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Die Wahrheit · 1928-10-19 · Heft 42 (19.10.1928) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 42 (19.10.1928)
Date
1928-10-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 smiiiMiMEiii^ DIE WAHRHEIT Nach dem Liede „Es segne dich der Herr", welches von Oberkantor J. Landau und dem Tempelchor zum Vortrage gebracht wurde, hielt der Präsident der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde Univ.-Prof. Dr. Alois Pick folgende Ansprache: „Das Präsidium der Wiener Kuliusgemeinde ist mit großer Freude hier erschienen, um allen, welche an der Erbauung und Erhaltung dieses Hauses gearbeitet, allen, die in diesem Hause gewirkt haben, die herzlichsten Glückwünsche auszusprechen. Wir haben Ihre Leistungen gesehen, wir haben stets Ihre unermüdlichen Bestrebungen im Dienste Ihrer und somit unserer Gemeinde, deren Teil ja Ihre Gemeinde ist. geschätzt und gewürdigt und wir sind überzeugt, daß Sie auch weiterhin fortfahren werden in Ihrem frommen Wirken für unsere Gemeinde und für das Judentum. Die Tempelvereine sind nämlich überall, in der ganzen Welt, wo Juden leben, die Keimzellen des Judentums. Sie haben sich um die Fortentwicklung desselben von Geschlecht zu Geschlecht die größten Verdienste erworben. Besonders Ihr T-empelverein hat immer mustergültig gewirkt und seine Aufgaben in der denkbar besten Weise erfüllt. Ebenso ist es mir eine angenehme Pflicht, Ihnen, hochverehrter Herr Rabbiner, zu Ihrem 25jährigen Amtsjubiläum auf das herzlichste zu gratulieren. Sie waren stets das Muster eines Rabbiners, ein Rabbi, wie er sein soll: ein Lehrer Ihrer Gemeinde, ein Förderer der sittlich-religiösen Erziehung der Jugend, ein vorbildlicher Charakter, der stets beispielgebend gewirkt hat. ein Bewahrer der Eintracht und des Friedens in der Gemeinde. Sie haben durch Ihr 25jähriges Wirken als religiöser Führer Ihrer Gemeinde dieser sowohl als auch dem Judentum einen unschätzbaren Dienst geleistet, für welchen ich Ihnen im Namen der ganzen Wiener Judenschaft, den herzlichsten Dank ausspreche. Ebenso danke ich den anderen jubilierenden Funktionären dieses Tempels, die nunmehr auf 25 Jahre treuester Pflichterfüllung zurückblicken können, dem Herrn Kantor Josef Grob und den Herren Funktionären Moritz Paszkus und Natan Weiß und beglückwünsche Sic gleichfalls herzlichst zum heutigen Jubeltage." Als nächster Redner ergriff der Präsident der Wiener Rabbinervereinigung, Seiner Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. D. Feuchtwang das Wort, um im Namen aller Wiener Rabbiner, sowie im eigenen Namen dem verehrten Kollegen Dr. Moritz Bauer die herzlichsten Glückwünsche auszusprechen. „Ich bin kein Freund vieler Worte", sagte Dr. Feuchtwang, „und möchte daher an diesem Festtage Ihnen nur meine und unser aller Liebe und Verehrung zum Ausdruck bringen. Als. Lehrer und Führer Ihrer Gemeinde, als hervorragender Kenner von Thora und Talmud, als guter liebevoller Mensch, haben Sie Ihrer Gemeinde und dem ganzen Judentum eroße Dienste geleistet. Gott gebe Ihnen die Kraft, damit Sie im gleichen Sinne weiter wirken können,, wie Sie es bisher getan haben!" Sodann richtete Präsident Börserat J. Glück namens der Vereinigung der Wiener Tempelvereine herzliche Worte des Glückwunsches und Dankes an den jubilierenden Verein und die gleichfalls jubilierenden Vereinsfunktionäre und sagte: „In schwerer Zeit wurde dieser Tempel erbaut und wiederum in schwerer Zeit feiert er sein 25jähriges Bestandsjubiläum. Doch, mögen die Zeiten noch so schwer sein; in unserem Judentum fanden sich immer Männer, welche sich in opferwilligster Weise in den Dienst der Allgemeinheit gestellt haben. So war es auch bei der Schöpfung dieses herrlichen Gotteshauses, und so ist es während des Vierteljahrhunderts seines Bestandes geblieben. Durch eigene Kraft, durch die Unterstützung unserer Muttergemeinde, der alle Tempelvereine für ihre Förderung zu größtem Danke verpflichtet sind, haben Sie diesen Tempel erbaut und erhalten zur Ehre Gottes und zu Ehren des Judentums. Und Sie, verehrter Herr Rabbiner, haben sich die Herzen der Gemeinde erobert und das ist wohl der schönste Lohn, den Sie für Ihre aufopferungsvolle Tätigkeit erhalten haben. Gestatten Sie, daß ich Ihnen auch namens aller übrigen Tempelvereine meinen Dank und meinen Glückwunsch zum Ausdruck bringe." Als letzter Redner ergriff einer der ältesten Schüler Dr. Bauers, Herr Dr. B o n d i, das Wort, um namens der Schülerschaft dem geliebten Lehrer Prof. Dr. Bauer den innigsten Dank und die herzlichsten Glückwünsche auszusprechen. „Die Religionsstunden", sagte Dr. Bondi. „waren für uns Schüler Erbauungsstunden. Wir konnten uns in jeder Lage an Sie wenden und Ihnen unser jugendliches Herz ausschütten. Sie hatten immer volles Verständnis für uns und standen uns mit Rat und Tat stets bereitwilligst zur Seite. Ein Komitee ehemaliger Schüler, die, nunmehr in aller Weit zerstreut, sich dennoch zur Ehrung ihres geliebten Lehrers an seinem Jubeltage zusammengefunden haben, hat mir den ehrenvollen Auftrag erteilt, Ihnen die Grüße Ihrer Schülerschaft zu überbringen. Ich entledige mich hiermit dieser angenehmen Pflicht, indem ich Sie nochmals beglückwünsche und auch der Gemeinde meinen herzlichsten Glückwunch dazu ausspreche, daß sie das Glück hat, einen solchen Menschen wie Herrn Professor Dr. Bauer als religiösen Führer zu besitzen. Ich danke Ihnen, verehrter Lehrer, im Namen Ihrer Schüler für all das (Jute, das Sie uns getan haben." Nach den Festreden erklang der Choral Psalm 114, welchen der Tempelchor unter Leitung seines Dirigenten I. G r ü nb a 11 zum Vortage brachte, und mit dem „Adon olom", vorgetragen vom jubilierenden Kantor I. Grob, fand die Feier ihren Abschluß. Nur langsam leerte sich der Tempel, da die Anwesenden noch lange, nachdem das Fest sein Ende gefunden hatte, in gehobenster Stimmung auf ihren Plätzen verblieben und die Gelegenheit benützten, dem jnubilierenden Vorstand, dem Rabbiner und den Funktionären auch persönlich ihre Glückwünsche auszudrücken. Auch diese erhebende Feier hat den Eindruck wiederum bestätigt, daß die Wiener Judenschaft im Herzen eine Einheit bildet, möge auch ihr Geist leider in die verschiedensten Richtungen gespalten sein. Darum ist Leid und Freud jedes Gliedes unserer Gemeinde zugleich Leid und Freud der ganzen Wiener Judenschaft. Wir glauben daher auch im Namen aller unserer Glaubensbrüder zu snrechen, wenn wir namens der Redaktion der „Wahrheit" der Freude über das so gut gelungene Fest der Josefstädter Gemeinde Ausdruck verleihen. * * * Im Anschluß an die Tempelfeier fand am Abend des gleichen Tages ein Festbankett im Restaurant Tone 11 o statt, welches den Vorstand und viele Mitglieder des Vereines mit ihren Damen sowie eine große Anzahl Freunde des Josefstädter Tempels vereinigte. Unter den Festgästen bemerkte man den Präsidenten der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Prof. Dr. A. Pick und Frau, den Vizepräsidenten Dr. J. Ornstein, den Präsidenten der Organisation der Wiener Tempelvereine Börserat I. Glück sowie den jubilierenden Vereinsrabbiner Se. Ehrwürden Dr. Moritz Bauer mit Famil'ite. Nachdem Obmann Direktor Anton Stein die erschienenen Festgäste begrüßt hatte, ergriff Schriftführer Ignaz Pol lach das Wort. Er gab zunächst einige Jugenderinnerungen über das Kehillawesen zum Besten, ging sodann auf die Tätigkeit des Vorstandes des Josefstädter Tempelvereines näher ein und dankte in seiner Eigenschaft als Tempelvarsteher dem Festkomitee, besonders aber dem Obmanne desselben, Ing. Otto Hl a watsch, der auch die Herausgabe der überaus geschmackvollen Festschrift besorgt hatte, fjür den ebenso schönen als würdigen Verlauf der Tempelfeier. Ing. Otto Hlawatsch dankte für die ihm zuteil gewordene Ehrung und wies darauf hin, daß das Gelingen des schönen Festes vor allem der Zusammenarbeit des Gesamtvorstandes zu danken sei. Sodann ergriff Vizepräsident Dr. Jakob 0 r n s t e i n das Wort und schilderte in beredten Worten die Bedeutung der gefeierten Jubiläen für den Tempelverein in der Josefstadt im besonderen und die Wiener Judenschaft im allgemeinen. Das Fest, sagte er, hat wieder einmal gezeigt, daß im festen Zusammenhalten und im Gefühl des Verbundenseins die Stärke des Judentums begründet sei. Am Schlüsse seiner vortrefflichen mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen sprach der Redner dem jubilierenden Rabbiner Herrn Dr. Moritz Bauer sowie dem Gesamtvorstande des Tempelvereines den innigsten Dank und die vollste Anerkennung der Wiener Kultusgemeinde für ihr ersprießliches Wirken aus. Der nächste Redner. Herr Börserat I. Glück, ließ zunächst in ebenso geistvoller als humoristischer Weise alle Vorredner Revue passieren und stellte sodann fest, daß der Tempelverein alle seine hervorragenden Leistungen nur dank der werktätigen Unterstützung der Vereinsmitglieder und Bethausbesucher vollbringen konnte; er hob sein Glas auf das Wohlergehen der Vereins- und Vorstandsmitglieder und vor allem der hochgeschätzten Damen der Vorstandsmitglieder, die ihre Männer als treue jüdische Gattinnen in ihrer Tätigkeit für den Tempelverein nach besten Kräften unterstützen und selbst vor schweren Opfern nicht zurückgeschreckt sind, damit der heilige und wahrhaft jüdische Vereinszweck erfüllt werden kann. Auch ihnen gebührt daher heute unser ganz besonderer Dank. In rührender Weise gedachte sodann Vizepräsident Siegmund F e I d m a n n der Tätigkeit des schwer krank darnieder-

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