Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 42 (19.10.1928)
- Date
- 1928-10-19
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 16 ilSlliilipHiillHIIIIIIIIIIIM DIE WAHRHEIT - gclegenheiten irgendeiner Rcligionsgenossenschaft einzumischen versucht? Glauben Sie, daß diejenigen, welche auf ihre Fahnen die vollkommen gottlose Erziehung der Jugend gesehrieben haben, noch das moralisch© Recht besitzen, über die Fragen der sititlich-religiösen Erziehung unserer Jugend mitzusprechen? Wenn Sie Ihre Bekannten über diese Fragen aufklären werden, dann werden Sie am 2. Dezember d. J. zur Wahlurne gehen und Ihre Stimme für die einzige P. rtei abgeben, welche den Frieden in unserem Vaieriande, den Frieden in unserer Gemeinde bewahren will» für die „Union dj^tschösterreichischer Juden". (Lebhafter Beifall.) Kfütusvorsteher Kommerzialrat Bernhard ßuchwald knüpfte an den letzten Gedanken des Vorredners?n und appellierte an die Versammelten, alles zu tun, damit nicht unsere jüdische Gemeinde in die Hände derjenigen falle, die von unserer Religion sehr weil; entfernt sind. Wenn die Sozialdemokraten, die sonst von Religion als einem überwundenen Standpunkt, ja geradezu als von eäner Dummheit sprechen, auf einmal ein so großes Interesse für unser© Religion zeigen, daß ihre Führer im Kampfe gegen die Religion, die Abgeordneiten Forstner und Leuthner, in die Versammlungen, der werktätigen Juden gehen, dann geschieht dies deshalb, weil sie für die Finanzgebarung der Kultusgemcinde, so großes Interesse haben. Lebhaft akklamiert ergriff nun Vizepräsident Dr. Jakob Ornstetn das Wort und weist einleitend! auf die Bedeutung hin, welche die karrunende WahJ für das Wiejier Judentum besitzt. „Die Zahl der Kultuswähler", so führt er weiter aus, „ist' diesmal um 800 geringer als bei der letzten Wahl, nicht wie ,Di'e Neue Welt' unlängst schrieb, um 8000. Im Jahre 1924 gab es 35.628 Wähler, während es heuer nur 34.844 Wahlberechtigte gibt ' Von den 35.628 Wählern sind aber im Jahre 1924 nur 15.865 zur Wahl gegangen und diese Indolenz hat es bewirkt, daß die Sozialdemokraten, welche damals bereits eine lebhafte Agitation entfalteten, fünf Mandate erobern konnten, da infolge der geringen Wahlbeteiligung nur 404 Stimmen für ein Mandat genügten. Es liegt daher an Ihnen, durch eine eifrige Agitation und vor allem durch Erscheinen vor der Wahlurne, eine so hohe Wahlzahl zu schaffen, daß wir mit genügender Majorität in die Kultusgemeinde einziehen." Dr. Ornstein bespricht sodann die Frage der Jugenderziehung, des Versorgungshauses und streift in kurzen Worten den Neubau der Zeremonienhalle, v/elchen die „Werktätigen", obwohl sie für ihn gestimmt haben, nunmehr aus agitatorischen Zwecken so scharf kritisieren, ein Verhalten, das doch selber unter aller Kritik steht. Entschieden wendet er sich gegen die von den „Werktätigen Juden" aufgestellte Forderung nach Besoldung der Kultusräte. „Trotzdem das Amt eines Kultusvorstehers kein leichtes ist und sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, würden wir einen solchen Antrag, falls er gestellt würde, mit Entrüstung zurückweisen. Würde er dennoch angenommen werden, dann wäre er für mich der erste Anlaß, mein Amt niederzulegen, da ich dasselbe als ein hohes Ehrenamt, als die Erfüllung einer heiigen Pflicht und nicht als Verdienstquelle betrachte. Solange das Judentum besteht, war das Amt eines Gemeindevorstehers niemals für Gejd feil, und es haben sich immer Männer gefunden, welche sich sagten, wir wollen nicht um Sold unserem Judentume dienen, sondern, weil es uns als höchste Ehre und erhabenste Pflicht erscheint, für dve Ehre des Judentums, die ja auch unsere Ehre ist, mit allen Kräften tätig zu sein." An die Ausführungen Dr. Ornsteins, welche lebhaften Widerhall in der Versammlung erweckten, schloß sich eine längere Wechselrede, an der sich die Herren E. Rothberg, Kommerzialrat Gustav Stö ssler und Börserat Ignatz Glück beteiligten. In vorgerückter Stunde schloß der Vorsitzende,, Kommerzialrat Karl Fröhlich, die Versammlung mit einem Dank an die Redner und an alle Erschienenen. /fmtliche ^Tklau&aFungen, ^landitiscl^ Kundmachung. An der Bibelschule der israelitischen Kultusgemeinde, XX., Othmargasse 46, werden Unterrichtskurse für Hebräisch-Lesen, Liturgie (Qebete) und Bibel abgehalten, die für Knaben und Mädchen der Volks-, Bürger-, Haupt- und Mittelschulen bestimmt sind. Der Unterricht findet: Sonntag von 9—12 Uhr vormittags, und Mittwoch von 2—4 Uhr nachmittags statt. Des Ferneren findet ein Barmizwah-Vorbereitungskurs am Dienstag von 3—4 Uhr nachmittags und ein Talmud-Kurs am Montag, Dienstag, Donnerstag jedesmal von 7—8 Uhr abends statt. Die Einschreibungen für diese Kurse finden zu den obgenannten Unterrichtszeiten ab Sonntag, den 14. d. M., im Saal II, XX., Othmargasse 46, ersten Stock, statt. Der Unterricht in allen Kursen ist unentgeltlich. Der Vorstand. * Predigten in den israelitischen Gemeindetempeln. Freitag, den 19. Oktober 1928 werden bei dem um 5 Uhr beginnenden Abendgottesdienste in nachbenannten Gemeindetempeln Predigten abgehalten, und zwar: IL, Tempelgasse 5 (Rabbiner Dr. Max Orunwald); XVIIL, Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. David Feuchtwang); Samstag, den 20. Oktober 1928 findet im Qemeindetempel XXI., Holzmeistergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Rosenmann) beim Morgengottesdienste (Beginn 8 Uhr 30) ein exegetischer Vortrag statt. Kultuswähler! Sichert Euch Euer Wahlrecht! Die Reklamationsfrist endet am 22. Oktober. Die Wählerlisten liegen zur Einsichtnahme an folgenden Stellen auf: Für die Wahlberechtigten des I. Bezirkes: L, Seitenstettengasse 4; II. Bezirkes: IL, Tempelgasse 3; III. und XI. Bezirkes: III., Untere Viaduktgasse 13; IV., V. und X. Bezirkes: V„ Siebenbrunnengasse 1; VI. und VII. Bezirkes: VI., Schmalzhofgasse 3; VIII. und IX. Bezirkes: IX., Müllnergasse 21; XII. bis XV. Bezirkes: XV., Turnergasse Nr. 22; XVI. und XVII. Bezirkes: XVIL, Hubergasse 8; XVIIL und XIX. Bezirkes: XVIIL, Schopenhauerstraße 39; XX. Bezirkes: XX., Khickygasse 11; XXI. Bezirkes: XXL, Holzmeistergasse 12. Reklamationen besorgt auf Wunsch das Sekretariat der „Union" (IX. Berggasse 4, Tel. A19-2-77) gegen Beibringung der erforderlichen Dokumente.