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Die Wahrheit · 1928-10-12 · Heft 41 (12.10.1928) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 41 (12.10.1928)
Date
1928-10-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Stite 2 «asi«!!» DIE WAHRHEIT angegriffenen Rede so wie immer und immer, wenn ich öffentlich vor Juden spreche, den Kern unserer Religion „in der unerreicht hohen Ethik, die uns die Bibel gibt und die uns befähigt hat, die Menschheit um ein gutes Stück sittlich vorwärts zu bringen", erblickt. Das ist auch eine Religion, und zwar die jüdische Religion. Diese Religion habe ich als das unerschütterliche Fundament unserer Gemeinde bezeichnet; mit dieser Bezeichnung habe ich mich in sehr guter Gesellschaft befunden. Kein Geringerer als der von Ihrer Partei auch wegen seiner zionistischen Betätigung so hoch gepriesene Albert Einstein sagt in seinem Brief an den jüdischen Studentenkongreß in Paris, daß die Glaubensgemeinschaft, die alle Teile der jüdischen Nation vereinigt und die die Gegenwart mit der Vergangenheit verbindet, die Quelle unseres Widerstandes bildet und uns Mut für die Zukunft verleihen wird. („Die Stimme", Nr. 26.) Wir teilen diese Auffassung Einsteins von der Macht der Glaubensgemeinschaft, aus welcher er wohl keinen Juden, möge er die Ritualgebote in höherem oder in geringerem Maße befolgen, ausgeschlossen sehen will. Auch wir erblicken in der Religion das einigende Band, deshalb wollen wir unsere Kultusgemeinde als Religionsgemeinde erhalten. Und diese Religion in diesem weiteren Sinne darf, wenn sie ihrer welthistorischen Mission gerecht werden will, sich nicht auf die Befolgung der gewiß einen hochwichtigen Teil unserer Lehre bildenden Zeremonialgesetze beschränken. Ein Gastprediger hat am Schemini Azereth in seiner Predigt Worte gebraucht, die ich Seuilleten. Thorarollen und Pergamente. Splitter aus der Geschichte der Religion. Altes Testament, Thora. Von Moses I. Duff, Jassy. Deutsch von Siegfried Hessing. In letzter Zeit sprach man viel und beharrlich über heilige Thorarollen und Pergamente. Nicht alle haben einen klaren Begriff, wovon die Rede ist. Es gehört sich daher, in möglichst eindeutiger Art die Bedeutung, den Charakter und den Sinn dieser heiligen Handschrift zu schildern. „Thora" ist die hebräische Bezeichnung für dsn Pentateuch, der fünf Bücher Moses; Genesis. Exodus, Liviticus, Numeri und Deuternomion, mit welchen die heilige Schrift beginnt. Alles, das aus dem alten und neuen Testament folgt und den biblischen Kanon bildet, bezieht sich auf die Thora und ich anerkenne ihre Autorität als göttliches Gesetz, welches durch die sinaitische Offenbarung vom Himmel herabkam für die Würdigung der Menschen. Das alte Testament schließt mit der feierlichen Verkündigung, welche von Gott durch den Mund des Propheten Maleachi verheißen wurds: „Seid eingedenk des Gesetzes Moses', meines Dieners, das ich ihm am Horeb anbefohlen." Bei den Synoptikern finden wir die Frage, die der Schriftgelehrte an Jesus richtet. „Welches ist das vornehmste Gebot im Gesetze?" und Jesus sprach zu ihm: „Du sollst lieben Gott, Deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte." (Zitiert aus Deuteronomion 6,5.) Dies ist das vornehmste und größte Gebot. Und das andere mir tief eingeprägt habe: „Die Religion muß sich bewähren im Gewühl der Straße, am Marktplatze des Lebens, wo die Kräfte aneinander stoßen." Nicht allein im Hause, in welchem der fromme Jude seine Gebete verrichtet, den Sabbat hält usw., sondern auch im Leben muß der Jude die Religion in sich tragen und bewähren, im Kampfe des Lebens muß er sich von der Ethik tragen lassen, die das Judentum durch die Jahrtausende der Martern und Verfolgungen aufrecht gehalten hat. Und das wird er tun können, wenn er, wie derselbe Prediger sagte, Gott im Herzen trägt; und ich scheue mich fast es zu sagen, denn es ist schwer, in der Oeffentlichkeit ein solches innerliches Bekenntnis abzulegen, ich glaube, daß ich der Forderung, dieses Predigers in meinem Leben bisher immer gerecht wurde. Und diese Religion soll auch der Leitstern unserer Zukunft sein, darum sagt unser Programm auch: „Wir wollen unser Hauptaugenmerk dem Kultus und der sittlich - religiösen Erziehung unserer Jugend widmen ... Der Religionsunterricht muß die Kenntnis der hohen ethischen Grundsätze des Judentums, der jüdischen Geschichte und Literatur der Jugend vermitteln und sie insbesondere zur Teilnahme am Gottesdienste, zum Verständnisse der Heiligen Schrift und der Gebote befähigen." Diesen so bedeutsamen Teil unseres Programmes haben Sie verschwiegen, wohlweislich: Ihr offener Brief hätte doch sonst den allergrößten Teil seines lehrhaften Inhaltes eingebüßt. aber ist ihm gleich: „Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst. (Zitiert aus Leviticus 19,18.) In diesen zwei Gebeten hanget das ganze Gesetz und die Propheten." (Matth. 22,36—Marc. 12,28 und Luc. 10,25). Von den klassischen Uebersetzungen der Thora, Septuaginta genannt (griechisch), Vulgata (lateinisch) und Peschita (assirn'sch) ist die Auffassungsweise der Septuaginta die heilige. Den Grund gibt uns der heilige Augustinus an. Ich zitiere aus seinem: La Cite de Dieu: „Der Aegypterkönig Ptolomäus Philadelphus (285—247 v. Chr. Geb.) wünschte die heiligen Schriften kennen zu lernen und zu behalten und sandte dem Tempel Gottes königliche Geschenke mit der Bitte an den damaligen Hohepriester Eliezer, er möge ihm die Schriften schenken, die der Ruf als zweifellos heilig bezeichnet und die er seiner berühmten Bibliothek einzuverleiben wünscht, welche er aus eigenem Streben zusammengestellt. Der Hohepriester gab sie ihm in Hebräisch. Ptolomäus verlangte Ausleger und 72 Männer — sechs aus jedem der 12 Stämme — bewandert in der einen und anderen Sprache, hebräisch und griechisch, wurden zu ihm geschickt. Man berichtet, daß in der Auswahl der Ausdrücke eine solch' wundersame Uebereinstimmung herrschte, so erstaunlich und wahrhaft heilig, daß jeder von ihnen, der seine Arbeit völlig abgesondert verrichtete (es gefiel Ptolomäus, solcherart ihre Treue zu erproben) keinen einzigen Unterschied in Sinn, Wort, ja sogar in der1 Aneinanderreihung der Worte darbot, als ob nur ein einziger Uebersetzer bestanden wäre. Die Auslegung aller war eine und dieselbe, weil auch tatsächlich derselbe Geist allen innewohnte. Sie erlangten von Gott jene wunderbare Gabe, damit durch sie die Autorität der heiligen Schrift nicht als Menschenwerk, sondern als heiliges Werk die Verehrung der Heiden erhalte, welche einmal werden glauben müssen, — und diesen Augenblick sehen wir herannahen. Sowohl in der griechischen als auch in der lateinischen Uebertragung — welche na9h den ersten übersetzt ist - -

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