Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1928-11-02 · Heft 44 (2.11.1928) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 44 (2.11.1928)
Date
1928-11-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3064248-3064290--16686-3089450
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

den Tagen die „teure4* und „geliebte" Gemeinde vom Raw geschützt und geführt wird/4 In welchem Zusammenhange stehen denn die „Polischen" zum angeblichen fluchtartigen Verlassen der Kultusgemeinde seitens des „geistlichen Oberhauptes" und der Kultusvorsteher?! Es wird bald jedem rechtdenkenden und nicht parteipolitisch verhetzten Menschen deutlich klar, was der Berichterstatter beabsichtigte. Doch wer mein Leben und meine Tätigkeit als Rabbiner kennt, der bildet sich sein eigenes klares Urteil. ich will wohl nicht als „Held" im kriegerischen Sinne gefeiert sein, doch muß ich bemerken, daß ich zu den Wenigen meines Standes gehöre, die am Weltkriege ihren aktiven Anteil hatten. In meiner Wirksamkeit kenne ich bloß Glaubensbrüder und Menschen — ohne Unterschied der Staatszugehörigkeit. Dies könnte ich reichlichst beweisen und dem würden auch die in meiner Gemeinde lebenden Glaubensbrüder polnischer Staatszugehörigkeit voll und ganz beipflichten. Ueber mein geschichtliches Wissen, auch auf dem Gebiete der jüdischen Geschichtsforschung hat bereits das höchste Forum der österreichischen Gelehrsamkeit sein deutliches Urteil gesprochen, welches wahrlich dem Judentume mehr Ehre als der höhnische Bericht der „Stimme" eingebracht hat. Ich empfehle dem von Liebe zu seinem Volke durchglühten Berichterstatter der „Stimme" künftig etwas mehr Objektivität aufzubringen, „Chibat Jisroel" nicht bloß als Schlagwort zu benützen und die inhaltsreichen Worte „Schalom uwracha" nicht bloß als Lippenbekenntnis zu betrachten, sondern es als Herzenssache anzusehen, „Friede und Segen" zu säen, Anerkennung für das jüdische Volk, seine Vertreter und seine Gelehrten zu ernten. Sapienti sat! Oberrabbiner Dr. Heinrich Hillel Weiß, Wiener-Neustadt. Das Antlitz derPoale Zion. Die ganze Welt ist voll der Entrüstung über die Gewalttätigkeiten, welchen betende Juden an der Klagemauer am heiligsten ihrer Feiertage ausgesetzt waren, und aus allen Ländern vernehmen wir energische Protestkundgebungen von Juden und Nichtjuden, die das Vorgehen gegen die Betenden als eine Schmach des zwanzigsten Jahrhunderts bezeichnen. Uebereinstimmung herrscht auch in der Mißbilligung, welche ob dieses Unrechtes den Beamten der englischen Mandatsbehörde gezollt wird. Nur eine einzige Gruppe von Menschen und, wir müssen es zu unserer Schande gestehen, von jüdischen Menschen, hat sich in ihrem Hasse und ihrer Verblendung soweit verstiegen, die Vorgänge an der Klagemauer als „irrelevant" hinzustellen: Die „P o a 1 e Z i o n". — Anläßlich ihres Weltkongresses in Berlin hat einer ihrer Führer, Herr Salomon R u b aschow, in Gegenwart des ehemaligen englischen Ministers und Unterhausmitgliedes Colonel W e d gw o o d, eines Führers der Labour Party, wörtlich folgendes gesagt: „Wir bedauern, daß diese ynnHifflmHmrm-miiiniMiiiiHMiminhiiiiimiHnnnmiü.iii.....,n, DIE WAHRHEIT Protestbewegung um eine Sache entstand, für die die Verwirklichung des Zionismus irrelevant ist; uns wäre eine Protestbewegung um die Bodenverteilung oder gegen die Einwanderungsbeschränkung lieber." Hätte ein N i c h t j u d e so gesprochen, dann hätte man seine Worte als die Ausgeburt eines verbissenen Judenhasses bezeichnet. Was soll man aber dazu sagen, wenn ein Jude so spricht? Das ist ein Wortführer jener Partei, welche mit den „Werktätigen Juden" gemeinsam die Wiener Kultusstube „erobern" wollen und seine Worte müssen als die Ansichten dieser Partei gewertet werden. Juden, erinnert Euch am 2. Dezember dieser Worte! Siebzigster Geburtstag des Börserates I. Glück. Wenn man das Bild gesehen hat, welches der feierliche Gottesdienst, der Samstag, den 27. Oktober, im Tempel in der Müllnergasse zu Ehren des 70. Geburtstages des Börserates Ignatz Glück geboten hat, dann fällt einem unwillkürlich der Satz aus der Bibel ein: „Wähle dir aus dem ganzen Volke redliche, gottesfürchtige, wahrheitsliebende und uneigennützige Männer aus" (2. Buch Mosis XVIII 21); denn in der Tat, die Ehrung gilt einem Manne, welcher alle Vorzüge in vollem Umfange besitzt, welche unsere Bibel für einen Führer des Volkes als notwendig erklärt. Es kann daher nicht wundernehmen, daß die weitesten Kreise nicht nur der jüdischen Oeffentlichkeit an dieser Ehrung, die allen ein Herzensbedürfnis war, teilnahmen. Es wäre daher ein im vorhinein zum Scheitern verurteiltes Beginnen, wollten wir auch nur den Versuch unternehmen, eine Präsenzliste zu bringen. Es waren alle Männer erschienen, die im jüdischen Leben Wiens eine Rolle spielen. Man sah Vertreter der Wissenschaft und Kunst, Handel, Industrie und Gewerbe, Presse und Wohltätigkeitswesen. Wir wollen nur das Erscheinen des Präsidiums der Wiener Kultusgemeinde, Prof. Dr. Alois Pick, Dr. J. Ornstein, Dr. I. Löwenherz, des Rabbiner- und Kantorenverbandes, der Chewra- Kadischa mit Präsident Dr. W. Pappenheim an der Spitze, des Bethausvorstandes mit Dr. E. Münz, sowie der Beamtenschaft der Wiener Kultusgemeinde, vermerken. Sämtliche Tempelvereine Wiens waren durch ihre Obmänner und Delegierten vertreten. Herzbewegend war das Erscheinen einer Anzahl von Kindern aus dem vom Jubilar geschaffenen Kinderheim in Laa mit ihren Pflegerinnen. In amtlicher Mission erschienen: Kabinettsdirektor Baron Löwenthal, in Vertretung des Polizeipräsidenten Schober Hofrat Kaiser, Bezirksvorsteher Schober, Stadthauptmann Hofrat Klose, Präsident der Börsenkammer Stern mit den Vizepräsidenten Direktor Stransky und B r e i s a c h und sämtlichen Börseräten; für das Börsekommissariat Ministerial-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.