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Die Wahrheit · 1928-10-26 · Heft 43 (26.10.1928) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 43 (26.10.1928)
Date
1928-10-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 inüntiuunniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiüiiiiiMiii DIE WAHRffEü rasch perzentuell auszurechnen, nur eine üppig wuchernde Phantasie vermöchte. Herr Dr. Eisler hat in seiner Parlamentsrede diese so naheliegenden Wirkungen nur gestreift, er hat es vorgezogen, den Christlichsozialen eine kleine Liste von Trägern unverfälscht semitischer Namen entgegenzuhalten, um sie zum Gaudium aller unverfälschten Antisemiten höhnisch zu fragen, ob sie wirklich so viel Interesse daran haben, diesen neuen Hauseigentümern eine Rente aus ihrem Hausbesitze zu verschaffen? * * * Man wird nicht leugnen, daß Herr Dr. Eisler im Interesse des Mieterschutzes — man weiß nicht, besser „jüdelnd" oder besser „antisemitelnd!" — die jüdisch klingendien Namen herunterlas. Aber zweifellos ist daß seine Frage, die nur zu antisemitischen Hetzereien ausgebeutet werden dürfte, den Gipfel der Geschmacklosigkeit bedeutete. Herr Dr. Eisler ist sich gewiß darüber im klaren, daß die Pistor, Doppler und Genossen in der Mietenfrage lediglich für die heiligen Interessen ihrer eigenen Tasche kämpfen, aber er dürfte auch eine Ahnung davon haben, daß es den Antisemiten sehr sympathisch wäre, auch bei dieser, wie schließlich bei jeder anderen Gelegenheit dias Odium auf die Juden allein zu überwälzen. Bei diesem Bemühen braucht man die Herren wirklich nicht zu unterstützen. Herr Dr. Eisler hat es am allerwenigsten nötig, jüdische Namen, auch wenn es gilt, damit momentane polemische Wirkungen zu erzielen, dem Hohngelächter preiszugeben, denn er hat es ja nur einem glücklichen Zufalle zu danken, daß er bei den vielfachen konfessionellen Wandlungen, an denen sein Leben so reich ist, nicht auch die Notwendigkeit ersah, seinen Namen zu wechseln. Derlei Scherze mit jüdischen Namen, sollten Juden, Christen und konfessionslose Freidenker neidlos den Antisemiten überlassen und Herr Dr. Eisler hätte somit sogar dreifach Grund dazu gehabt. Juden, die mit der unerschütterlichen Treue, die sie für die Religion ihrer Väter im Herzen hegen, auch noch die Pietät für deren Namen verbinden, brauchen sich dieser Namen wirklich nicht zu schämiem. * * * In der Protestversammlung, die dieser Tage in Berlin der Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gegen die Schändung jüdischer Friiedhöfe veranstaltete; haben auch hervorragende nichtjüdische Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens Reden gehalten, in denen die flammende Entrüstung über diese auch das Christentum wie das Deutschtum schändenden Ausschreitungen zum Ausdruck gelangte. Der Leiter der Versammlung, ein Universitätsprofessor, scheute sich nicht, es geradezu herauszusagen, daß die Zahllosigkeit dieser grauenhaften Fälle nur durch die schwere Verseuchung des deutschen Volkes, insbesondere der jugendlichen Elemente erklärlich Wierde. Der Appell des Redners an das Gewissen aller Deutschen, deren gemeinsames Interesse es erfordert, daß diesen Greueln ein Ende gesetzt werde, war keine leere Phrase. Das bewies auch die hierauf erfolgte Erklärung des in der Versammlung erschienenen Reichsjustizministers Koch -Weser, die in der Versicherung gipfelte, daß er im Namen der Reichsregierung sich diesem Proteste anschließe und daß die deutsche Justiz hier ihre Pflicht tun werde. Es scheint also, daß in Deutschland, wo die Lebenden so lange vergeblich ihre Stimmen gegen die Ungeheuerlichkeiten des Antisemitismus erhoben, endlich die Toten es zuwege bringen, das Gewissen, das Rechtsgefühl, die Menschlichkeit wachzurufen. * * * Vor einer Woche war ironisch an dieser Stelle bemerkt, daß die Schützer der rassenschützlerischen Studenten an der Budapester Universität bei der Aufnahme der wenigen jüdischen Hörer gerade die unbefähigsten bevorzugen. Nun hat der Unterrichtsminister, Graf Klebeisberg, im Parlament allen Ernstes mit wahrer Empörung mitgeteilt,, daß der hohe Senat tatsächlich der Praxis huldige, gerade die jüdischen Studenten, die mit Auszeichnung maturierten, zurückzuweisen. Man sieht, der Herr Unterrichtsminister selbst schämt sich schon seiner antisemitischen Universitätsprofessoren. Das will schon etwas heißen. Im übrigen sorgen, wie man in den letzten Tagen leider wieder wahrnehmen konnte, die1 antisemitischen Radaubrüder an der Universität mit ihren Knütteln dafür, daß auch die aufgenommenen jüdischen Studenten — offene Köpfe bekommen. * u. * Aber eines ist womöglich noch empörender, ekelerregender als das Treiben der feigen Buben, diie zehn und zwanzig über einen jüdischen Studenten herfallen. Das ist der milde, gütige, väterlich nachsichtige Ton, den manche bei der Mißbilligung für diese Buben finden, vor denen sich kein Strolch zu schämen hätte. Da meinte z. B. tein antisemitischer Professor beschwichtigend, es seien ja nur ein paar Ohrfeigen gefallen. Sollte der Herr wenigstens nicht darüber aufgeklärt werden, was eigentlich Ohrfeigen sind. * * Die oppositionellen ungarischen Abgeordneten haben es dem Grafen Bethlen als einen Prinzipienbruch ausgelegt, daß er den Führer der Rassenschützler, Gömbös, als Staatssekretär in sein Kabinett aufnahm. Graf Bethlen antwortete darauf, Gömbös bekenne sich nunmehr ganz und voll zum Programm der Einheitspartei. Aber auch Gömbös schwieg nicht. Er benützte die erste Gelegenheit, um im Kreise seiner Gesinnungsgenossen mit stolzem Freimut und unter stürmischem Beifall zu versichern, daß er nichts von seinen Prinzipien aufgegeben habe. Gömbös ist, das müssen ihm auch seine Gegner lassen, ein ehrlicher Mann. Ego. Die Juden in den kroatischen Ländern. Wichtige Entdeckungen der beiden größten kroatischen Gelehrten. Von Dr. Lavoslav S i k, Zagreb. (Schluß vom Artikel aus Nr. 40.) Das archäologische Museum in Split besitzt eine Gemme mit einer deutlich erkennbaren Menorah. Eine ähnliche Abbildung befindet sich auf einer Tonlampe, die man 1927 in der Umgebung der Stadt Benkovac in Norddalmatien gefunden hat. Es ist schwer anzunehmen, daß diese Gegenstände — hierzu kommen noch eine weitere Gemme und eine zweite Lampe, alle mit der Menorah versehen — von Reisenden stammen, die im 4. Jahrhundert n. Chr. zufällig in diese

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