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Die Wahrheit · 1928-10-19 · Heft 42 (19.10.1928) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 42 (19.10.1928)
Date
1928-10-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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DIE WAHRHEIT liMM Seite 13 ffieioöer i DeetsA WIEN I., Seltenstettengasse 2 Tel. U 28-1-28 XI.,Zenlrairrledhoff neben dem l. Tor, Tel. U18-0-85 S. Grüners 3*3 Restaurant II., Zirkusgasse 30 Telephon R 43-1-60 VorxUgl. Wiener, ungarische und orientalische (rumänische) Küche. Mittag und Abend Menü nach Wahl» Erstklassige Getränke. liegenden langjährigen Schriftführers des Vereines Dr. Siegmund Goldberge r. Dieses verdiente Mitglied des Vereines, dessen Namen als Rechtsanwalt, Schriftsteller und Redakteur einen sehr guten Klang hat, verfaßte vor nunmehr 44 Jahren die ersten Statuten des Vereines, war als Rechtsberater beim Kaufe des Hauses, an dessen Stelle sich unser Tempel erhebt, tätig und hat sich sodann als Schriftführer Jahrzehnte hindurch bis zu seiner schweren Erkrankung in der aufopferndsten und uneigennützigsten Weise für unsere Sache betätigt. Möge ein gütiges Geschick den Lebensabend dieses guten Juden und braven Menschen verschönern! Vizepräsident Ludwi'g Medak nahm Veranlassung, als Nachtrag zu seiner im Tempel gehaltenen Rede, den beiden Veteranen des Vereines, den ältesten Vorstandsmitgliedern, den Herren Hermann P o 11 a k und Kommerzialrat Philipp Weiss den innigsten Dank des Vorstandes und der Mitglieder des Josefstädter Tempelvereines für ihr ersprießliches langjähriges Wirken auszusprechen. Kommerzialrat Edmund Hacker toastierte auf den verdienstvollen Obmann, Direktor Anton S t e i n. dessen vorbildliche Tätigkeit er in beredten Worten schilderte. Sämtliche Redner hoben mit Nachdruck die Verdienste des von allen geliebten und geschätzten Rabbi'ners, Seiner Ehrwürden Herrn Dr. Moritz Bauer hervor und erhoben das Glas auf sein und seiner geschätzten Familie Wohlergehen. Sodann wurden den verdienstvollen Mitgliedern des Präsidiums des Tempelvereines und zwar den Herren Direktor Anton Stein, Siegmund Feldmann, K.-R. Edm. Hacker, Ludw. Medak und Ign. P o 11 a c h Ehrendiplome als äußere Zeichen des Dankes und Wertschätzung aller Vorstands- und Vereinsmitglieder in feierlicher Form überreicht. Die Verteilung der Diplome nahm der Präsident der Vereinigung der Wiener Tempelvererne, Börserat I. Glück vor. Als letzter Redner dankte Rabbiner Dr. Bauer in tiefbewegten Worten für die ihm an seinem heutigen Jubeltage entgegengebrachten Ehrungen und versicherte, daß dieser Tag zu den schönsten seines Lebens zählen werde und daß er auch fernerhin bestrebt sein werde, seiner hohen Aufgabe als Führer und Lehrer der Ihm anvertrauten Gemeinde nach besten Kräften gerecht zu werden. In animiertester Stimmung blieben alle Anwesenden bis in dtfe späten Abendstunden beisammen und verließen das Fest in dem Gefühle, einem schönen und wahrhaft jüdischen Festtag beigewohnt zu haben. Q10j*j*e ix. <$&$m%7-'r Walter von Molo, der hervorragende Dichter, der wahrscheinlich zum Präsidenten der Deutschen Dichterakademie gewählt werden wird, hat anläßlich der 60. Friedhofschändung, bei der nun das Volk der Dichter und Denker angekommen ist, einen von leidenschaftlicher Empörung diktierten Protest gegen diese Schändung des deutschen Namens veröffentlicht. Der Dichter, der die deutsche Sprache wie wenige meistert, erklärt sich ohnmächtig, für diese Ausschreitungen, die jedem Deutschen, jedem Christen Gefühle der Empörung und Verachtung abringen müßten, das richtige Wort der Brandmarkung zu finden. Bezeichnungen wie: bübisch, bestialisch, viehisch erscheinen ihm unzureichend. „Ich kann", sagt er, „nur stammeln und finde keinen verständlichen Ausdruck." Walter von Molo hätte sich die Mühe des Suchens sparen können, die einzige richtige und vollauf erschöpfende Charakteristik für die Schändung jüdischer Friedhöfe ist doch in dem einzigen und so naheliegenden Worte gegeben: „Antisemitisch". * * * Seien wir gerecht. Walter von Molos flammende Entrüstung entspringt zweifellos edlen, echt menschlichen Gefühlen. Aber was könnte er der Rotte von Friedhofschändern entgegenen, wenn diese ihm mit folgender Erklärung entgegenträte: „Was soll die Entrüstung, die gerade uns züchtigen will? Sind denn wir böser, verworfener, verächtlicher als jene unserer zahllosen Gesinnungsgenossen, die den in Wort und Schrift verbreiteten, im Namen des Antisemitismus verkündeten Schlagworten folgend, gelegentlich lebende Juden in ihrer Ruhe stören, sie beschimpfen, sie — Frauen, Kinder und Greise nicht schonend — mißhandeln . . . Spüren denn die lebenden Juden vielleicht weniger diese praktischen Auswirkungen des Antisemitismus als die Toten?" Die p. t. Friedhofschänder in Deutschland dürften dreist diese Frage stellen. Sie wäre wirklich nicht so leicht zu widerlegen. * * * Herr von Ludendorff ist wirklich zu bedauern. Der Mann hat Pech wie wenige. Während die ihm nahestehenden Blätter im Deutschen Reiche nur schwer ihre Verlegenheit verheimlichend, bemüht sind, über die antifreimaurerischen Enthüllungen des Generals den Schleier des Schweigens zu breiten, ist ihm ein Helfer in Wien erstanden, der ihn vollends zu vernichten droht. Als ob Ludendorif nicht schon selbst das Möglichste getan hätte, um sich unsterblich lächerlich zu machen, wird ihm in einem Wiener Blatte nachgesagt: „Seit dem Thesenanschlag Luthers ist in ethischer Beziehung keine so weltbewegende Tat mehr geschehen, als die Kampfansage Ludendorffs gegen Juden, Freimaurer und Jesuiten." Es ist überflüssig, besonders zu bemerken, daß dieses mörderische Lob dem General in der — „Dötz" versetzt wurde. Tückischer hätte es eine Gesellschaft satirischer Juden, Freimaurer und Jesuiten gegen Ludendorff nicht ersinnen können. * * * In einem amerikanischen, 5000 Einwohner zählenden Städtchen, war neulich ein dreijähriges Kind verschwunden und es entstand das böswillige Gerücht, Juden hätten es zu rituellen Zwecken ermordet. Der Bürgermeister des Städtchens ließ, im ersten Schrecken verwirrt, ohne sich der Tragweite seines Schrittes bewußt zu sein, den Rabbiner zu sich bitten, und fragte ihn, ob es wahr sei, daß in

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