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Die Wahrheit · 1928-10-12 · Heft 41 (12.10.1928) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 41 (12.10.1928)
Date
1928-10-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite § Wollen Sl<fe gelar f&MMt Speisen 3 *P Versuchen Sie die seit CO Jahren bestehende Telephon R 42-3-10 und bestrenommlerte tto Knete im Telephon tt 42-3-TO HOTEL-RESTAURANT „GUTH" »•■ ^"""^ " Arrangiert jedes festliche Ereignis, in jeder Preislage in und außer Hause unter Beistellung von geschultem Personale und vollständigem Service Prachtvolle geräumige Säle ihr Hochzeiten, Terelne and Gesellschaften Verwendung von nur Prima Gansfette — Mittags- und Abendmenfi zu S 2*20 und S 3*20 Palästinaweine vom Faß Zum Besuche ladet höflich ein Schwechater Bier_Josel Gath, Hotelier nnd ttestouratear höre sehr viel von jüdischem Wucher, fuhr ich fort, aber selten vom agrarischen Wucher, von dem der ungarischen Großgrundbesitzer etwa, der eine der Ursachen des Krieges war; wer, wie ich, seit Jahren unter Bauern lebt, der weiß, was Wucher im kleinen ist, Wucher mit Brot und Koni und Vieh und Schmalz und Haus und Hof. Er sagte: Die persönlichen Erfahrungen, die ich mit Juden machte, waren stets solche der Zuneigung und des tiefsten Verständnisses. Natürlich, mußte ich ihm antworten, das kann man fast von allen Dichtern, Künstlern und Philosophen hören. In früheren Jahren, als ich das Visier noch nicht so entscheidend gelüftet hatte, ist es mir häufig passiert, daß ein Tischnachbar im Gespräch mich erstaunt anschaute und ausrief: Was? Sie sind Jude? Unmöglich! Gott weiß, wie er sich einen Juden vorgestellt hatte. Oder einer sagte: Ja, wenn alle Juden so wären wie Sie; worauf ich nur zu entgegnen hatte: Ja, wenn alle Christensowärenwieich; wozu ich innerlich, wie jedesmal, die Gegensatzstellung Jude — Christ wie etwas Unwahres empfand, oder doch ein nicht mehr Wahres.. Aber, um auf meinen Mann zurückzukommen, so machte ich ihm bemerklich: Trotzdem Ihre persönlichen Erfahrungen also die erfreulichsten sind, verlangen Sie, üaß die Juden verschwinden sollen, womöglich vom Erdboden, denn was sollen sie allesamt in dem kleinenPalästina? Einenneuen Nationalstaat aufrichten zu den anderen künstlichen? Sich von Türken, Arabern, Griechen, Persern langsam massakrieren zu lassen? Da Sie mich forthaben wollen, was bedeutet es, daß Sie sich mit mir verbünden wollen? Daß Sie eine Gemeinschaft statuieren wollen, der die erste Bedingung aller wanrnaften Gemeinschatt fehlt, nämlich Humanität? Sie wünschen offenbar, daß ich Ihnen zur Beschaffung der Mittel behilflich bin, das einzige, wozu man die Juden seit jeher brauchen kann, daß ich den Fahnenträger abgebe für Ihr pangermanisch-politisches Projekt, damit Sie mir dann, in der Idee freilich nur, den üblichen Fußtritt versetzen können, den Sie mir anständigerweise vorausgesagt haben. Ich bitte, sich deutlich zu erklären. Denn ich lasse mich nicht als Ausnahme behandeln, solange man mich mit Ideologenhochmut traktiert. (Schluß folgt.) WeihdMcnnmtenfiitTk WaJukcit! QlCTTen*. Die Sorge um den 7. Oktober hatte den Vorstand der jüdischen Gemeinde in Wiener-Neustadt veranlaßt, die Synagoge am Simchath-Thora (dem feste der Uesetzesfreude) geschlossen zu halten. Der Tag ist glücklich vorübergegangen, aber er ließ den grauenhaften Gedanken zurück, daß er leicht furchtbar hätte enden können. Möge dieser Gedanke alle treuen Oesterreicher, die Gesetzesfreude mit Liebe zur Ordnung und Ruhe und grenzenloser Scheu vor Blutvergießung vereinen, für immer vor der Wiederholung eines so gefahrdrohenden Experimentes schützen. * 4 •Jfi Der Gemeindevertreter Rüscher hat bei der Gemeindevertretung Bregenz den Antrag gestellt, daß das Schächten als dem sittlichen Empfinden der übergroßen Mehrheit der Bevölkerung widersprechend verboten werden soll. Die Begründung kann keinen Augenblick darüber täuschen, daß hinter dem angeblichen Wunsche, die Tierquälerei zu hindern, der aufrichtige Gedanke verborgen ist, die Juden ein wenig zu quälen. Man wird in der langatmigen Begründung alles finden, nur nicht den Hinweis darauf, daß die hervorragendsten Fachmänner in ihren wissenschaftlichen Gutachten einmütig konstatieren, daß gerade die Schächtmethoden den humansten Anforderungen entsprechen. Neu in dieser Begründung ist nur die Behauptung, daß, im Falle der religiöse Standpunkt ins Treffen geführt wird, „dies mit einem Urteil des Obersten Gerichtshofes zu beantworten wäre, in dem erklärt wird: „Mögen die Israeliten eine Aeußerliclikeit aufgeben, in der niemals das Wesen der Religion liegen kann." Herr Rüscher hat da ein Urteil des Obersten Gerichtshofes entdeckt, von dem in Oesterreich sonst kein Mensch etwas erfahren hat. Wann hat der Oberste Gerichtshof sich als die oberste Instanz über das erklärt, worin „das Wesen der Religion", sei es welche immer, liegt? Herr Rüscher wird sich vergebens abquälen, die Existenz dieses Urteils nachzuweisen. * * * General Ludendorff hat ein flehentliches Telegramm an Hindenburg gerichtet, in welchem er um Hilfe gegen eine Freimaurerloge bittet, die ihm ein Todesurteil in das Haus gesendet hat. General Ludendorff, der an die Echtheit der „Protokolle der Weisen von Zion" glaubt, die von allen Urteilsfähigen als das ebenso freche, wie blödsinnige Machwerk eines Fälschers entlarvt wurden, hat auch die Echt-

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