Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 44 (2.11.1928)
- Date
- 1928-11-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT B»ffl^^ Seite 13 Am 2. Dezember fällt die Entscheidung darüber, ob die Wiener Kultusgemeinde sich dem reinen unverfälschten religiösen Judentume zuwenden wird oder nicht. Wir kämpfen mit Ihnen gemeinsam den schweren Kampf für das Judentum, weil wir überzeugt sind, daß wir auch gemeinsam mit Ihnen siegen werden." Nach den glänzenden, mit dem lodernden Feuer wahrhafter Begeisterung vorgetragenen Ausführungen des Führers der Agudah-Jugendgruppe, welche langanhaltenden Beifall ernteten, ergriff Medizinalrat Dr. Heinrich Haase das Wort und führte unter anderem folgendes aus: „Wenn wir die Geschichte der letzten 60 Jahre unserer Gemeinde überblicken, dann erkennen wir, daß die ersten 50 Jahre absoluter Frieden in unserer Gemeinde herrschte, der sich itn einträchtigen Zusammenarbeiten aller Mitglieder des Kultusvorstandes für das Wohl unserer Gemeinde manifestierte. Es gab wohl hin und wieder Meinungsverschiedenheiten, -ja sogar auch heftige Gegensätze über diese oder jene Frage des Kultus oder der Jugenderziehung, der Gegenstand aller dieser Auseinandersetzungen war jedoch niemals ein politischer und es wurden alle auftretenden Fragen schließlich im besten Einvernehmen gelöst. Die Frage z. B. ob unsere Gemeinde mehr in orthodoxer oder in liberaler Richtung geführt werden soll, gewiß eine außerordentlich wichtige, führte niemals zu so heftigen Kämpfen, wie wir sie jetzt erleben müssen. Seit 10 Jahren jedoch ist der innere Frieden unserer Gemeinde gestört und heftige Kämpfe zerwühlen ihren Schoß. Der Frieden war in jenem Momente gestört, als die Zionisten sich dem jüdischen Nationalismus hingaben und ihn, d. h. die jüdischnationale Politik in die Gemeindestube hineintrugen. Als dann noch eine andere, nämlich die sozialistische Partei, in den Fußstapfen der Jüdischnationalen wandelnd, ebenfalls Politik in der Gemeindestube betrieb, da war die Eintracht unrettbar verloren. Meine Damen und Herren! Lernen Sie aus der Geschichte, ziehen Sie aus ihr den einzic richtigen Schluß und handeln Sie danach. Stellen Sie den Frieden in unserer Gemeinde wieder her, geben Sie ihr die frühere Eintracht wieder zurück, indem Sie die Politik aus der Kultusstube ausschaften!" (Lebhafter Beifall.) Der nächste Redner, Kommerzialrat Bernhard Buchwald, weist zunächst auf dfe Methoden hin, derer sich unsere Gegner, vor allem die „Werktätigen Juden" im Wahlkampf bedienen, indem sie selbst vor Verleumdungen nicht zurückscheuen. Als Beispiel hierfür führte er eine Aeußerung der „Jüdischen Volkszeitung" an, derzufolge er im Industriellenverband eine Unterstützung der Heimwehren befürwortet hätte. Als Gegenbeweis führt er an, daß er in einer Hausbesitzerversammlung sich ganz entschieden gegen eine Unterstützung der Heimwehren ausgesprochen habe. Er appelliert schließlich als Mariahilfer Jude an seine eigenen Landsleute vom VI. und VII. Bezirk, alles zu tun, um am Wahltage alle Kultuswähler an die Urne zu bringen und schlägt die B i 1dung eines großen Wahlkomitees für die Bezirke Mariahilf und Neubau vor. um auf diese Weise das Interesse für unsere Sache in die weitesten Kreise der Judenschaft zu tragen und so die Indolenz auch der Gleichgültigsten zu brechen. Nachdem dieser Antrag unter lebhafter Akklamation einstimmig zum Beschlüsse erhoben worden war, ergriff als letzter Redner Kultusvorsteher David Dohan das Wort und sagte: JIHUIIHIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIlim Bollinger-Eiskasten sind seit 1870 die besten Fabrik: Wien XV., Staglgasse Nr. 10, Telephon R 30-5-38 Filiale: VII., Burggasse Nr. 17, Telephon B 32-3-80 ^■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■•»r rM.........................................................-..».-.«--««»i | Herren-' und Damenkleider j S nach Maß sowie fertig lagernd, nur Qualitätsware, billigste Preise. Even- J S tuelle langfristige, bis zu einem Jahre währende Zahlnngserleichterungen; ■ Kleider-ErzeHjgungs-Union, Wien VI., Kaserneng. 6 ■ S Telephon 2-15 „Ich glaube, daß Sie von den Ausführungen meiner sehr verehrten Herren Vorredner davon überzeugt wurden, daß die „Union" die einzige Partei ist, welche die Berechtigung hat. die Geschäfte der Kultusgemeinde zu führen. Denn alle übrigen Parteien wollen nicht die Arbeit, sondern den Kampf, ihr Eindringen in größerer Zahl in den Vorstand unserer Gemeinde würde eine beispiellose Zerklüftung zur Folge haben, die natürlich ein gedeihliches Zusammenarbeiten unmöglich machen würde. Insbesondere werden wir uns nicht das Kommando der sozialdemokratischen Partei in der Kultusgemeinde gefallen lassen. Wir brauchen keine neuen Wege, wir brauchen keine Experimente, da sich der Weg, den uns Moses und die Propheten gewiesen haben, Jahrtausende hindurch als der richtige für uns erwiesen hat. Diesen Weg wollen wir auch weiterhin wandeln und darum rufe ich Ihnen zu: „C h a s a k W e emoz" „Seien Sie stark und tapfer" und verteidigen Sie am 2. Dezember unsere Gemeinde gegen ihre Widersacher!" Nachdem Hert Dohan unter lebhaftem Beifall seine Ausführungen beendet hatte, schloß der Vorsitzende Herr Adolf Taub mit einem Dank an alle Erschienen in vorgerückter Stunde die Versammlung. Wiener Beth-Ha-Midrasch-Verein. Wien. II.. Tempelgasse 3. Vorlesungen im Wintersemester 1928/29: Sonntag. 5 bis 6 Uhr: Rabbiner Lektor Dr. Rubin. Midrasch, Montag, 5 bis 6 Uhr: Rabb. Dr. Taglicht. Aiin Jakow: 6 bis 7 Uhr: Dr. M. Rosenmann. Die religionsphilosophische Literatur der jüdisch-spanischen Periode: 7 bis 8 Uhr: Rabb. Lektor Doktor Rubin, Religionsphilosophie. Dienstag: 6 bis 8 Uhr: Professor Dr. Kraus, Jüdische Geschichte. Mittwoch. 6 bis 7 Uhr: Rabbiner M. Rosenmann, Ikurim; 7 bis 8 Uhr: Rabbiner Lektor Dr. Rubin, Talmud. Donnerstag, 6 bis 8 Uhr: Professor Doktor Kraus, Liturgie. Samstag, 3 bis 4 Uhr: Rabbiner Lektor Dr. Rubin, Wochenabschnitt. Maimonides-Institut Wintersemester 1928/29. a) Universitätsvorlesungen. Mit Genehmigung des Rektorates der Universität werden die diesjährigen Vorträge auf dem Gebiete der Wissenschaft des Judentums von Herrn Rabbiner Dr. A. Kaminka wie im Vorjahre im Hörsaal 34 der Philosoph. Fakultät abgehalten werden, und zwar über: Theologie und Ethik des Talmuds, die Religionsphilosophie des Saadia Gaon. die Geschichte des Karäertums und Neuhebräische Dichtung. Der erste der wöchentlich am Mittwoch 6% Uhr abends abzuhaltenden Vorträge findet am 7. November statt, b) Die Kurse im I n s t i t u t, D a rwingasse 21. finden wie folgt statt: Jeden Sonntag 6 Uhr. Dr. Goldstein, Midrasch: jeden Montag. Dr. Kaminka, 6 Uhr. Erklärung des Buches Ezechiel: 7 Uhr, Maimonides' More Nebuchim: ieden Dienstag. Rabbiner M. Horowitz, 6 Uhr, Midrasch: 7 Uhr, Kusari: ieden Donnerstag, fi Uhr. Dr. Kaminka. Ezechiel: 7 Uhr, Dr. Goldstein. Jüdisches Familienrecht; jeden Samstag, 3—4, Dr. Kaminka, Pentateuchvortrag. Der Israelitische Frauenwohltätigkeitsverein für den 16. und 17. Bezirk (Hubergasse 8) veranstaltete Samstag, den 20. Oktober, abends, in den Olympiasälen eine Akademie mit Tanz, zu der sich ein zahlreiches und distinguiertes Publikum eingefunden hatte. Aus dem überaus reichhaltigen Programm erwähnen wir die meisterhaften Vorträge Fräulein Grete Bachs und Oskar Beregis. Die Akademie wies auch einen sehr guten materiellen Erfolg auf und gebührt für rlie p-eluneene Veranstaltung den Vorstandsdamen mit Frau Präsidentin Dr. Adele Bach an der Spitze vollste Anerkennung. FLEISCHH AUEREI^ SIEGMUNP KORNMEHL """"""wreKMöLTiM^ FILIALE i XVIII., WAHRINQIRSTRASSE NR. 91 Telephon Nr. A 17-3-99 and A 10-9-34 Lieferant für Hallanstalten Abteilung für Koscherfleisch IX., BiriiBSss IS ind XVIII., lilrlBiintPdi I? unter Aufsieht des ehrar. Rabbinates der Isr. Kultusoemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima- Qualität zu den billigsten Marktpreisen