Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 43 (26.10.1928)
- Date
- 1928-10-26
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 DIE WAHRHEIT Abschied des Kultusvorstehers M. Scharfstein von Wien. Der Unterstützungsverein „E s r a'\ der „Talmud Thor a", „Prater" und Bethausverein „Beth Jizchok" veranstalteten am 20. Oktober ön Ba-rschaks Lokalitäten zu Ehren des Kultusvorstehers M. Scharfstein, des Gründers und langjährigen Obmannes der genannten Vereine, der die Stätte seiner bisherigen ersprießlichen Wirksamkeit in Wien verläßt und nach Leipzig übersiedelt, eine solenne, stark besuchte Abschiedsfeier, die von seiner großen Beliebtheit, insbesondere in den ostjüdischen Kreisen Wiens, Zeugnis ablegte. An der Feier nahmen Vertreter verschiedener jüdischer Organisationen teil und wiesen in ihren Reden die Herren Kultusvorsteher Dr. Sanel Beer, Viktor Bauminger, Jakob M ä>r z sowie die Obmänner Hecht (Nordost), Hornstein (Achduth jereim), Kuner (Stanislauer) und viele andere auf die großen Verdienste des Herrn Scharfstein im Dienste des Wiener Judentums hin. In einer Ansprache dankte Kultusvorsteher Scharf stein allen jüdischen Organisationen für deren tatkräftige Mitarbeit und versprach, der in Wien gegründeten Institutionen auch in der Fremde hilfreßch zu gedenken. Er werde1 auch in seiner neuen Wirkungsstätte als ein guter Jude weiter sein Leben der Arbeit für das jüdische Volk widmen. Das östliche Judentum in Wien verliert in Scharfstedn tatsächlich den streitbarsten, ehrlichsten, aufopferungsvollsten und tatkräftigsten Vorkämpfer. Man kann nur wünschen, ihn in Deuschland ebenso erfolgreich für die jüdische Sache wirken zu sehen. B. Predigten in den israelitischen Gemeindetempein. Freitag, den 26. Oktober 1928 werden bei dem Abendgottesdieäste, 4 Uhr 45, in nachbenannten Gemeindetempeln Predigten abgehalten, und zwar: I., Seitenstettengasse 4 (Rabbiner Doktor Max G r u n w a 1 d); XV., Turraergasse 22 (Rabbiner Dr. 1. Taglicht); XVI., Hubergasse 8 (Rabbiner Dr. M. Rosenmann). Samstag, den 27. Oktober 1928 wird bei dem um 8 Uhr 30 Minuten beginnenden Morgengottesdienste im Gemeindetietnpel, XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. David Feuchtwang) ein exegetischer Vortrag abgehalten. Ein jüdisches Kulturhaus in Budapest. Der Vorstand der Pester Israelitischen Religionsgemeinde hat beschlossen, ein monumentales jüdisches Kulturhaus nebst Heldentempel zu errichten, und hat zu diesem Zwecke einen Wettbewerb ausgeschrieben. Es sind im ganzen 24 Arbeiten eingelaufen, an deren Prüfung die Jury in Gemeinschaft mit hervorragenden Kunstsachverständigen, unter denen sich der Erbauer der berühmten Synagoge in Essen. Edmund Körner, befindet, bereits herangetreten ist. Die Entscheidung der Jury dürfte in wenigen Wochen' fallen, worauf sofort an den Bau des Kulturhauses, zugleich auch an den Bau einer neuen Mädchenschule in der Wesselenyi-Gasse, geschritten werden soll. Die verschiedenen Entwürfe zum Kulturhaus werden öffentlich ausgestellt werden. Verbot des Betteins in Palästina. Wie verlautet, bereitet die palästinensische Regierung eine Verordnung vor, wonach das Betteln in den Jerusalemer Straßen und an der Klagemauer verboten sein soll. Von diesem Verbot werden mehr als tausend Juden und Jüdinnen betroffen werden, die das Betteln, besonders an der Klagemauer, als Beruf betreiben. Der Rat der Jüdischen Gemeinde Jerusalems hat sofort nach Bekanntwerden der Absicht der Regierung eine außerordentliche Versammlung einberufen, in der über Maßnahmen beraten wurde, wie den Bettlern, die bei Durchführung der Verordnung plötzlich vor dem Nichts stehen werden, zu helfen wäre. Die mutigen Hakenkreuzler. Eine rumänische antisemitische Zeitschrift veröffentlicht die nachstehende Ankündigung: „Alle Herren Abonnenten unserer Zeitschrift, die es nicht wünschen, daß ihre Namen unter denjenigen genannt werden, die die Abonnementsgebühr bezahlt haben, wollen uns dies mitteilen, damit wir ihnen auf schriftlichem Wege den Empfang des Geldes bestätigen." Dazu bemerkt der „Curierul Israelit" ganz richtig: BETTFEDERN En gros SPEZIALHAUS en detail Leo Schotten, Wien XIV., Braunhirschengasse Nr. 2* Telephon R 38-3-83 — Provinzversand — Samstag geschlossen Zentrale: Mattersburg, Burgenland. Den Mut der Abonnenten verstehen wir. Aber warum fördert dies die Redaktion? Aus Furcht, die Abonnenten würden ihre Abonnements nicht erneuern? Barmizwahfeier. Samstag, den 13. d., fand im Bethause des Prater Bethausvereines „Tefilath Jeschurun" in besonders festlicher Weise die Barmizwahfeier des Sohnes des Herrn Kopel Reichmann und seiner Gattin Regina unter zahlreicher Beteiligung der Verwandten, Freunde und Bekannten, sowie im Beisein des Obmannes Herrn H. Edelstein mit einer Anzahl Vorstandsmitgliedern, ferner von Delegierten des Tempelbaukomitees und des jüd. Hiilfsvereines „Prater" mit Obmann Salo Natovicz an der Spitze1, statt. Nachdem der kleine Hirsch Abraham in verständnisvoller Form die Haftorah zum Vortrage gebracht, hielt Herr Rabbiner S. Horowitz eine eindrucksvolle, ergreifende Ansprache, in welcher er den Sinn der Eltern für das Judentum und die großen Verdienste, die sich Herr Reichmann als Vorstandsmitglied im Bethau.se und als Obmannstellvertreter des Tempelbaukomitees erworben hatte, hervorhob. Oberkantor J. Wahrmann versah in gewohnt wirkungsvoller Weise die kantorale Funktion. Den Eltern und dem Barmizwoh wurden allseits die herzlichsten Glückwünsche entgegengebracht — Anschließend an diese Feier wurde abends im Cafe Venedig ©in Familienfest abgehalten, zu dem sich viele Gäste einfanden und benützte Herr Obmannstellvertreter Kammer diesen Anlaß, um das allseits verehrte und verdiente Vorstandsmitglied in Würdigung seiner bewährten Tätigkeit zu ehren. Israel. Kinderbewahranstalt des Vereines „Wohlfahrt", Wien IL, Schiffamtsgasse 15. Sonntag, den 28. Oktober, präzise 11 Uhr vormittags, findet die feierliche Wiedereröffnung der Israel. Kinderbewahranstalt statt. Die Anstalt wurde während der Schulferien umgebaut, vergrößert und renoviert. Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien. (IL, Ferdinandstraße 23/8.) Montag, den 29. Oktober 1928, findet im Klubsaale der „Hakoah", I., Wipplingerstraße 24—26 (Cafe Altes Rathaus, Eingang durchs Haustor), ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. David Feuchtwang, „Sagengeschichtliches über Adam" statt. Beginn K8 Uhr abends. Eintritt frei, Gäste willkommen. Jüdischer Frauen-Wohltätigkeitsverein, X. Sonntag, den 28. Oktober findet in den Sälen des Hotel Münchnerhof, VI., Mariahilferstraße 81, eine Wohltätigkeitsjause mit Vorträgen und Tanz statt. Anfang 4 Uhr. Da das Reinerträgnis dieser Veranstaltung den Armen des X. Bezirkes zugute kommt, die jetzt im Winter besonders Not leiden, bittet der Vorstand um recht zahlreichen Besuch. Eintrittskarten zu S 2.— sind bei allen Vor Stands d amen erhältlich. Jüdischer Frauenverein Leopoldstadt (Sitz: II., Ferdinandstraße 23). Sonntag, den 28. Oktober, findet im Festsaale des Hotel Continental, Wien IL, Taborstraße 4, die erste der so rasch beliebt gewordenen Nachmittagsunterhaltungen mit Vorträgen und Tanz, statt. Mitwirkend u. a. Professor Roderich B a s s. Anfang präzise halb 4 Uhr. Da das Reinerträgr/is zur Unterstützung der Aermsten der Armen des so notleidenden Bezirkes verwendet wird, ersucht die Vereinsleitung um recht zahlreichen Zuspruch, Regiebeitrag S. 1.—, an der Kasse S 1.50. Karten sind bei den Vorstandsdamen zu haben. Der jüdisch-akademische Verein „Theologia" veranstaltet öffentliche, allgemein zugängliche (unentgeltliche) Kurse, und zwar: 1. Propheten, vorgetragen von cand. phil. Herz Frostig; 2. Talmud, vorgetragen von cand. phil. I. Glitzenstein und cand. phil. S. Schönblum; 3. Hebräische Literatur, vorgetragen von stud. phil. M. A. Bergenbaum. — Die Kurse werden im Hörsaale der „Israelitischen theologischen Lehranstalt", IL, Tempelgasse 3, abgehalten. Näheres dortselbst.