Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 44 (2.11.1928)
- Date
- 1928-11-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 imtftütuHfliflm WAHRHEIT S. Grüners Restaurant II., Zirkusgasse 30 T«l*phon R 43-1-60 VoratOgl. Wiener, ungarische und orientalische (rumänische) Küche. Mittag und Abend Menll nach Wahl. Erstklassige Getränke. FnedläHer i Denis! WIEN I., Sellenstellengasse 2 Tel. U 28-1-28 XI., Zentralfrledhof, neben dem 1. Tor, Tel. U18-0-85 legt hatte, erteilte der Vorsitzende als zweitem Redner Herrn Dr. Jose! Ticho das Wort zu folgenden Ausführungen: „Wie dies leider schon einmal im öffentlichen Leben unseres Staates der Fall ist, hat auch der Kampf um die „Eroberung der Kultusgemeinde" beklagenswerterweise schon zu persönlichen Angriffen geführt. Unsere Gegner von der jüdischnationalen Richtung betonen immer, daß sie den Kampf „sachlich" führen; und ein Mitglied ihrer Partei hat es gewagt, in einem offenen Brief unserem allverehrten Herrn Präsidenten, den Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Herrn Dr. Ornstein, zu beschuldigen, daß er die Religion mißbrauche, und daß ihm nicht das Recht zustehe, im Namen unserer heiligen Religion zu sprechen, mit der merkwürdig anmutenden Begründung, „daß derjenige, welcher nicht rituell lebe, nicht für jüdisch-religiöse Ideale eintreten dürfe." Ich glaube in Ihrem Namen zu sprechen, wenn ich diese Anwürfe auf das entschiedenste zurückweise und den Angegriffenen unserer uneingeschränkten Wertschätzung und Verehrung versichere. (Langandauernder, demonstrativer Beifall.) Ich glaube, uns er verehrter Herr Präsident und wir mit ihm haben viel eher das Recht, im Namen der Religion zu sprechen, als diejenigen, die uns dieses Recht abzusprechen sich erkühnen. Denn wir sind es, welche unsere Gemeinde als eine religiöse erhalten wollen. Wir sind es, die für den Ausschluß alles dessen eintreten, was nichts mit Religion zu tun hat. Insbesonders kämpfen wir ja für die Ausmerzung der Politik aus der Kultusstube. Alles, was uns die anderen Parteien bieten, Nationalismus, Sozialismus u. a. ist bestenfalls Religionsersatz, und zwar ein sehr schlechter Ersatz. Wir verwahren uns daher dagegen, daß uns an Stelle unserer altehrwürdigen Religion, unseres jahrtausendealten Glaubens, den wir von unseren Vätern übernommen haben, von den Jüdischnationalen und den jüdischen Sozialdemokraten minderwertige Surrogate vorgesetzt werden. Wir wissen selbst genau, wie wir unsere Jugend erziehen sollen und können hierbei von Jüdischnationalen oder Sozialdemokraten keinerlei Belehrung entgegennehmen. Wir wollen aus unseren Kindern gute und — ich wage es zu sagen — religiöse Juden machen. Darüber hinaus aber lehnen wir es grundsätzlich ab, unsere Glaubensbrüder zu fragen, wie sie es persönlich mit der Religion halten, wir halten es vielmehr für unsere Pflicht, allen Glaubensbrüdern, ob sie nun orthodox oder liberal gesinnt sind, die Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse, soweit dies in der Macht unserer Gemeinde liegt, zu ermöglichen. Wenn wir dies tun wollen, und nichts anderes scheint mir Aufgabe unserer Gemeinde .zu sein, dann haben wir viel, sehr viel zu tun; dann kommen wir gar nicht in die Lage, an andere Dinge, zumal an Politik zu denken. Ist uns aber die Befriedigung religiöser Bedürfnisse, zu welchen in unserer Religion in erster Linie auch die Wohlfahrtspflege gehört, nicht mehr ausschließliches Ziel, dann allerdings liegt auch für grundsätzlich a r e 1 i g i ö s e Parteien, wie dies die Sozialdemokraten sind, der Anreiz vor, sich in dieser nun nicht mehr der Religion dienenden Gemeinschaft festzusetzen und sie für ihre Zwecke zu mißbrauchen. So bekämen wir schließlich eine Kultusgemeinde ohne Kultus, mag sie nun „Volksgemeinde" oder anderswie heißen. Dies aber ist das Ziel, dem beide Gegenparteien gemeinsam, wenn auch auf verschiedenen Wegen, zustreben. Darum appelliere ich an Sie, meine Anwesenden: Helfen Sie uns, die Kultusgemeinde in ihrer altehrwürdigen Form zu erhalten, verbreiten Sie in allen jüdischen Kreisen volle Klarheit darüber, worum es sich bei der kommenden Wahl handelt. Zerstören Sie die Pläne unserer Gegner, die letzten Endes auf eine Vernichtung unserer Kultusgemeinde hinauslaufen. Bewahren Sie am 2. Dezember unsere altehrwürdige Gemeinde vor der Zersetzung durch das Eindringen der Politik, stimmen Sie und werben Sie für jene Partei, deren Devise lautet: „Hinaus mit der Politik aus der Kultusgemeinde!" (Starker Beifall.) Nach einem Danke an die Vortragenden eröffnete der Vorsitzende sodann die Diskussion und erteilte als ersten Redner Herrn S. Stern das Wort, der, lebhaft akklamiert, namens der mit der „Union" verbündeten „Agudas-Jisroel-Jugendgruppe" folgende Ausführungen machte: „Die Jugend und Jugenderziehung hat in den Ausführungen meiner verehrten Herren Vorredner mit Recht einen so breiten Raum eingenommen, daß Sie es mir, wie ich hoffe, nicht verdenken werden, wenn ich als einer der Jüngsten in Ihrem Kreise namens der jüdischen Jugend, und zwar namens des orthodox eingestellten Teiles derselben hier das Wort ergreife. Als Orthodoxer bin ich zwar nicht ganz der Ihrige, doch gehöre ich jener jüdischen Gruppe an, die in achtjähriger Weggemeinschaft mit Ihnen zusammen gearbeitet hat, welche Arbeitsgemeinschaft sich, wie ich hoffe und wünsche, in der kommenden Zeit noch weiter vertiefen wird. Was ist es eigentlich, das uns zusammengeführt hat und weiter zusammenhält? Es ist die reine, die wahre jüdische Idee, die Sie und wir auf unsere Fahnen geschrieben haben. Da nun diese heiligen Ideale, die uns wie Ihnen gleich teuer sind, von verirrten Glaubensbrüdern in den Kot gezerrt, verraten und verachtet werden, ist aus unserer Arbeitsgemeinschaft eine Kampfesgemeinschaft geworden. Wir kämpfen gemeinsam mit Ihnen gegen die Entweihung unserer Religion. Die Jüdischnationalen haben sich schon lange von der jüdischen Idee abgewendet und dem Nationalismus zugewendet. Doch in dem Maße als dies geschehen ist, hat auch die Zugkraft ihrer Ideale eingebüßt. Es besteht aber die Gefahr, daß, wenn der jüdische Nationalismus den unausbleiblichen Schiffbruch erlitten haben wird, das ganze Judentum den Schaden wird tragen müssen. Deshalb wollen wir unsere, einem falschen Judentume anhängenden Glaubensbrüder dem wahren Judentume wieder zurückgeben, um so diese Gefahr rechtzeitig zu bannen. Das gleiche gilt für die andere Partei, gegen die wir mit Ihnen kämpfen. Auch sie ist ganz und gar unjüdisch; denn Klassenkampf ist weder jüdisch, noch religiös, noch sittlich. Er hätte eine Zerreißung und Zerspaltung der Judenschaft zur Folge. Wir bekämpfen aber die sogenannten „Werktätigen Juden" vor allem deshalb, weil diese als Sozialdemokraten die geschworenen Feinde der jüdischen Religion sind. Unzählige Beispiele könnte ich dafür anführen, wie sie ihren Religionshaß gegenüber dem Judentume betätigen und mit welch fanatischem Eifer sie alle jüdischen Gebräuche, Gesetze und Einrichtungen zu vernichten trachten. HOBELFABRIK SIGM F E R NS PRECH-NUM M ER R 45-1-91 PPENHEI WIEN, 2. BEZ., PRATERSTRASSE NR. 30 Reiche Auswahl solid gearbeiteter Möbel zu billigsten Preisen Meiler IBr In aendekoralon,xes große Auswahl wen Möbeln aller Stierten In Jeder PreMaae.