Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 42 (19.10.1928)
- Date
- 1928-10-19
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT niiiiiiiiiüllUiiiHBJiHöHlJllllillili ItllilljlUUffitHlUHillMlIUIUlliiyliiimuUiliUmimiljll Seite 17 Z&JutiettenrcmTage Veit Woche zu IDockc Sommerfrische mit „Pogromgelegenheit"! Den Rekord unter den antisemitischen Kurorten hat die österreichische Sommerfrische SchönbergamKamp erreicht. Sie versendet Prospekte, in welchen <es als Empfehlung heißt: „Im Jahre 1925 antisemitische Exzesse". Wenn das die Herren vom Hakenkreuz nicht anzieht? Idyllische Sommerfrische. Gelegenheit zum Pogrom gegeben! Zu Leo Tolstois 100. Geburtstage. Vor kurzem wurde in der gesamten zivilisierten Welt der- 100. Geburtstag des berühmten russischen Schriftstellers Graf Leo Tolstoi gefeiert. Wir haben besondere Veranlassung, dieses Tages noch nachträglich zu gedenken, weil Tolstoi aus der idealen und altruistischen Gesinnung heraus, die sein ganzes Wesen kennzeichnete, sich stets als einer der entschiedensten Gegner des Antisemitismus bekannte. Am schärfsten hat er wohl diese Stellungnahme in einem „Gespräch mit Teneromo" Ausdruck verliehen, worin er sagte: „Der Antisemitismus ist keine Anschauung, keine politische Ueberzeugung, keine Parteiansicht, sondern ein krankhafter Zustand, eine wilde Leidenschaft, die schon an das Gebiiat der niederen erotischen Leidenschaften mit einer besonders ekligen Nuanoe grenzt." Ganz besonders aber bekämpfte er das judenfeindliche Verhalten der russischen Regierung und deren Ausnahmegesetzgebung, die sich schließlich zur Pogrompolitik steigerte. Gegen die letztere wandte er sich in einem Briefe, den er am 27. April 1903 anläßlich des Pogroms in Kischinew an einen freund richtete, mit folgenden Worten: „Die Kiischinewer Gewalttat ist eine direkte Folge der Lüge und Vergewaltigung, die mit solcher Spannkraft und Beharrlichkeilt von der russischen Regierung geübt wird." In demselben Briefe äußerte er sieh auch über sein Verhältnis zu den Juden folgendermaßen: „Mein Verhältnis zu den Juden kann kein anderes als das zu Brüdern sein, die ich liebe, und zwar nicht deshalb, weil sie Juden sind, sondern weil wir und sie, wie alle Menschen, Söhne eines Vaters und Gotltes sind, und diese Liebe fordert keine Anstrengungen meinerseits, weil ich vorzüglichen Judenmenschen begegnet bin und sie kenne." Tolstoi war auch besonderer Freund des jüdischen Schrifttums; er hat sich während seines ganzen Lebens viel mit den jüdischen Angelegenheiten und Fragen beschäftigt und erlernte noch in vorgerücktem Alter hebräisch, um sich mit biblischen und talmudischen Studien befassen zu können. Zwangstaufe einer Jerusalemer Jüdin. Die jüdische Gemeinde Jerusalems hat in der Angelegenheit einer aus Kurdistan eingewanderten jüdischen Frau, die von ihrem Brotgeber, einem arabischen Polizeioffizier in Nablus gezwungen wurde, zum Islam überzutreten, eine Untersuchung eingeleitet. Wiener Bethamidrasch-Verein. Wien II.. Tempelgasse Nr. 3 (Korrespondenz Wien II.. Taborstraße 9, Mezz.). Sonntag, den 14. Oktober. 6 Uhr abends, fand im Zeremoniensaale des großen Leopoldstädter Tempels die Semester-Eröffnung des Wiener Bethamidrasch unter großer Beteiligung statt. In Vertretung des verhinderten Präsidenten des Kuratoriums Dr. Jakob Ornstein begrüßte Kultusvorsteher Dr. Josef Ticho die Anwesenden und schilderte sodann in formvollendeter Rede die große historische Bedeutung des Bethamidrasch von J a a c o b bis zum heutigen Tage. Seine vortrefflichen Ausführungen lösten großen Beifall aus. Lektor Dr. S. Rubin sprach hierauf über die großen Autgaben des Wiener Bethamidrasch und wies in seinem ausgezeichneten Vortrage nach, daß der wichtigste Faktor für das Judentum die Lehrstätte war und bleibt. Das Abendgebet verrichtete Oberkantor G. Margulies in überaus würdiger Weise. 50. Geburtstag Arno Nadeis. Arno Nadel, in weiten jüdischen Kreisen als Dichter, Uebersetzer, Maler und vor allem als Autorität auf dem Gebiete synagogaler Musik bekannt, beging am 3. Oktober seinen 50. Geburtstag. In Wilna 1878 geboren, kam Nadel schon mit zwölf Jahren nach Deutschland. Er absolvierte das jüdische Lehrer- Seminar in Berlin und bildete sich daneben auch zum Musiker aus. Seit 1912 wirkt er hauptsächlich als Chordirigent der Jüdischen Gemeinde Berlin. Eine Reihe seiner Kompositionen gelangte zu öffentlicher Vorführung und fand großen Beifall. Später wandte er sich auch der Dichtkunst und Malerei zu, widmete sich aber vornehmlich der jüdischen Musik. Speziell als Herausgeber jüdischer Volkslieder und als gründlicher Kenner der liturgischen Musik genießt Nadel großen Ruf. Seit 1909 ist eine Reihe von literarischen Veröffentlichungen und dichterischen Werken erschienen. Die Zahl der lyrischen Gedichtbücher und Dramen ist sehr groß. Genannt seien nur das Drama „A d a in", das wiederholt gespielt worden ist. und die Folge biblischer Szenen „S ü n d e n f a 11". eines der interessantesten Bücher Nadeis. Seit einigen Jahren ist Nadel auch als Maler tätig und wird besonders von Julius Meyer- Graefe außerordentlich geschätzt. Ausstellungen der Werke Nadeis finden im Winter in München, Mannheim, Köln und anderen Städten statt. In der jetzigen Sonderausstellung der Berliner Sezession befinden sich auch einige Bilder von Nadel. Den 50. Geburtstag begeht der Künstler in der Fülle seines Schaffens. Ein musikalisches Ereignis für Marienbad. schreibt die „Marienbader Zeitung", bedeutete das letzte Symphoniekonzert des Marienbader Kurorchesters eingeschobene Klavierkonzert des Professors am Neuen Wiener Konservatorium. Föderiert B» ß, der seine hohe Kunst unentgeltlich in den Dienst des Pensionsfonds des Orchesters stellte. Mit wachsendem Verständnis und steigender Wärme lauschten die Marienbader Musikfreunde und Kurgäste, die den großen Kursaal seit langem wieder einmal bis auf das allerletzte Plätzchen füllten, Schuberts Variationen in B-Dur, Wagners grandios wiedergegebenem „Feuerzauber" (in der Bearbeitung Bollinger-Eiskasten sind seit 1870 die besten Fabrik: Wien XV., Staglgasse Nr. 10, Telephon R 30-5-38 Filiale: VII., Burggasse Nr. 17, Telephon B 32-3-80 (■■■■■■•■■•■■■■■■■■■■■•■■■■■■■•■■•■■■■■■■■•■■■■■•■■•■■■■■■■•■■■■■■••■■■"»■HBj s I Herren- und Damenkleider i ■ ■ S nach Maß sowie fertig lagernd, nur Qualitätsware, billigste Preise. Even- Z S tuelle langfristige, bis zu einem Jahre währende Zahlnngserleichterungen 5 ■ ■ Kleider-Erzeugungs-Union, Wien VI., Kaserneng. 6 s ■ Telephon 2-15 i FLEISCHH AUEREIW SIEGMUND KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 1» FILIALE ■ XVIII., WAhRINGERSTRASSE NN. tV Telephon Nr. 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