Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1928-11-09 · Heft 45 (9.11.1928) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 45 (9.11.1928)
Date
1928-11-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3064248-3064291--16702-3089467
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

DtE WAHRHEIT iiiiHilifliHiÄ^ Seite 5 WolM«l Sl^ SChr tflll »P^lS^I^^ Versuchen Sie die seit 60 Jahren bestehende Telephon R 42-3-70 und Destrenonunlerte -rara Küche im Telephon ll 42-3-fO HOTEL-RESTAURANT „GUTH" ■»■■««■■» " Arrangiert jedes festliche Ereignis, in jeder Preislage in und außer Hause unter Beistellung von geschultem Personale und vollständigem Service Prachtvolle geräumige Säle Ihr Hochzeiten, vereine and Gesellschalten Verwendung von nur Prima Gansfette — Mittags- und Abendmenu zu S 2»20 und S 3*20 Palastinaweine vom Faß Zum Besuche ladet höflich ein Schwechater Bier Jose! Gutti, Hotelier and Restauroleur Im Wahlkampf ist alles erlaubt. Die „Neue Welt", die sich bisher sehr wenig um die Wiener Kultuswahlen kümmerte — die ihr nahestehenden „radikalen" Zionistenführer wie Ing. Stricker, Dr. Plaschkes, Dr. Waldmann usw. sind ja auch nicht auf dem zionistischen Kultuswahlprogramm unterschrieben — entdeckte auf einmal in ihrer letzten Nummer ihr Herz für den „Kampf um die Wiener Judengemeinde" und ließ unter diesem Titel einen unglaublich gehässigen Artikel gegen die „Union" los, der von — sagen wir — Unrichtigkeiten nur so strotzte. Es würde zu weit führen, hier auf all das näher einzugehen, was das radikal-nationale Blatt an Absurditäten da vorbringt, z. B., auf die erdichtete Zustellung eines Manifestes an die Tageszeitungen von seiten der „Union". Aber ein Teil der Ausführungen der „Neuen Welt" soll doch hier angeprangert werden, weil er so recht die Methode aufzeigt, deren sich unsere Gegner im Wahlkampfe gegen uns bedienen. Als besonderer Schlager wird den Lesern des Blattes ein Brief von Albert Einstein aufgetischt, den dieser, angeblich vor kurzem, an den „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", also die reichsdeutsche „U n i o n" gerichtet hat. Dieser Brief enthält ein Bekenntnis Albert Einsteins zum jüdischen Nationalismus, welche Einstellung des Gelehrten der jüdischen Welt ja nicht unbekannt, also absolut keine Neuentdeckung ist, die für den Wahlkampf zugunsten der Jüdischnationalen besonders auszunützen wäre. Aber einen wichtigen Satz in diesem Briefe hat „Die Neue Welt" unterschlagen, eine Unterlassung, die vollkommen den Gewissenskonflikt kennzeichnet, in dem sich unsere Zionisten angesichts ihrer nationalen Einstellung gegenüber dem religiösen Empfinden befinden. Der betreffende Passus des Einsteinischen Briefes, der übrigens nicht „vor kurzem", sondern am 3. April 1920, also vor mehr als acht Jahren, an den Centraiverein gerichtet worden ist, lautet wörtlich: „Ist das aufrichtig? Kann der „Arier" vor solchen Leisetretern Respekt haben? Ich bin weder deutscher Staatsbürger, noch ist irgend etwas in mir, was man als jüdischen Glauben bezeichnen kann." Die „Neue Welt" hat nur die ersten beidien Fragesätze dieses Passus veröffentlicht, den wichtigen, von uns durch Fettdruck hervorgehobenen Antwortsatz aber glatt unter den Tiscii fallen lassen. Sie mag ja zu ihrer Entschuldigung anführen, daß (inzwischen Albert Einstein seine damalige Ansicht revidiert zu haben scheint, denn in dem Briefe an den jüdischen Studentenkongreß in Paris sprach er bekanntlich von der „Glaubensgemeinschaft, diealle Teile der jüdischen Nation vereinigt." Aber das ist unwesentlich, wesentlich ist, daß „Die Neue Welt" in einem von ihr mit großer Aufmachung zitierten Briefe, Stellen, die ihr nicht passen, einfach wegläßt. Warum? Die Antwort ist sehr einfach. Die „Neue Welt" macht ja in derselben Nummer auch Stimmung für die m i s r a c h i s t i s c h e Liste; da wäre doch ein solch antireligiöser Satz absolut nicht am Platze. 70. Geburtstag des Börserates I. Glück. Wie nicht anders zu erwarten, war Börserat 1. Glück aus Anlaß seines 70. Geburtstages Gegenstand zahlreicher Ehrungen und unzählbar sind die Zuschriften, welche dem verehrten Jubilar aus allen Kreisen der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung zugekommen sind. Aus der großen Zahl derselben wollen wir nur die folgenden im Wortlaut anführen: Bundespräsident Dr. Michael Hainisch schreibt: Sehr geehrter Herr Börserat! Wie mir berichtet wird, feiern Sie am 30. Oktober 1. J. Ihren 70. Geburtstag. Ich sende Ihnen aus diesem Anlasse meine herzlichsten Glückwünsche. Ich weiß, daß Sie stets bestrebt waren, Ihren notleidenden Mitbürgern zu Hilfe zu kommen und daß sie wirklich keine Mühe gescheut haben, um teils selbst Wohltaten zu erweisen, teils die großen Geldsummen aufzubringen, die nötig simd, um wirklich zu helfen. Eine Ihrer schönsten Eigenschaften ist Ihre große Liebe zu den Kindern. Ich benütze daher gerne den Festtag, den Sie heute feiern, als eine günstige Gelegenheit, um Ihnen meinen Dank für ihr gesamtes karitatives Wirken auszusprechen. In vorzüglichster Hochschätzung Ihr aufrichtiger H a i n i s c h. * Der Inhalt der künstlerisch ausgeführten Adresse der Wiener israelitischen Kultusgemeinde lautet: Sehr geehrter Herr Börserat! Den zahlreichen Glückwünschen und Ehrungen, die Ihnen, sehr geehrter Herr Börserat, heute anläßlich der Feier Ihres 70. Geburtstages in reichem Maße zu teil wurden, schließt sich der gefertigte Präsident der Kultusgemeinde in Wien im eigenen Namen und namens des gesamten Vorstandes mit seinen herzlichsten Grüßen und Glückwünschen an. Wir schätzen und ehren in Ihnen eine Persönlichkeit unserer Gemeinde, die in den Tagen schwerster Not als Mitglied

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.