Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 43 (26.10.1928)
- Date
- 1928-10-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 ««««««a«*»»«» iflMfflfflMunMiiiiMirafM DIE WAHRHEIt WJuhdl^tcnfäge Schuler Ludendoriis in der Schweiz. Das in Zürich erscheinende ,3chweizerbannei", das sich als Organ der „Schweizer Heimat wehr" bezeichnet und ganz im Stile Ludendorffs geführt wird, schrieb unlängst: „Dieser großen Razzia der weltrevolutionären Sozialisten Rathenau, Briand, Groener, Lloyd George, Wilson und Genossen und ihrer weltrevolutionären Geheimbünde der Freimaurer, Finanzmagnaten und Juden müssen alle Völker der Welt nunmehr mit aller Entschiedenheit und Schärfe entgegentreten, indem sie sich zur Liga gegen die Weltrevolution deT Sozialisten zusammenschließen." Offizielle Anerkennung für das Schulwerk der AUiance Israelite. Das „Journal 0 f f i c i e 1", das Amtsorgan der französischen Regierung, veröffentlicht einen Bericht des Vizepräsidenten der Deputierten-Kammer Bouilleux Lafont über die Organisation des öffentlichen Unterrichtes, in dem das Schulwesen der AUiance Israelite rühmend erwähnt wird. Die Schulen der AUiance, heißt es in dem Bericht, retten die marokkanische Judenheit vor physischem und moralischem Elend, sie verfügen über ein treu ergebenes Lehrerpersonal; die jüdische Bevölkerung der Städte, in denen AHiance-Schulen bestehen, hat sich tief gewandelt. Ludendorff und kein Ende. \ In der vorletzten Nummer berichteten wir von der telegraphischen Aufforderung General Ludendorffs an Hindenburg, wegen des angeblichen freimaurerischen Todesurteils gegen Ludendorff sofort gegegen die „gemeine VerbrecheTpest" einzuschreiten. Ludendorff hatte den Reichspräsidenten um „persönliche Bestätigung" des Telegramms gebeten. Das Organ Ludendorffs, die „Deutsche Wochenschau", teilt in ihrer Nummer 42 vom 14. Oktober folgende Antwort des Reichspräsidenten mit: Berlin W 8. den 7. Oktober 1928. Wilhelmstraße 73. Euer Exzellenz beehre ich mich im Auftrage des Herrn Reichspräsidenten den Eingang des Telegramms vom 3. d. M. sehr ergebenst zu bestätigen. gez. Dr. Meißner, Staatssekretär." Dazu bemerkt sie: „Wir fragen den Herren Reichspräsidenten, was er auf das Telegramm veranlaßt hat und ob er entschlossen ist, das deutsche Volk von der freimaurerischen Pest zu befreien und die Erledigung dieses Sonderfalls durch nichtflreimaurerische Staatsanwälte zu veranlassen. Wir stellen zudem fest, daß der Herr Reichspräsident von Hindenburg der Bitte des General Ludendorff, den Eingang des Telegramms persönlich zu bestätigen, nicht entsprochen hat. Allen denjenigen, die immer noch glauben, die Namen Hindenburg und Ludendorff gehören zusammen, sollte dieser Tatbestand zu denken geben." Vorbildliches Verhalten eines Nichtjudonw In einer Privatsynagoge zu Preßburg war unlängst eine Mauer eingestürzt. Das Bethaus mußte auf behördliche Anordnung sofort geschlossen werden. So wurde die kleine Gemeinde plötzlich obdachlos, und der Gottesdienst hätte vielleicht auf Monate hinaus unterbrochen werden müssen,,bis das Haus renoviert worden wäre. In ihrer Verlegenheit wandten sich die Vorsteher des Bethauses an den Grafen Ferdinand Billot. der in dieser Gegend ein Haus mit geeigneten Räumlichkeiten hat. die er einem ihm nahestehenden christlichen Jugendbund als Vereinslokal zugewiesen hatte. Als der Graf vernommen hatte, zu welchem Zwecke die Räume gewünscht wurden, stellte er dem Verein sogleich zwei schöne geräumige Säle zur Verfügung, bis das frühere Bethaus wieder eröffnet werden könne. Er verlangte dafür nichts anderes, als daß i m Bethaus seiner, verstorbenen Eltern piietät-* voll gedacht werde. Am Schemini Azeres konnte nun die renovierte Synagoge wieder ihrer Bestimmung übergeben werden. Eine froh gestimmte zahlreiche Gemeinde fand sich ein, darunter auch Graf Billot. Der Rabbiner gedachte in seiner Festrede dankbar der edlen religiösen Gesinnung, aus der die entgegenkommende Großzügigkeit des Grafen Billot entsproß. Samoilowitsch' jüdisches Bekenntnis. Prof. Samoilowitsch, der die Rettungsexpedition des Eisbrechers „Krassin" im Polarmeer geleitet hat und bei seiner jetzigen Rückkehr nach Rußland sehr gefeiert wird, empfing den Moskauer Vertreter der Jüdischen Telegraphen- Agentur und sprach sich ihm gegenüber über seine Zugehörigkeit zum Judentum in der fügenden Weise aus: „Ich bin mit Stolz Jude. Ich habe meine Zugehörigkeit zum Judentum niemals verleugnet, sondern es mir zur Ehre angerechnet, einem so ausgezeichneten Volk anzugehören. Meines Erachtens sind die Juden das menschenfreundlichste Volk; sie schreiten lim Kampfe um neues Menschentum voran. Während des J udenpogiroms in Odessa im Jahre 1905", erzählte Samoilowitsch weiter, „war ich der Anführer einer Gruppe des jüdischen Selbstschutzes, die aus 38 Personen bestand. Wie erinnerlich, hat das zaristische Militär die Partei der Pogrom-Leute genommen und den jüdischen Selbstschutz angegriffen. Von meiner Gruppe blieben nur sieben Personen am Leben, 31 junge Leute wurden von den Kugeln des zaristischen Militärs getötet. Im Jahre 1909 lud mich die Regierung ein, mich der damals in die Polairgebiete sich begebenden Forschungskommission anzuschließen. Ich erwiderte, daß ich nach Petersburg nicht kommen könne, weil es Juden verboten sei, sich in der Hauptstadt aufzuhalten. Ich wurde daraufhin durch einen besonderen Akt eingeladen, nach Petersburg zu kommen. Ich erklärte aber gleich bei der ersten Sitzung, daß ich als Jude Beschränkungen unterworfen bin, die meiner wissenschaftlichen Betätigung im Wege stehen könnten. Auf das starke Drängen der russischen Gelehrten hin entschloß rieh mich, an der Expedition teilzunehmen." Professor Samoilowitsch schloß seine Unterredung mit der Bemerkung, daß er den Zusammenhang mit seinen jüdischen Stammesgenossen stets aufrecht erhalten werde -und daß .er ein starkes Interesse für das jüdische Schicksal hege. Juden in den Vereinigten Staaten. Der Bevölkerungsstatistiker Dr. L i n f i e 1 d, der vor kurzem auf Grund einer Feststellung der Verhältnisse der jüdischen Kongregationen in den Vereinigten Staaten versucht hat, die Zahl der jüdischen Bevölkerung in den Staaten festzustellen, veröffentlicht jetzt eine ergänzende Mitteilung, die sich auf die allgemeine Bevölkerungsaufnahme stützt und auch diejenigen Juden berücksichtigt, die Kongregationen nicht angehören. Danach leben in den Vereinigten Staten 4,228.029 Juden. Diese Zählung ergibt ferner, daß die allgemein verbreitete Ansicht, die Juden bevorzugten ausschließlich die Großstädte, unbegründet ist; der sechste Teil aller amerikanischen Juden lebt in ländlichen Bezirken und widmet sich, zu einem großen Teil der Landwirtschaft. Nur in elf Städten der Vereinigten Staaten überschreitet die jüdische Einwohnerschaft die Zahl von 50.000. Während des 19. Jahrhunderts und in den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war ein Steigen des jüdischen Bevölkerungsteiles im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung zu verzeichnen. Jetzt, im dritten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts ist ein proportionelles Sinken der jüdischen-Bevölkerungsziffer festzustellen. Das Ende einer Blut-Legende. Die Zeitung „Prawda Wostoko", die in Taschkent erscheint, teilt mit, daß die unter Christen und Muselmanen ver- Aufruf an alle jüdischen Jj Schachspieler I_ Alle jüdischen Schachspieler und auch diejenigen welche für das ideale Spiel Interesse haben, werden höflichst eingeladen, dem JfldlSdien SdlädlhlUb „HAKOAH" beizutreten; auch solche, die materiell nicht in der Lage sind, durch Beiträge den Klub zu fördern, auch sie werden als Mitglieder gerne aufgenommen. Komm! and fördert den jüdischen Sport! Mitglieder-Aufnahme täglich von 7 bis 10 Uhr abends im Cal6 Habel, I., Wallnerstraße 2.