Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1928-10-12 · Heft 41 (12.10.1928) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 41 (12.10.1928)
Date
1928-10-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3064248-3064287--16637-3089398
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

fytc 12 ffioMi^^ D1E WAHRHEIT S. Grüners Restaurant II., Zirkusgasse 30 Telephon R 43-1-60 VorzOgl. Wiener, ungarische und orientalische (rumänische) Küche. Mittag und Abend Menü nach Wahl. Erstklassige Getränke. Steelerstraße in Essen zur Synagoge, wo skandaliert wurde. Hierbei wurden wiederum Fenster mit wertvollen Glasmalereien im Parterre der Essener Synagoge zerschlagen. Einzelne Fenster wurden eingetreten, die starke Bleiverglasung wurde zerbogen. Auch diesmal gelang es der Polizei, die diese Truppe im Kraftwagen verfolgte, nicht, die Täter zu fassen. Der jüdischen Bürgerschaft in Essen hat sich eine lebhafte Beunruhigung bemächtigt, da man neue Ruhestörungen befürchtet, falls die Polizeiinstanzen nicht durchgreifen. Lemberger Kommunisten gegen den Jörn Kippur. Am Vorabend des Jom Kippur verteilten jüdische Kommunisten in den jüdischen Vierteln Lembergs Aufrufe gegen die Religion und kündigten für den Kol-Nidre-Abend eine Massenversammlung unter dem Motto „Religion ist Opium für das Volk" an. In Verbindung mit dieser Kundgebung kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen orthodoxen Juden und Kommunisten. Polizei erschien, verhaftete einige Kommunisten und löste die Versammlung auf. Am Jom Kippur hielten dann die Kommunisten eine geschlossene Versammlung ab und zogen in Trupps in die Synagogen, wo sie die Andacht zu stören versuchten. Wieder kam es zu Zusammenstößen. Die Polizei drängte die Kommunistentrupps zurück und nahm einige Verhaftungen vor. Den ganzen Tag über patroullierte Polizei vor den Synagogen, um Störungen seitens der Kommunisten hintanzuhalten. Wenn man wie ein Jude aussieht. Die Bremer Polizei hat die Angehörigen einer völkischen Verein ig ung verhaftet, die ihren „deutschen Heldenmut" dadurch bewiesen, daß sie in den Abendstunden mehrere „jüdisch aussehende" Passanten belästigten und verprügelten. Bei diesem nationalen Sport passierte es ihnen, daß sie den brasilianischen Konsul als Opfer ausersahen und zu Boden schlugen. Zwei der Bursehen sind verhaftet, und der Bremer Senat hat sich beim brasilianischen Konsul in aller Form entschuldigen müssen. Was aber tut die „vornehme" Kreuzzeitung? Sie bringt die Nachricht aus Bremen mit der Ueberschrift: „Ein bedauerlicher Mißgriff". Nicht die deutsche Kulturschande bedauert also das Blatt, sondern nur, daß „aus Versehen" ein Ausländer Opfer völkisch-nationaler Rohlinge geworden ist. Ein deutsch-jüdischer Mittelpunkt in New York. Wir entnehmen einem Bericht aus New York das Folgende: Im sozialen, religiösen und geistigen Leben New Yorks war es für den deutschjüdischen Einwanderer schwer, seinen Interessen, die im deutschen Kulturleben wurzelten, nach- WIEN l.v SeKenslellengasse 2 Tel. U S8-1-28 XI., Zentralfriedhof, neben dem 1. Tor, Tel. U18-0-85 zugehen. Die wenigen deutschjüdischen Vereinigungen beschränkten sich in der Hauptsache auf Geselligkeit. Deshalb hat Rabbi M a 1 i n a in New York im Verein mit erprobten Vorkämpfern des Deutschtums in Amerika, wie den Herren Georg Hannes, Bernhard Heinemann u. a„ ein German Jewish Center geschaffen, das gegen diese Mängel Abhilfe schaffen soll. Das German Jewish Center besitzt eine Synagoge mit deutschsprachigem Gottesdienst, eine Stellenvermittlung, :.eineri Lesesaal, eine Krankenfürsorgestelle und eine' Beratungsstelle. Die Erfahrungen in dieser kurzen Zeit haben die Existenzberechtigung des Center erwiesen. Die Zahl der Enttäuschten ist gerade unter den deutsch jüdischen Einwanderern ganz außerordentlich ,groß. Das German Jewish Center will in dauerndem Gedankenaustausch mit den einschlägigen deutschjüdischen Organisationen die Interessen der deutschjüdischen Einwanderer nach jeder Richtung hin vertreten. Die tschechoslowakischen Rabbiner und die Kongrua. Der Referent des Kultusministeriums in Bratislava erhielt vor einigen Tagen, die Verständigung aus Prag, daß bei der Durchführung des Kongruagesetzes nur solche Geistliche in Betracht gezogen werden, die ein Maturazeugnis besitzen. Diese Maßnahme bezieht sich auch auf die Rabbiner der Slowakei und Karpathorußlands, die aber in den seltensten Fällen eine Mittelschule absolviert haben und deshalb der biaLitnohun Unterstützung verlustig geilen, dann an solche Rabbiner die Zahlung der Kongrua bereits eingestellt wurde. Die jüdischen Kultusgemeinden in der Slowakei, die ihre Rabbiner aus eigenen Mitteln nicht erhalten können, haben die Delegierung einer Deputation zum Unterrichtsminister Doktor Hodza beschlossen, die einen Vorschlag unterbreiten soll, wonach jene Rabbiner, die bis 1. September 1928 bereits im Dienste einer Kultusgemeinde standen, von der Pflicht der Vorlage eines Maturitätszeugnisses befreit werden sollen. Neue Rabbinatskandidaten sollen Mittelschulbildung erhalten. Oer Vorschlag der Kultusgvnitüaden stößt aber in orthodoxen Kreisen auf Schwierigkeiten, da orthodoxe Rabbiner keine weltliche Schulen besuchen dürfen. Um die Kongrua aber doch zu retten, wird nunmehr an der alten Preßburger Rabbinatsschule auch ein weltlicher Lehrplan eingeführt werden. 10 bis 12 Talmudschüler erhalten Mittelschulbildung im Rahmen des uralten Institutes und müssen sich dann einer öffentlichen Prüfung unterziehen. Zum ersten Male in der Geschichte des Jeschiwa von Bratislava, die Weltruf hat, werden weltliche Lehrer dortselbst unterrichten. Mit dieser Einrichtung wurde für. die Tschechoslowakei ein jüdisches Lehrerseminar geschaffen. Im Staatsvoranschlag für 1929 ist die „neue" Rabbinerschule bereits mit 20.000 Kc dotiert. Kultuswähler! Sichert Euch Euer Wahlrecht! Die Reklamationsfrist endet am 22. CMober. Die Wählerlisten liegen zur Einsichtnahme an folgenden Stellen auf: Für die Wahlberechtigten des I. Bezirkes: I., Seitenstettengasse 4; IL Bezirkes: IL, Tempelgasse 3; III. und XL Bezirkes: HL, Untere Viaduktgasse 13; IV., V. und X. Bezirkes: V., Siebenbrunnengasse 1; VI. und VII. Bezirkes: VI., Schmalzhofgasse 3; VIII. und IX. Bezirkes: IX., Müllnergasse 21; XII. bis XV. Bezirkes: XV., Turnergasse Nr. 22; XVI. und XVII. Bezirkes: XVIL, Hubergasse 8; XVIII. und XIX. Bezirkes: XVIIL, Schopenhauerstraße 29; XX. Bezirkes: XX., Kluckygasse 11; XXI. Bezirkes: XXL, Holzmeistergasse 12. Reklamationen besorgt auf Wunsch das Sekretariat der „Union" (IX. Berggasse 4, Tel. A 19-2-77) gegen Beibringung der erforderlichen Dokumente.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.