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Die Wahrheit · 1928-10-26 · Heft 43 (26.10.1928) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 43 (26.10.1928)
Date
1928-10-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 13 breitet gewesene Legende, daß Juden in Buchara einen nichtjüdischen Knaben getötet hätten, um ihm Blut zu rituellen Zwecken abzuzapfen, sich als ganz harmlos herausgestellt hat. Ein taubstummer, geistig nicht normaler jüdischer Knabe namens Rubin, dessen Eltern und Brüder vor einigen Jahren von Banditen umgebracht wurden, wurde im Hause seiner Verwandten erzogen, und wegen seiner geistigen Abnormität unter strenger Hut gehalten. Daraus entstand die1 Legende, daß Juden einen christlichen Knaben gefangen gehalten und ihn getötet haben. Die Behörden haben nun die Angelegenheit vollkommen aufgeklärt, wodurch sich die nichtjüldische Bevölkerung beruhigt hat. Rathenau und der Chassidismus. In der kürzlich erschienenen Biographie Walter Rathenaus von Harry Graf Keßler berichtet der Verfasser über den Einfluß, den der Chassidismus in den entscheidenden Jahren auf Walter Rathemau ausgeübt hat. Keßler berichtet, daß Rathenau im Jahre 1906 B u b e r s erstes chassidisches Buch, „Die Geschichten des Rabbi Nachmann", gelesen hat, und er „fand dort die Antwort auf die Frage nach dem „Wozu" des Lebens, genau die, die er als Ergebnis seiner inneren Einkehr aus Griechenland mitbrachte: daß der Sinn des Lebens Freude in Gott sei: das zweckfreie Eingehen der Seele in Gott, das seine vollkommenste Erfüllung in der Ekstase erreicht." Zu diesem Gegenstand veröffentlicht Graf Keßler auch einen Brief von Dr. Martin Buber aus Heppenheim, 16. Jänner 1928, worin Buber schreibt: „Ich war mit Rathenau gut bekannt. Wir kamen zwar selten zusammen, aber dann war es jedesmal ein großes Gespräch. Meinen beiden ersten chassidischen Büchern („Die Geschichte des Rabbi Nachmann", 1906, und „Die Legende des Baalschem", 1907) und den sechs ersten meiner „Reden über das Judentum" war er ein aufmerksamer Leser, wie ich aus allerlei Bemerkungen und Hinweisen erkannt habe. Ueber den Chassidismus haben wir wiederholt miteinander gesprochen; ich hatte den Eindruck, daß er für ihn eine Erweiterung seiner Selbstwahrnehmung bedeutete und daß, was er hier und aus den „Reden" vom Judentume erfuhr, auf eine Wandlung in seiner Anschauung vom Wesen und Schicksal des jüdischen Volkes nicht ohne Einfluß geblieben ist. Er hatte den Wunsch, in eigener Arbeit zu den Quellen vorzudringen, und hat eine Zeitlang, wie Sie ja wohl wissen, eifrig hebräisch gelernt: sein Lehrer von damals, den ich nach vielen Jahren in Palästina wiedergesehen habe, erzählte mir bei. dieser Gelegenheit, wie ernst und gründlich Rathenau dieses Studium betrieben hat; warum er es dann abgebrochen hat, weiß ich nicht." 260 Jahre und — acht Jahre. In Prenzlau (Deutschland) feierte vor kurzem eine alte, allgemein geachtete Firma Ascher Mayer ihr hundertjähriges Geschäftsjubiläum. Die Familie, die im Jahre 1698 den Schutzbrief vom Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg erhielt, und nachweislich 260 Jahre am Orte ansässig .ist, wurde durch zahlreiche Ehrungen zum Jubiläum erfreut. Als auch die Magistratsmitglieder — so berichtet die „Eberswalder Volkswacht", Nr. 164 — um Stellungnahme zur Ueberbringung städtischer Glückwünsche aufgefordert wurden, bemerkte der rechtsradikale Stadtrat Fuhrmeister: „Lehne die Kur ab: Mayer ist Jude und Ausländer". Fuhrmeister wohnt acht Jahre in Prenzlau — Mayer über 260 Jahre. Wer kann also eher als „Ausländer" gelten? VonWochezu IDxke Der Vorstand des Tempel Vereines, Wien IX., MüHnergasse 21, veranstaltet anläßlich des 70. Geburtstages seines Obmannes, ctes Herrn Börserates Ignatz Glück, Samstag, den 27. Oktober 1928, vormittags 9 Uhr, einen feierlichen Gottesdienst. Palästinensische Ein- und Auswanderuns. Im Juni kamen 216 Einwlanderer, unter ihnen 145 Juden, nach Palästina. In dem gleichen Monat wanderten aus Palästina 253 Personen, unter ihnen 206 Juden, aus. Der Jüdische antireligiöse Kampf in Rußland. V/iihrend der hohen Uidisc^eu reic-taee machfe sich in der jüdisch-kommunistischen Presse Sowjetrußlands eine Verstärkung des antireligiösen Kampfes bemerkbar. Es handelt sich um eine intensiv durchgeführte Kampagne im Moskauer „Emess" und im Charkower „Stern". Die Walter-Rathenau-Gesellschait ins Leben getreten. Die Walteir-Rathenau-Gesellschaft, deren Gründung am diesjährigen Todestage (24. Juni) beschlossen wurde, ist nunmehr als eingetragener Verein ins Leben getreten. Der Gesellschaft gehören u. a. an: Unterrichtsminister Dr. Becker, Prof. Einstein, Minister Grzesinski, Reichsjustizminister Koch- Weser, Reichstiagspräsident Löbe, Gesandter v. Mutius, Reichskanzler a. D. Wirth, ferner als Förderer auf Lebenszeit Graf Bemstorff, die Witwe des früheren Reichspräsidenten Ebert, Jakob Goldschrrädit, Staatssekretär a. D. v. Kühlmann, Bürgermeister Petersen (Hamburg), Reichsbankpräsident Schacht. Vorsitzender des Kuratoriums der eng mit) der Gesellschaft verbundenen Walter-Ralhenau-Stjftung ist Reichspräsident v. Hindenburg. Die gefürchtete „Jta". Im Czernowitzer „Buletinul de Import-Export" Nr. 24 ist, ohne daß für das Verbot irgendwelche Gründe angeführt werden, folgendes Zirkular der rumänischen Generaldirektion der Zollämter Nr. 165.466 veröffentlicht: „Auf Grund der Mitteilung der Direktion der Polizei und der Gcneral-Siguranza über Intervention des Ministeriums des Aeußeren, laden wir Sic ein, die E i nfuhr und Verbreitung des Bulletins der Jitdischen Telegraphen-Agentur. „Jewish Telegraphic Agency", in jedweder Sprache im Lande zu verbieten. In Konsequenz dessen werden Sie alle Maßnahmen treffen, die Sie für geeignet halten. Gez. Direktor Ch. T. Christea, Chef des Dienstes Vas. C. Vrana." Wochenspielplan im jüdischen Künstlerkabarett (II., Praterstraße 60). Freitag, den 26., Samstag, den 27. und Sonntag, den 28. Oktober: Erstaufführung von „Theater im T h e a t e r'\ Lebensbild in 4 Akten von N. Rakav, Musik von Sch. Sekunda. — Montag, den 29. Oktober: „Der Straßensänger", Lebensbild in 3 Akten von Leo Kobrin, Musik von J. Rumschymky. — Dienstag, den 30. Oktober: „Sträfling 1305", Lebensbild in 3 Akten von Max Gebel, Musik von J. Rumschymky. Bollinger-Eiskasten sind seit 1870 die besten Fabrik: Wien XV., Staglgasse Nr. 10, Telephon R 30-5-38 Filiale: VII., Burggasse Nr. 17, Telephon B 32-3-80 g Kleicterkredift Zahlbar ehl*a s ■ Sämtliche Herren- und Damenkleider ■ 5 Nur Qualitätsware! nach Maß sowie fertig lagernd. Billigste Preise! ■ ■ KLEIDERHAUS WERTER, WIEN XVI., ■ ■ Telephon A 21-501 Ottakringerstraße 17 Telephon A 21-501 5 FLEISCHH AUEREI^ SIEGMUNP KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WÄHRINGERSTRASSE NR. 97 Telephon Nr. 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