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Die Wahrheit · 1928-10-12 · Heft 41 (12.10.1928) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 41 (12.10.1928)
Date
1928-10-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 flinfflOQHMHHBM DIE WAHRHEIl IB iü" 1 H m r, h\ »4M I (v.i x f» *»l?t HA» }( iwl i*<L Ii! I |!ft? *f ü?l »>r!i K$: Ct;r i! i fi - n i' iü heit des über ihn verhängten Todesurteils nicht bezweifelt. Ein Moment nüchterner Erwägung hätte für jedermann genügt, um zu erkennen, daß sich ein Spaßvogel den wenig geschmackvollen Scherz gemacht hatte, ein Schriftstück zu produzieren, das die satirische Illustration zu den Enthüllungen Ludendorffs über das Wesen und Wirken der mörderischen Freimaurer bilden sollte. Ludendorff, der seine Enthüllungen über die Freimaurer bitter ernst nimmt und das Hohngelächter, das sie erweckten, mißdeutete, war der richtige Mann, auch das Todesurteil ernst zu nehmen. Es ist anzunehmen, daß Hindenburg das volle Verständnis für den Hilferuf Ludendorffs hatte und unverzüglich ihm einen — Psychiater empfahl. General Ludendorff mag beruhigt sein. Er war während des ganzen Krieges vor der Kugel aus Feindeslager sicher; er ist es jetzt, was sämtliche Freimaurerlogen der Welt betrifft, nicht minder. Franz Molnar, der in immer steigendem Maße für seinen eigenen und den Ruhm seines Vaterlandes arbeitete, hat kürzlich sein 25jähriges Schriftstellerjubiläum gefeiert. Man kann nicht sagen, daß Molnar sich einen europäischen Namen gemacht, denn seine Bühnenwerke erringen auf den ersten amerikanischen Bühnen keinen geringeren Erfolg als in Wien, Paris, Rom und in anderen Städten, die aufzuzählen der Raummangel verbietet. Molnar hat anläßlioh seines Jubiläums in den vornehmsten literarischen Zeitschriften eine Würdigung gefunden, die vielleicht noch die Höhe seiner Tantiemen übersteigt, und er hat auch eine große staatliche Auszeichnung von der französischen Regierung erhalten. Die ungarische Regierung und die irgendwie mit den offiziellen Stellen in Berührung stehenden literarischen Körperschaften Ungarns haben das Jubiläum des hervorragendsten ungarischen Dramatikers ignoriert. Es liegt keine Aeußerung vor, die dafür spräche, daß man an diesen Stellen etwas von Molnar wüßte. Franz Molnar ist eben Jude, das ginge noch an, wenn er mit bescheidenen Leistungen aufgetreten wäre oder es wenigstens unterließe, sich stolz als Juden zu bekennen. Aber als Jude sich unbescheiden an die erste Stelle zu drängen! Das ist zu arg. Das geht im Lande des Numerus clausus nicht. * * * Franz Molnar hat gelegentlich seines Jubiläums ein Schreiben an das Hilfskomitee gerichtei, das bestrebt ist, die durch den Numerus clausus in das Ausland getriebenen jüdischen Studenten wenigstens vor dem Hungertode zu schützen. Man findet in dem Schreiben Molnars diese zwei soviel Schmerz und Leid bergenden Worte auch nicht ein einzigesmal direkt ausgesprochen, aber nur ein Dichter konnte diese flammende, von leidenschaftlicher Empörung und tiefinnerstem Mitleid erfüllten Zeilen schreiben, die ein unauslöschliches Brandmal jenen aufdrücken, die wissensdurstige Jünglinge durch die Schaffung des Numerus clausus zum Verzicht auf das Studium oder auf das tägliche Brot zwingen wollen. sj: * # Der Dichter meint in seinem Schreiben, symbolisch ausgedrückt, braucht der Student nur zwei Dinge: eine Kerze und ein Stück Brot. Die Kerze, um bei ihrem matten Scheine zu studieren, ein Stück Brot um zu leben. Aber nur in der Märchenwelt braucht der Student keine Kleider, keine Wohnung, keine Bücher, keine Fahrkarte. Heute ist die Wissenschaft nicht umsonst zu haben, denn die Universitäten verlangen Qeld, und das Buch ist ein teuerer Luxus geworden. Heute braucht der Student Geld, um Student zu sein. Mit hinreißender dichterischer Gewalt führt Molnar aus, was der symbolischen Kerze zu danken ist, bei deren Schein der Student das Wissen gewinnt, das alles Heil der Menschheit bringt: Wahrheiten, Weisheiten, ärztliche Hilfsmittel, Erfindungen, Verschönerung des Lebens usw. Und das symbolische Brot, das ist dasjenige^ womit der Student seine physische Kraft erhält. Molnars Schreiben schließt mit dem herzergeifendem Aufschrei: Gebet die Kerze und das Brot dem Studenten! Aber zwischen den Zeilen des Dichterbriefes lesen wir die realistischere Forderung: Hinweg mit dem Numerus clausus, der tausende von Jünglingen in die Fremde, in Not und Elend stürzt, denen in diesen harten Zeiten kaum notdürftig gesteuert werden kann. Ego. FRÄULEIN zu 2 Kindern, 7- und lOjährig, mit Hebrftisch, Französisch und Klavier, für Nachmittage gesucht Angebote unter: „Nur gute Jüdin" an die Adm. d. Bl. c; 4, / ß ü Kultuswähler! Sichert Euch Euer Wahlrecht! Die Reklamationsfrist endet am 22. Oktober. Die Wählerlisten liegen zur Einsichtnahme an folgenden Stellen auf: Für die Wahlberechtigten des I. Bezirkes: I., Seitenstettengasse 4; II. Bezirkes: II., Tempelgasse 3; III. und XI. Bezirkes: HL, Untere Viaduktgasse 13; IV., V. und X. Bezirkes: V., Siebenbrunnengasse 1; VI. und VII. Bezirkes: VI., Schmalzhofgasse 3; VIII. und IX. Bezirkes: IX., Müllnergasse 21; XII. bis XV. Bezirkes: XV., Turnergasse Nr. 22; XVI. und XVII. Bezirkes: XVIL, Hubergasse 8; XVIII. und XIX. Bezirkes: XVIII., Schopenhauerstraße 29; XX. Bezirkes: XX., Khickygasse 11; XXI. Bezirkes: XXI., Holzmeistergasse 12. Reklamationen besorgt auf Wunsch das Sekretariat der „Union" (IX. Berggasse 4, Tel. A 19-2-77) gegen Beibringung der erforderlichen Dokumente.

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