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Die Wahrheit · 1928-11-16 · Heft 46 (16.11.1928) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 46 (16.11.1928)
Date
1928-11-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT BfflHiffimfflniWRHMnini Seite 3 Sprach- und Bibelschulen errichtet. Wir plädieren für die weitestgehende Pflege des Unterrichtes im Hebräischen für die Jugend, da es zum richtigen Verständnis der uns heiligen Schriften, Bibel, Propheten und Psalmen unerläßlich ist, ebenso wie der Gebete. Die Zionisten machen von der modernen hebräischen Literatur und Dichtung des Ostens viel Aufhebens. Niemand von uns leugnet deren Wert und Bedeutung. Allein seit den ältesten Zeiten hat es im Mittelalter, der neuen und neuesten Zeit Gelehrte und Schriftsteller gegeben, die sich des Hebräischen meisterhaft zu bedienen verstanden. Nicht nur Responsen und Gutachten der Rabbiner, wissenschaftliche Werke verschiedensten Inhaltes, Reisebeschreibungen, ernste und heitere Lyrik (wir erinnern an unseren Dante, Immanuelo) sind bis in die Mendelssohnsche Zeit, z. B. von Gabriel Rießer oder unseren großen Talmudisten Weisse und Friedmann, in hebräischer Sprache verfaßt worden, ohne daß die Autoren irgend etwas vom jüdischen Nationalismus gewußt oder gefühlt hätten. Und der historischen Wahrheit entsprechend hat Oberrabbiner Dr. Chajes s. A. in einem Vortrage im Verein für jüdische Geschichte und Literatur geschildert, daß in Palästina unsere Vorfahren sich mehr des Aramäischen statt des Hebräischen als Umgangssprache bedient haben und daß jenes neue Hebräisch, das heute in Palästina geschaffen worden, nicht aus dem Willen und Wunsch der dort lebenden Massen hervorgegangen, sondern die Erfindung eines einzelnen in Paris lebenden Russen war, der seine Frau zur Erlernung des Hebräischen überredet hat, um sein Kind in dieser Muttersprache allein heranreifen zu lassen. Aber, fragen wir, was soll die hebräische Umgangssprache in Wien uns oder unseren Kindern frommen? Nichts erscheint uns überflüssiger! übermenschlicher Größe, im Faltengewande hervor, ganz aHein, klar beleuchtet. Sie erschien, betrug sich würdig vor aller Augen und verschwand wieder, als ob sie in der grauen Wolke erlöschen wäre. Es war die Gestalt Abrahams. Nach ihm offenbarte sich Tsak, nachher Jakob und seine Söhne Juda, Rüben, Simeon, Izachar und die übrigen, nacheinander erschienen sie. und der König und die Hoftaute blickten still' und ernst auf die Vorfahren des jüdischen Volkes. Bis auf einmal aus der Wolke Jakobs Sohn Naftali auftauchte, ein fuchsroter und sommersprossiger Mann, der rasch vorüber rannte, als ob er nichts versäumten wolte und die anderen jagen würde. Da aber konnte sich der König des Lachens nicht erwehren. Aber wie der König zu lachen begann, verschwand sofort die Wolke und die ganze Erscheinung, und schon klangen durch den geräumigen Saal Rufe, der Verwunderung und des Schreckens. Die Höflinge sprangen von ihren Sitzen auf und alle zeBgten empor zur bemalten Saaldecke. Sie hatte sich bewegt, senkte sich merklich herab und kam immer tiefer und tiefer. Der hohe Saal wurde immer niedriger und niedriger. Die wie der Tod bleichen Hofleute Wolfen sich zur Türe stürzen, konnten aber nicht von der Stelle. Sie waren wie festgefroren. Alle riefen nach Bezalel, daß er die Decke zum Stehen bringe, auch der König rief es. Da trat der Rabbi aus der Nische hervor, streckte seine Hände aus und sprach irgend etwas. Ehe er zu Ende gesprochen hatte, hielt die Gewölbedecke inne und sank nicht weiter. Der König wollte von einer Fortsetzung der Erscheinungen schon nichts mehr wissen. Er eirte ins Freie und die Hofleute hinter ihm her. Die Saaldecke stieg aber nicht mehr in die Höhe. Bis wohin sie herabgesunken war, dort verblieb sie. Der König betrat nie mehr diesen Saal. Man verschloß seine Türe und sie blieb dann ständig geschlossen. Rabbi Low fiel wegen dieses Vorfalles keineswegs in Un- Wir stehen einzig auf dem Standpunkt eines religiösen Judentums, dessen Lehre eine universelle, übernationale ist. Unsere Bibel beginnt nicht mit der Geschichte eines Nationalheros, sie beginnt mit der Schöpfung der Welt und der Menschen als Nachkommen eines Menschenpaares als Eltern, als Kinder Gottes und Brüder untereinander. Genesis XII, 2, weist den Nachkommen Abrahams durch Gott die Aufgabe zu, „für die Menschheit ein Segen zu werden, daß durch sie Heil finden alle Familien der Erde". Dies und die Rede von einem Hirten und einer Herde, von einem Weltreich des Friedens und der Völkerversöhnung, wie sie die Propheten erschauten, sind Gedanken, die im jüdischen Gemüte ihre Geburtsstätte haben, die Sehnsucht nach jener Zeit, da die ganze Menschheit die jüdischen Heilswahrheiten anerkennt und in sich aufnimmt — nicht der die Menschheit trennende Nationalismus und Chauvinismus. Wahlunrecht und Wahlrechtsraub. Von Dr. Oskar Hein. In den Wahlaufrufen der jüdischnationalen Partei und der sogenannten „werktätigen" Juden wird gegen die „U n i o n" der Vorwurf erhoben, daß die von ihr in den Kultusvorstand entsendeten Vertreter die Anträge der oppositionellen Parteien auf Einführung des allgemeinen Wahlrechtes abgelehnt haben. Beide Parteien sprechen mit größter Emphase von Wahlunrecht und Wahlrechtsraub. Es soll davon abgesehen werden, daß selbst bei den politischen Körperschaften viele begeisterte gnade. Ja, es geschah sogar, daß ihn König Rudolf selbst in seinem Hause besuchte. So eine Ehre war der Judenstadt noch nie widerfahren. Aber Rabbi Low War dafür auch dankbar und aus Erkenntlichkeit bereitete er seinem Könige und Herrn nicht geringe Ueberraschungen. Löws Haus sah unscheinbar aus. Es war alt und wenig dekorativ. Aber sowie der König mit seinen Hofleuten durch die niedrige Tür ins Vorhaus trat, erstaunte er. Das war nicht der Vorraum eines gewöhnlichen Hauses, das waT der künstlich gewölbte, mit Malerei und Sruck verzierte Raum eines Fikstenpaiastes. Und die Stiegen, die zum Wohnzimmer führten und sonst aus Holz zu sein pflegten, glänzten von Marmor, sofern sie nicht durch kostbare Teppiche verdeckt wurden. Und man gelangte über sie nicht in ein Wohnzimmer, sondern in einen Prunksaal, der rmt Bildern und kostbaren Tapeten verziert war. Durch die geöffneten Seitentüren aber gewahrte man eine Anzahl reichgeschmückter Gemächer, und durch eme sah man auch in die geöffnete Galerie italienischer Werkkunst. Rabbi Low, der den König ehrerbietig herumführte, geleitete ihn auch in ein großes Gemach, wo gedeckt war, und bat den König, seine Gastfreundschaft zu crenießen. So setzte sich der König also zu Tisch und der Rabbi bewirtete ihn und sein Gefolee mit einem solchen Gastmahle, daß es der königlichen Tafel nicht nachstand. Der König, gefangen von der zauberhaften Gunst, mit welcher Low sein unscheinbares Haus so prächtig ausgestattet hatte, hielt sich hier eine geraume Weile auf und ging dann befriedigt von dannen. Seine Gunst und Gnade brachte er dem gelehrten Rabbi noch oft zum Ausdrucke. Und dieser ließ, um eine Erinnerung an den Besuch des Königs von Böhmen zu bewahren, an seinem Haus neben seinem Zeichen, einer Weintraube, einen Löwen ausmeißeln. Noch ein größeres Wunder als die Hradschfner Erscheinungen der Stammväter war der Golem, ein Diener des Jehuda Low. Der mächtige Rabbiner formte sich ihn selbst aus Lehm:

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