen im Judentum werden konnten, daß man sich herausnehmen durfte, diejenigen, die diese Phrasen ablehnen, r.ls Verräter und Feinde des Judentums zu bekämpfen, die dessen Zukunft untergraben. Eine flüchtige Erwägung müßte ja dartun, daß die Stellung aller genannten Nationalitäten zum Staat grundverschieden war von der der Juden. Jene hatten alle außerhalb des Staates, in dem sie leben, meist direkt an dessen Grenze, den Staat ihrer Konnationalen, der mitunter viel größer und mächtiger war, als der andere. Daraus ergab sich, daß ihre nationalen Forderungen im tiefsten Grunde auf den in irgend einer Form zu vollziehenden Anschluß an den „Mutterstaat" hinausliefen. Aber da in den meisten Fällen in dem Mutterstaat hinwiederum Minoritäten der anderen Nationalität leben, so obwaltet hier ein Gegenseitigkeitsverhältnis. Der fremden Minorität gegenüber sieht sich der Staat gezwungen, darauf Rücksicht zu nehmen, daß bei Nichtbefriedigung ihrer Forderungen in ihr Abfallsgelüste erwachen könnten. Anderseits spricht der Nachbarstaat zu ihm: „Wie du meine nationale Minderheit behandelst, so behandle ich die deine." Diese Rücksichten fallen bei den Juden fort. Sollen sie sich im Falle der Nichtbefriedigung ihrer Forderungen etwa an den palästinensischen Zukunftsstaat anschließen und durch das Schreckbild einer palästinensischen Irredenta auf Polen, Rumänien, Jugoslawien oder Oesterreich einen Druck ausüben? Oder etwa dadurch, daß der palästinensische Judenstadtrat die in seinen Grenzen lebenden polnischen, rumänischen, österreichischen Minoritäten ebenfalls unbefriedigt lassen würde? Die Absurdität liegt auf der Hand. Ebensowenig gibt es eine Analogie zwischen den Forde rangen und Bedürfnissen der genannten Nationalitäten und denen der Juden. Jene liegen in erster und letzter Reihe auf dem Gebiete der Sprachenpflege. Die Nationalitäten wünschen nicht, daß ihre Nationalsprache von der herrschenden Staatssprache aufgesogen, verdrängt werde und in Vergessenheit gerate. Sie wollen also in ihrer eigenen Sprache gerichtet, unterrichtet und verwaltet werden, sie fordern demnach Schulen, Gerichte und Verwaltungsbehörden, die in ihrer eigenen Sprache amtieren, wodurch der Sprache eine bedeutende Geltung und eine gewisse Anzahl von konnationalen Staatsanstellungen gesichert sind. Diese Forderungen zu erfüllen, ist dem Staate auch nicht unmöglich, denn diese Nationalitäten wohnen fast durchweg dicht zusammen in bestimmten Territorien, so daß es bei einigem guten Willen leicht möglich ist, für sie eigene Schulgemeinden, Gerichts- S tCieiderkreditZaMbar iaSSalb elne" ISämtliche Herren- und Datnenklelder Nur Qualitätsware) nach Maß sowie fertig lagernd. Billigste Preise! ■ KLEIDERHAUS WERTER, WIEN XVI., ■ Telephon A21-501 Ottakrlngrerstrafie 17 Telephon A2I-501 «■■•■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■w Bollinger-Eiskasten sind eelt 1870 die besten Fabrik: Wien XV., Staglgasse Nr. 10, Telephon R 30-5-38 Filiale: VII., Burggasse Nr. 17,- Telephon B 32-3-80 HfUIUI

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