Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 40 (5.10.1928)
- Date
- 1928-10-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT ilHIW^ Seite 13 Blut beim Tempelbau verwendet worden. Es ist kennzeichnend für die Kulturstufe der ländlichen Banatbevölkerung, daß dieses alberne Märchen auch sofort geglaubt wurde... Eine große Menschenmenge zog vor das Haus Pollaks in der Absicht, alle Bewohner demselben auszuhungern. Die Menge bewarf das Haus mit Steinen und, da die Gefahr bestand, daß das Haus demoliert werden könnte, mußten Polizei und Gendarmerie aufgeboten werden, der es erst nach Abgabe von einigen Schreckschüssen gelang, die Menge zu zerstreuen. Am folgenden Abend wurde nun in einem Dorfe in der Nähe von Petrovoselo das angeblich getöte Mädchen wieder aufgefunden. Sie befand sich in einem vollständig erschöpften Zustande. Die Bevölkerung meint nun. das Mädchen sei geschwächt, „weil ihm die Juden das Blut durch die Nase abgezapft hätten". Gerichtsärzte stellten fest, daß das Mädchen nur aus dem Grunde erschöpft war. weil es tagelang in der Umgebung herumgeirrt war, um eine neue Stelle zu finden. Das Mädchen trug bei der Anhaltimg Märinerkleidung, tun leichter einen Posten zu finden. Die Behörden haben in der ganzen Umgebung von Petrovoselo bei Trommelschlag verkünden lassen, daß alle Geschichten über Blutopfer der Juden reine Erfindungen seien, und daß jede Agitation gegen ein Glaubensbekenntnis mit schwerer Strafe belegt werden würde. Trotz alledem hat sich die Erregung in der Bevölkerung noch immer nicht gelegt und es steht sogar zu befürchten, daß es zu weiteren antisemitischen Exzessen kommen wird. Rituahnordhetze in Mittelasien. Die Moskauer Zeitung „Turkestankaja Oskra" bringt eine Depesche von ihrem Korrespondenten in Tschardschauja. daß sich dort die Legende verbreitet hat, man hätte in einer Geheimkammer des Hauses eines Juden in Buchara den Leichnam eines 14jährigen christlichen Jungen. gefunden, dessen Körper Anzeichen der Blutcntziehung aufweist. Sogar Mitglieder der kommunistischen Partei, schreibt die Zeitung, glauben und verbreiten die Legende. Als ein jüdisches Mädchen der Legende widerstritt, wurde sie von der verwilderten Masse fast gelyncht. Während die Christen glauben, der angeblich Ermordete wäre ein Christ gewesen, behaupten die Turkmenen, daß der Knabe ein Turkmene war, und daß es an ihnen sei, an den Juden Rache zu nehmen. Das Archiv der Jüdischen Duma-Deputierten entdeckt? Im Archiv der einstigen russischen Duma wurde eine Sammlung von Dokumenten betreffend die Jude n- Pogrome im zaristischen Rußland vor und während des Krieges gefunden. Es handelt sich um das Archiv des Komitees der jüdischen Duma-Deputierten, das etwa 1000 Dokumente auf insgesamt 2500 maschinengeschriebenen Seiten enthält und zu einem großen Teit die antiiüdischen Maßnahmen der zaristischen Generäle während des Krieges in Polen. Litauen, Kurland und Galizieu betrifft. In einem Dokument ist der Verlauf der Unterredung verzeichnet, die jüdische Führer, unter ihnen Isaak, Griinbaum und N. P r i 1 u t z k i. mit dem Vizegouverneur von Warschau. L u b i m o w, betreffend die Zurücknahme des 1915 erfolgten Verbotes aller jiddischen und hebräischen Zeitungen Rußlands verzeichnet. Die jüdisch-kommunistische Tageszeitung „Emeß" wird demnächst mit der Publizierung eines großen Teiles dieser Dokumente beginnen. Bollinger-Eiskasten sind seit 1870 die besten Fabrik: Wien XV., Staglgasse Nr. 10, Telephon R 30-5-38 Filiale: VII., Burggasse Nr. 17, Telephon B 32-3-80 *BBBBflBBBBflBBBHBBBBBflaflaBBBBBBBBBBBBflBS' j------.----------------..-------------.........---------------------------- 5 Herren-' und Damenkleider I : : S nach Maß sowie fertig lagernd, nur Qualitätsware, billigste Preise. Even- J S tuelle langfristige, bis zu einem Jahre währende Zahlungserleichterungen; ■ ____ a ■ Kleider-Erzeugungs-Union, Wien VI., Kaserneng. 6; ■ Telephon 2-15; L............................................._____.........„.................* 'kund und Literatur Maimonides-Institut. Dienstag, den 9. Oktober um K»7 Uhr abends, findet in den neuen, vom Institut gemieteten und für die Vorträge entsprechennd ausgestatteten Räumen, Wien, II., Darwin gasse 21, die Einweihungsfeier und zugleich die Eröffnung des Wintersemesters statt. Der Leiter, Rabbiner Dr. A. Kaminka und Herr Rabbiner M. Horowitz werden Ansprachen halten. Während des Wintersemesters werden an den Wochenabenden im Institut, Darwingasse 21, in einer noch bekannt zu gebenden Reihenfolge die Dozenten Dr. Kaminka, Dr. N. Goldsteiu und Rabbiner Horowitz Bibel, Talmud, Midrasch, More Nebuchim, Kusri, jüdische Geschichte und neuhebräische Literatur vorgetragen. Die Wiederaufnahme der U n i v e r s i t ä t s v o r I e s u n g e n, und zwar Ethik und Theologie des Talmuds, über Saadje Gaon und über die Geschichte des Karäert u in s, ist für Ende Oktober in Aussieht genommen. — Die Inskriptiousgebühr für Teilnehmer beträgt 10 Schilling für das ganze Studienjahr. Die Mischna, Text, Uebersctzung und ausführliche Erklärung, herausgegeben von Beer. Hol tz mann und S. Krau ß. Tamid (vom täglichen Gemeindcopter). Alfred T ö p e 1 m a n n. Gießen, 1928. In der Gießener Mischna-Ausgabe, die ich 1927 in einem Gesamtüberblick würdigte, ist nun ein neuer Traktat erschienen, an dem wieder ein jüdischer Fachmann, Professor S. Krauß. Wien, mitgearbeitet hat. Es ist das Bestreben der Herausgeber, sich jüdische Mitarbeiterschaft zu sichern, anzuerkennen, und es ist gewiß, daß mit Professor Krauß eine gute Wahl getroffen ist. Holtzmann. Professor in Gießen, hat 1913 den Traktat Middoth herausgegeben und war schon dadurch dazu bestimmt, auch diesen Traktat zu edieren. Die recht ausführliche Einleitung enthält u. a. eine eingehende Schilderung des täglichen Morgengottesdienstes im Jerusalemer Tempel, für die der Verfasser sämtliche zugänglichen Quellen benutzt hat. Bibel und Mischna, Philo und Josephus und auch das 50. Kapitel des Buches Sirach sind verwertet. Die Beschreibung ist gut. wenn man auch an den eigenartigen Bezeichnungen aus der vergleichenden Religionsgeschichte Anstoß nehmen muß, wer will gerade den Ausdruck ..Thronfahrt" lesen? Der historische Ueberblick ist in diesem Abschnitt ausgezeichnet, natürlich fehlt es nicht an der alten Darstellung der Gedanken über das Opfer. Der Text zeigt eine korrekte Vokalisation, sehr reichliche Erklärungen und eine gut formulierte Uebersetziuig. Für den Leuchter (Seite 49) sei auf D. Hoffmanu, Leviticus II, Seite 308, Anmerkung 2, verwiesen. Man kann auch für diese Edition sagen, daß sie mit gutem Erfolg Verwendung finden kann, aber man kann den Wunsch nicht unterdrücken, daß die oft verletzenden Acußerungcn über oder gegen die jüdische Tradition besser unterbleiben würden. Rabbiner D. A. Pos n er, Kiel. Mensa academica iudaica. Die Alensa academica iudaica, IX., Zimmermannplatz 8, wurde am Montag, den I. Oktober I. J.. wieder eröffnet. Die Ausspeisung beginnt um 12 L'hr mittags. FLEISCHH AUEREIW SIEGMUND KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WÄHRINGERSTRASSE NR. »7 Telephon Nr. A 17-3-99 and A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilung für Koscherfleisch IX., BarggassB IS und XVIII., lihrioBirotnBi B7 unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wen. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima- Qualität zu den billigsten Marktpreisen