Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 42 (19.10.1928)
- Date
- 1928-10-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit* 10 uBüiiiiflHuiitiiiJUHrtimiffliiiimiiiiiiiiüi.iiii DIE WAHRHEli Jubiläumsfeierlichkeiten im Josef Städter Tempel. M m f.. *l! 4\ S "i & « a ' -» 1.* -{ i-tf'S 1 <r* i n.. ,-• , H'f j; ■ ' J- N; Unsere Glaubeiisbrüder im VIII. Bezirke hatten vergangenen Sonntag einen bedeutenden Erinnerungs- und Gedenktag. Der Tempelverein des VIII. Bezirkes feierte an diesem Tage den fünfundzwanzigjährigen Bestand des Tempels in der Neudeggergasse und gleichzeitig das fünfundzwanzigjährige Amtsjubiläum seines Rabbiners Seiner Ehrwürden Herrn Dr. Moritz Bauer. Auch das füniundzwanzigste Dienstjubiläum des Kantors Josef Grob und der Tempeldiener Moritz P a s k u s z und Nathan Weiß wurden bei diesem Anlasse feierlich begangen. Aber nicht nur die jubilierende Josefstädter Tempelgemeinde nahm teil an der schönen, eindrucksvollen Feier, die ganze Wiener Judenschaft beteiligte sich an dem Jubiläumsfeste und hatte zum Zeichen dafür seine hervorragenden Vertreter entsendet. So kommt es, daß die Tempelfeier ein imponierendes Bekenntnis des Zusammengehörigkeitsgefühls der Wiener Judenschaft darstellte und der festlich geschmückte und beleuchtete Tempel, der an sich edn architektonisches Meisterwerk ist, die erschienenen Festgäste kaum fassen konnte. Die Kultusgemeinde war durch das Präsidium Professor Dr. A. Pick, Dr. Jakob O r n s t e i n, Dr. Josef Löwenherz. die Kultusvorsteher Komm.-Rat B. Buchwald, D. Dohan und Dr. D. Friedmann, sowie Amtsdirektor Reg.-Rat Dr. E. Adler vertreten, für den Rabbinerverband die Herren Rabbiner Dr. A b e 1 e s, Dr. Feuchtwang, Dr. Frankfurter, Dr. Kaminka, Dr. Rosenmann, Dr. Schwarz, für das Unterrichtsministerium Hofrat Prof. Dr. F r a n k f u r t e r, _für die B. B. Großlogen Vizepräsident Dr. Wilhelm Knöpfmacher, Prof. Dr. Hans Königstein, Präsident der Loge „Wien", Richard Petschek. Präsident des Vereines zur Versorgung hilfsbedürftiger israelitischer Waisen, Notar Dr. Beermann, Prof. Dr. Goldhammer, Komm.-Rat A. Wasservogel. Prof. Weiß, Ehrenmitglied des Deutschen Volkstheaters, föiir die Chevra Kadischa Präsident Dr. Wilhelm Pappenheira. In Vertretung der Organisation der Wiener Tempelvereine Präs. Börserat J. Glück, mit den Delegierten der Tempelvereinc; die Vorsteher K r i e s und N e u m a n 11 (Beth Israel), Vizepräs. Architekt J. Reiser und Chefredakteur L. Hirschfeld (Pazmanitentempel), Präsident Löwe und Vizepräsident Fuchs (Viaduktgasse). Vorsteher Spitzer (Tempelverein IV7V), Präs. Dr. J. Engel und Vorsteher B o n d i (Tempelverein VI), die Vorsteher M. E i s n e r und M. Weiß (Müllnertempel), Präs. M. Berger und Vorsteher B. Scher (Tempelverein X), Vizepräsident Tritsch (Turnergasse), die Vorsteher Weiler, K a t z und Spitzmann (Hubergasse), Vorsteher Josef N o s s i g (Währing). die Vorsteher Löwenbein, Tauber und Tausky (Döbling). Präsident Josef K o h n und Vizepräsident Leopold Bösel (Kluckytempel), Delegierte verschiedener humanitärer und Frauenvereine, sowie eine Abordnung des Oesterreichischen Kantorenverbandes unter Führung des Präsidenten J. L ö w i t und des Vizepräsidenten Oberkantor J. Müller u. a. m. Die Gäste wurden durch den Tempelvorstand, bestehend aus den Herren: Präsidenten Anton Stein, Vizepräsidenten Siegmund F e 1 d m a n n, Kommerzialrat Edmund Hacker und Ludwig M e d a k, Schriftführer Ignaz P o 11 a c h und Vorstandsmitgliedern Börserat Paul Bjehavy, Sigmund Bod a n s k y, Hermann E d e r, Alois Hayek, Ing. Otto H1 awatsch, Baurat Dr. techn. Arnold Karplus, Moriz Kob- 1 i t z, Julius Königsberg, Wilhelm Kruraholz. Hermann P o 11 a k, Theodor R i x, Max Rotholz, Friedrich Weiler, Komm.-Rat Philipp Weiß, Alois Donnebaum, Max Pol- 1 ak und Franz Schönmann, empfangen, welche sodann den Rabbiner des Vereines Sr. Ehrw. Dr. Moritz Bauer feierlich tinholten. Die Jubiläumsfeier wurde durch eine Begrüßungsrede des Vereinspräsidenten, Herrn Dir. Anton Stein, eingeleitet, der in eindrucksvollen Worten der Freude des Vereinsvorstandes über das Erscheinen so vieler und hervorragender Persönlichkeiten des Wiener Judentums Ausdruck gab und allen Erschienenen, insbesonders dem Präsidium der Kultusgemeinde und den Heren Rabbinern aufs herzlichste dankte: „Durch Ihr Erscheinen haben Sie Ihr Interesse für unseren Verein und unser Gotteshaus bekundet und dem Feste, das wir feiern, erst die rechte Weihe und Würde verliehen. Ich heiße Sie daher in »unserem Kreie auf das herzlichste willkommen." Sodann ergriff der Vizepräsident des Vereines, Herr Ludwig M e d a k, das Wort, um zunächst die Geschichte des Vereines und seines Tempels in kurzen Umrissen vor den Anwesenden zu entrollen. 25 Jahre sind verflossen, hinabgetaucht in das Meer der Unendlichkeit, der Unendlichkeit, die wir Zeit nennen. 25 Ja'hre sind verflossen, seitdem dieses Gotteshaus nach feierlicher Einweihung seiner heiligen Bestimmung übergeben wurde, seitdem hier das ewige Licht entzündet wurde. 25 Jahre sind verflossen, seitdem seiner Ehrwürden, unser verehrter Rabbiner Herr Dr. Moritz Bauer sein heiliges Amt beim Josefstädter Tempelverein angetreten hat, seitdem Herr Josef Grob als Kantor, und die Herren Moritz Paszkus und Nathan Weiss als Diener dieses Tempels an dieser heiligen Stätte wirken. Der Vorstand des Josef städter Tempelvereines, als Nachfolger jener ausgezeichneten Männer, die es als ihre Lebensaufgabe betrachtet haben, dieses heute festlich geschmückte Gotteshaus zu erbauen, ist eifrig bemüht, all seine Tatkraft, all seine Energie aufzuwenden, das begonnene Werk im Sinne seiner Altvorderen fortzusetzen und der heiligen Tradition entsprechend zu erhalten und auszugestalten. Die Wiener Israelitische Kultusgemeinde ist bestrebt, trotz, schwieriger, widriger finanzieller Bedrängnis, der ihr durch das Reiigionsgesetz auferlegten Verpflichtung, für die religiösen Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung zu sorgen, nach Möglichkeit nachzukommen. Sie hat durch Zuwendung reicher Mittel zur Erbauung dieses Hauses beigetragen, sie hat! unserem Verein seit seiner Gründung ihr Wohlwollen und ihTe, Unterstützung zuteil werden lassen. Ich danke der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde hierfür und bitte sie um ihre Unterstützung auch für die Zukunft. Dem Efeu gleich, der sich an der stolzen Eiche emporrankt, schließen sich die Wiener Tempelvereine an ihre Mu'ttergemeinde, die altehrwürdige Wiener Israelitische Kultiusgemeinde an. Sie sind Teile dieser Gemeinde, es ist ihr Lebensinteresse, diese Gemeinde in dem ihr aufgezwungenen Kampf um ihre Erhaltung, mit aller Kraft, mit allen Mitteln zu unterstützen. Der Josefstädter Tempelverein wird seine Pflicht erfüllen. Die Festschrift, die Ihnen der Josefstädter Tempelverein heute übergeben hat, enthält die Geschichte der Gründung des Josefs'tädter Tempelverei'nes, der die Erbauung eines Gotteshauses im VIII. Bezirke der Stadt Wien zum Zwecke hatte. Die Notwendigkeit dieser Gründung bestand, da das Bethaus, das den Juden der Josefstadt zur Verfügung stand, sich als zu klein erwies. Schon im Jahre 1867, also vor mehr als 60 Jahren, wurde dem Kaufmann Wilhelm Beck von der damaligen k. k. Statthalte,rei die Bewilligung zur Errichtung eines ständigen jüdischen Bethajses im VIII. Bezirke, Florianigasse 41, erteilt. In diesem gemieteten Bejlokale hat die Judenschaft des VIII. Bezirkes bis zur Fertigstellung dieses Tempels ihre Andachten verrichtet. Auf Anregung der Herren .Leopold Guttraann und Hermann Beck bildete sich im Herbst des Jahres 1884 der Josefstädter Tempelbauverein zur Beschaffung der Mittel zum Bau eines würdigen Gotteshauses. Proponenten des Vereines waren die Herren Leopold Guttmann. Hermann Beck, Abraham Adler, Dr. Siegmund G o 1 d b e r g e r, Moritz Bauer. Nachdem die Statuten des Vereines genehmigt waren, wurde, von dem in der Generalversammlung im Jahre 1885 bestellten Vorstand, Herr Abraham Adler zum ersten Präsidenten des Josefstädter Tempelbauvereines gewählt. Im Jahre 1891 folgte ihm in dieser Würde Herr Michael Strasser, ein Mann von Initiative und überragender Bedeutung, dem es gelang, den durch seinen Eifer für das Judentum, den Adel der Gesinnung und weitgehende Munifizenz ausgezeichneten Herrn Moritz Freiherr von Königs.- warter, Mitglied des damaligen österreichischen Herrenhauses, zur Uebe mahnte des Protektorates über den Josefstädter Tempeibauverein zu veranlassen und hat dieser bis zm fernem im Jahre 1893 erfolgten Tode für die Förderung des Vereinszweckes unentwegte Teilnahme bekundet. Am 16. Dezember 1895 wurde, nachdem die Mittel des Vereines hinreichend gekräftigt waren, das Haus Neudeggergasse 12 zu dem Zwecke angekauft, um an seiner Stelle das langersehnte Gotteshaus zu erbauen. Mit der Durchführung des Baues wurde der Meister der Baukunst Architekt Max Fleischer betraut, dem unser bewährtes Vorstandsmitglied Architekt Jakob Modern treu zur Seite stand. Die BaumeSsterarbeiten wurden Herrn Karl Mayer übertragen und im Frühjahr 1903 mit dem Aufbau des neuen Gotteshauses begonnen. Bei dietr Grundsteinlegung waren fast alle verdienstvollen Vorsteher und Mitglieder