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Die Wahrheit · 1928-11-02 · Heft 44 (2.11.1928) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 44 (2.11.1928)
Date
1928-11-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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nil!|]|li!l!!!l!!!l!llll!l!llll)lltllW gejte 3 Die Schulverwaltung hat daher in der richtigen Erkenntnis, daß das parteipolitische Getriebe von der Jugend jedenfalls ferngehalten werden muß, in das Schillgebetbuch ein Gebet aufgenommen, welchem alle Zionisten und Nichtzionisten, wenn dieselben gerecht und vorurteilsfrei denken, in gleicher Weise zustimmen können und welches hinsichtlich seines Inhaltes mit dem althergebrachten Gebete übereinstimmt und daher auch überall nach der Vorlesung der Thora gesprochen wird. Die Anklagen des Herrn Bauminger gegen die Schulverwaltung sind daher haltlos und fallen in sich zusammen. Sie werden als das gewertet werden, was sie in Wirklichkeit sein sollen: als Stimmungsmache für die kommenden Wahlen. Seiner Partei werden hierdurch Stimmen nicht gewonnen werden, weil die Absicht zu deutlich in die Erscheinung tritt. Ich habe es für meine Pflicht angesehen, die Schulverwaltung vor ganz und gar ungerechtfertigten Angriffen in Schutz zu nehmen, mag die Tendenz der Angriffe noch so durchsichtig sein, weil nicht einmal der Schein, als ob die Angriffe berechtigt sein könnten, aufkommen darf. liilifflilllilllM WubdjlbcnMAtmfui[Dk Wahchätl m'r noch was ein, Herr Leutnant! Warten Sie. warten Sie! Jainkew Deutsch hat m'r gestern gesagt, er hat e schönes Kabinett zu vergeben!" „Das wäre ja großartig, Herr Wessely!" rief Leutnant Kohn. „Wo. bitte, ist dieser Herr Jainkew Deutsch?" „Wo er wohnt, weiß ich nicht, aber — heut' abends is Erew Schabbes, is Jainkew Deutsch in Schul. Können Sie mit ihm reden. Kommen Sie abends in den Tempel, Herr Leutnant! Wird Ihnen gefallen bei uns! E Chasen ham m'r! Mmmmm!" gab Herr Wessely sein Entzücken in einem langgedehnten, frei erfundenen „Nigen" kund. Herr Leutnant Kohn aber antwortete ein wenig verlegen: „Sehr gern — möchte ich kommen. Herr Wessely; aber . . . ich! . . . Dürfte ich Sie vielleicht vor dem Tempelgebäude erwarten?!" „Vor dem Tempel?" rief Herr Wessely sehr erstaunt und plötzlich, als verstünde er: „Pardon, Herr Leutnant! — Das — hab' ich nix gewußt. Sie sind schon gesch.....?!" „Nein, nein, Herr Wessely!" unterbrach Leutnant Kohn. „Ich bin nicht getauft! Gott behüte!" „Nun? Und wollen nix in den Tempel kommen?" — — Leutnant Kohn rang nach einer Antwort und dann sprach er trotzig: „Nein, Herr Wessely: Der Krieg — und was in dem Krieg geschehen ist und noch immer geschieht! Wenn Gott dies zuläßt! Nein---Ich glaub' nicht mehr!"--— Das schmerzte den alten Mann. Er wollte heftig erwidern, aber als er dem jungen Menschen in die Augen blickte, schien ihm, als schimmere hinter dem Firnis des Unglaubens eine wahre Religiosität und — er schwieg. Und auch weil er reinen Herzens war, eiferte er nicht und sprach wohl beklommen, aber freundlich: „Wie's Ihnen paßt. Herr Leutnant! Warten Sie halt vor dem Tempel auf mich!"--„Herr Wessely!" rief Leutnant Kohn. „Ich bin aus einem frommen Haus! Denken Sie nicht vielleicht, daß mir das — so leicht! Ich.....aber....." „Ich weiß, ich weiß. Herr Leutnant! Ich brauch e Menschen nur in die Augen seh'n, weiß ich alles! Aber — bis Maariw kann sich noch manches ändern! Tomer. kommen Sie doch in den Tempel!" „Das kann ich nicht, Herr Wessely!" und rasch, als fürchte er. überredet zu werden, rief er: „Aber jetzt muß ich schon gehen. Ich war nämlich CENTRALKINO H Wien II., Taborilraße 8 - Tai. R 42-3-41 URAUFFÜHRUNG GEHEIMNISSE ORIENTS Ein Prunkffllm der Ufa Beginn der Vorstellungen: 5, 7 nnd 9 Uhr Mißbrauchte Pietät. Von Dr. Ernst Feldsberg. In dem großen Wahlkampf, der gegenwärtig in der Kultusgemeinde geführt wird, scheuen die Gegner der „Union deutschösterreichischer Juden" keine Mittel, um die Wähler für ihre Parteien und ihre Ideen zu gewinnen. Es ist nicht möglich, in den wenigen Spalten einer Wochenschrift die Angriffe zu widerlegen, die von den sogenannten politischen Parteien gegen die „Union deutschösterreichischer Juden" erhoben werden. Es soll daher an dieser Stelle lediglich einem Anwurf die Spitze abgebrochen werden, der nach Ansicht eines guten Juden niemals ein Angriffspunkt im Wahlkampfe noch nicht in der Kaserne. — — Ich danke Ihnen vielmals, Herr Wessely und am Abend — auf Wiedersehen!" „Adiee, Herr Leutnant!" Herr Major Baron Kcreshazy, ein aktiver Offizier, ein Ungar und vermutlich deshalb Kommandant eines kroatischen Regimentes, war eben mit dem Unterfertigen einiger ihm gänzlich unbekannter Aktenstücke beschäftigt, als Herr Leutnant Kohn eintrat, einige Schritte vor dem Major stehen blieb und in strammer Haltung sprach: „Herr Major! Leutnant Dr. Kohn stellt sich gehorsamst vor!" „Seeiwus! Seerwus! erwiderte der Major, lässig freundlich, reichte Leutnant Kohn die Hand und sagte: „Wir haben dich — hat — schon gestern er wertet! Nun sag' mir einmal, lieber Kooohn . . .". seine Aeuglein blickten listig, forschend, unaufrichtig und Leutnant Kohn erschrak über diesen Blick: „Zu welchem Regiment gehörst du?" „Festungsartillerie-Regiment Nr. 1, Herr Major!" „Hat! Da bist du ja ein Wiener?"* „Jawohl. Herr Major!" „Wie kommst du dann zu uns?" „Ich weiß es nicht, Herr Major. Ich habe im Feld den Befehl bekommen, zum Honvcclartillcrie-Regiment Nr. 6 nach Agram einzurücken." „Qohmisch, gohmisch!" rief Herr Major Baron Kcreshazy. ..Versteh' ich nicht, warum sie uns deutschen Offizier schicken zu einem kroatischen Regiment?! — Gohmisch! Oder kannst du vielleicht kroatisch?" „Nein, Herr Major!" „No hat! Was soli ich mit dir ohnfangen? . . . Wie lang' warst du im Feld?" „Ein Jahr, Herr Major!" „So, so!" sagte der Herr Major fast unwillig, denn die lange Felddienstzeit des Leutnants Kohn störte ein wenig seinen Plan. „So. so," wiederholte er. „Aollerdings hättest du Aonspruch auf Erholung! Aaberr . . . ." er spielte Verlegenheit, „was soll ich machen? Kroatisch kannst du nicht und . . .," jetzt rückte er endlich heraus, „deutscher Offizier ist heute für Haubitzen Nr. aoeht im Feld' dringend angefordert worden und ich hab' keinen außer dir! . . . Müßtest du gleich hinaus oder — bist du vielleicht kraonk?" Er

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