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Die Wahrheit · 1928-10-19 · Heft 42 (19.10.1928) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 42 (19.10.1928)
Date
1928-10-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT ii::i!ii!i:i!!Mlinii;!i;iiiiWi;>n! Saite 5 taucht in allen Variationen auf und vergiftet die geistige Atmosphäre. Diese Unterstellung ist besonders gefährlich, weil sie mit verschwommenen Schlagworten gestützt wird und daher nur schweiausgerottet werden kann. Denn was nützen alle Beweise und alle Hinweise auf die Tatsachen, wenn der Oegner sich hinter seine Schlagworte zurückzieht? Wenn auch der Vorwurf der „jüdischen Zersetzungsarbeit an der Sittlichkeit des deutschen Volkes" aus den antisemitischen Hetzblättern so bald nicht verschwinden wird, so ist es doch notwendig, diesem Lügengewebe entgegenzutreten — besonders wenn daraus ein ganzes System gemacht wird, wenn behauptet wird, die Beseitigung der Juden sei das Allheilmittel für alle Schäden der Zeit. Die neueste Formulierung findet diese demagogische Theorie in dem Buche „Weibeslehre" von Maria G r o e n e r (Verlag Psychokratie, Hattenheim). — Die Juden sind für die Verfasserin die „Minderrassigen, die die geistige Welt mit einem hohlen, gleißenden Intellektualismus überwuchern." „Die Durchsickerung unserer Rasse mit dem Blute und Geiste der Juden schenkte uns die geschlechtlichen Neutra, die Menschen, die nicht Mann noch Weib sind und auch nicht beides in einem." (Seite 83.) Was sollen diese Unterstellungen? Lassen sie sich begründen? Darüber hat sich Frau Groener offenbar keine Sorgen gemacht. Das Arbeiten mit solchen Phrasen ist ja so leicht — warum soll man sich da noch um die Tatsachen kümmern? „Was ist der Jude? das Judentum?" fragt sie auf Seite 84 und antwortet „niemand weiß es heute". Also wiederum die beliebte Methode, das Judentum als eine geheime und mystisch-verbundene Macht hinzustellen. Einige Seiten weiter hat sie aber dann doch eine Antwort zur Hand. Klipp und klar heißt es da (Seite 86): „jüdisch" sein heißt „tot" sein." „Der hohe reine Arier nur besitzt das im Sonnengeflecht seine Weilen schlagende reine Urgefühl noch ungetrübt, er nur kennt den Juden und die Verjudeten." Der Jude sei instinktlos, kühl berechnend, er kenne keine Erotik, nur Sexualität. Alles ihr schlecht Erscheinende nennt sie „jüdisch", — dann ist es natürlich nachher nicht schwer zu beweisen, daß alles „Jüdische" „schlecht" sei! Deshalb empfiehlt Frau Groener als einzige Rettung: „Alles Artfremde, das sich bei uns eingedrängt hat, muß von uns verknechtet werden" (Seite 190). Wahrlich ein bequemes und wohifeiles Rezept! Was aber bliebe von der deutschen Kultur übrig, wenn man nach diesem Vorschlag verfahren würde? Wenn man alles von „Artfremden" Beeinflußte streichen wollte, dann müßte man z. B. das ganze Werk Goethes „ausmerzen", denn Goethe ist in stärkstem Maße von dem Juden Spinoza beeinflußt. „Wir können gar nicht ermessen, einen wie starken Anteil der große jüdische Philosoph an der geistigen Persönlichkeit unseres größten Dichters und an seinem künstlerischen Schaffen beanspruchen darf!" (Freda Marie Gräfin zu Dohna in der „C. V.¬ Zeitung" vom 7. Mai 1926). Also, Goethe, den Maria Groener als Idealfigur der aufbauenden arischen Geisteshaltung aufstellt, ist von den „moralisch-toten" und „geistig-toten" Juden Spinoza wesentlich abhängig! Dabei ist, nach der Darstellung der Frau Groener, gerade Spinoza ein typisches Beispiel für die zersetzende, unsittliche jüdische Art. Bekanntlich zeigt Goethes „Wilhelm Meister" die deutlichsten Spuren spinozistischen Geistes. Was aber sagt Frau Groener über dieses Werk? „Wilhelm Meister ist der germanischeste Führerroman der Aufzucht unserer Rasse." Ein Kunstwerk, das mit dem Superlativ „germanischest" geschmückt wird, ist also von einem „Artfremden" „beeinflußt". Nichts kann deutlicher zeigen, wohin diese Rezepte führen müßten. Die Gräfin zu Dohna hat also völlig Recht, wenn sie in dem oben erwähnten Aufsatz ausführt: „Der Vorschlag, alles abzustoßen, was aus nicht-arischen Quellen in unseren Kulturbesitz eingeströmt ist, kann nur mehr als borniert bezeichnet werden." Interessant ist es, daß hier „Wilhelm Meister" zum „germanischesten Führerroman" erklärt wird, während sonst gerade dieses Werk als eine Ausgeburt freimaurisch-jüdischer Zersetzungsarbeit verdammt zu werden pflegt. Man scheint also auch in rein arischen Kreisen nicht recht zu wissen, was „arisch" und was „freimaurerisch-jüdisch" ist. Wie könnte man sonst solche diametral entgegengesetzten Bewertungen verstehen? Man verfährt eben nach der Methode, immer das, was einem gerade nicht in den Kram paßt, als „jüdisch" abzutun. So spricht Mathilde Ludendorff von dem jüdisch-verseuchten, freimaurerischen „Logenbruder Goethe", während Maria Groener in ihm den arischsten Führer sieht. W.W.W .\/ A/./\/:^/A/;^/aV^\/A/.V.;\/^/;\/A/A/.;Vk/t'W! W W W W W W W W V.V:\M/.lWV.VV W W W .A! rv"./vs\ ss rv>rv:-}\?}\:^viXo/\^\-^vvvvv'X-^v>r\^\FV-'WN s\ s\ s\ s\ s\s\ s\ s\ /v >»\ ✓vw /w\ y\./v yv y\ Kultus Wähler! Sichert Euch Euer Wahlrecht! Die Reklamationsfrist endet am 22. OhtoDer. Die Wählerlisten liegen zur Einsichtnahme an folgenden Stellen auf: Für die Wahlberechtigten des I. Bezirkes: I.. Seitenstettengasse 4; II. Bezirkes: II., Tempefgasse 3; III. und XI. Bezirkes: HU Untere Viaduktgasse 13; IV„ V. und X. Bezirkes: V., Siebenbrunnengasse 1; VI. und VII. Bezirkes: VI., Schmalzhofgasse 3; VIII. und IX. Bezirkes: IX., Müllnergasse 21; XII. bis XV. Bezirkes: XV„ Turnergasse Nr. 22; XVI. und XVII. Bezirkes: XVII„ Hubergasse 8; XVIII. und XIX. Bezirkes: XVIII., Schopenhauerstraße 39; XX. Bezirkes: XX., Kluckygasse 11; XXI. Bezirkes: XXL, Holzmeistergasse 12. Reklamationen besorgt auf Wunsch das Sekre tariat der „Union" (IX. Berggasse 4, Tel. A 19-2-77) gegen Beibringung der erforderlichen Dokumente. vc)v )v .)v )( )C )( )v ^( )C )t >^ w^w^y<>w*>ky^^^ v<T/->./■ yy y '\ S\ /V>/\ /V;\-/V"/VV>VV7Vy\;7\/\-/\:»/\^ ,\ ✓>iV\<^Vv'V!*\1.ly^^

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