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Die Wahrheit · 1928-10-05 · Heft 40 (5.10.1928) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 40 (5.10.1928)
Date
1928-10-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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ÖU! WAHRHEIT iäm^ Seite Ii gegenkommt und der sich freut, wenn er anderen Freude bereiten kann. Als ich vor fünf Jahren das erstemal das große Glück hatte, an semer Seite das von ihm geleitete archäologische Museum in Split und die Ausgrabungen in Salona zu bewundern, kam bald das Gespräch auf die Möglichkeit des Bestandes einer jüdischen Niederlassung in Dalmatien zur Zeit der römischen Kaiser. Der große Gelehrte wius darauf hin. daß ihn bereits vor 40 Jahren der Nestor der christlichen Archäologie, Don Johann de Rossi, darauf aufmerksam gemacht hat. und die Bezeichnung „In lege sancta christiana" auf das Vorhandensein eines jüdischen Friedhofes in Salona schließen lasse. Don Fran Bulic ermächtigte mich damals zwar nicht, diese Vermutungen zu veröffentlichen, weil er vorläufig hierfür noch keine bestimmten Beweise hätte: ich konnte aber bereits 1925 in einem, im „Jevrejski Almanach" erschienenen programmatischen Artikel über die Notwendigkeit der Erforschung der Geschichte der Juden in Jugoslawien den Besuch bei Don Fran Bulic schildern und seine Aufforderung an die jugoslawischen Juden publizieren, zu den Kosten der Ausgrabungen in Salona beizutragen, denn man werde dort viel interessantes Material über die Geschichte der Juden finden. Seither erhielt ich von ihm wiederholt Briefe, die immer mehr Licht in diese Frage brachten. Auch ich meinerseits konnte dem großen Gelehrten manche wertvolle Details und wichtige Nachweise in der jüdischen Literatur mitteilen. Die freudigste Ueberraschung aber war es für mich, als mich Don Fran Bulic heuer gelegentlich seiner Rückkehr von Rogaska Slatina in meiner Bibliothek aufsuchte und mir freudestrahlend den Bürstenabzug seines Artikels „Hebräische Denkmäler im römischen Dalmatien und der jüdische Friedhof in Salona" überreichte. Wahrlich, eine kostbare Neujahrsgabe, die hier der ehrwürdige 82jährige katholische Priester seinen jüdischen Mitbürgern darbringt!--Sein ausdrücklicher Wunsch dabei war, daß ich dieses große Resultat seiner Forschungen auch der großen jüdischen Welt mitteile. Ich bin fest überzeugt, daß die im Zagreber „2idov" mit Originalabbildungen versehenen Mitteilungen überall das größte Aufsehen erregen werden und — da es sich ja Um ein rein wissenschaftliches Thema handelt — wohl auch im Leserkreise dieser Zeitung Interesse erwecken. Flavius Theodot, der Administrator der Stadtgemeinde in Salona begräbt am 29. November 382 seinen Sohn Peregrinus im „locus sepulturae legis sanctae christianae". Dr. R. Egger schreibt in seinem 1926 erschienenen Werke „Der altchristliche Friedhof Manastirine. bearbeitet von R. Egger nach dem Materiale Bulic", daß es in Salona eine Kolonie Griechen semitischer Abstammung gegeben habe, die dem Christentume angehörten, daß aber die Bezeichnung „legis sanctae christianae" noch nicht auf das Vorhandensein eines jüdischen Friedhofes schließen lassen müsse. Don Bulic dagegen ist anderer Meinung: Er beruft sich auf den im Zagreber Museum aufbewahrten Grabstein des Juden Aurelius Dionysus aus Tiberias. der in Vratnik bei Senj, weiters auf einen Achat, der in Bosnien aufgefunden wurde, und welch letzterer in griechischer Sprache den dreifachen hebräischen Gottesnamen aufweist. (Fortsetzung folgt.) EINLADUNG ■ zu der am ■ Mittwoch, den 10. Ohtober 1928, halb 8 Uhr ■ abends, im Großen Saale des Cate „Narlahilf', ■ Vi., raarlahiuersirflaeaoa (I St.) stattfindenden 5 Kultuswohlerversammlung I der „Union" ■ Referenten: Börserat Ignaz Glück, David Mandl ■ Für das Zentralwahlkomitee der „Union": ■ ~ Der Präsident: Dr. JahOb OmSteln m. p. ■ Für das Bezirkswahlkomitee der „Union": 5 Der Obmann: Karl FrÖMldl m p. ■ ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■HMMMMl Wed%dmtmrcmlaq» Stimmungsbild aus Berlin. Im „Fackelreiter", einer ausgezeichneten Monatsschrift für Freiheit, Fortschritt, Frieden und Recht (Herausgeber: Walter Hammer, Hamburg-Bergedorf), stand im Augustheft folgendes Stimmungsbild aus Berlin zu lesen: „Anteil des Judentums am Zusammenbruch Deutschlands!" Wohl zweihundert- bis dreihundertinal in der Stunde redet derart ein guter Vierziger in der Berliner Friedrichstraße auf die Passanten ein, um ein Groschenstraktätchen der Antisemiten loszuwerden. Ein Hakenkreuz an der Joppe, unter dem Strohhut ein bärtiges Gesicht, aus dessen Mitte eine Nase rot herausleuchtet. Sein Blick stier und fanatisch, seine Sprache aufdringlich laut und schuljungennaft langsam: „Anteil des Judentums am Zusammenbruche Deutschlands!" Käufer findet das arme Männchen nicht, aber das ist den Giftmischern, die seine Auftraggeber sind, wohl auch nicht die Hauptsache. Der Verkauf ist nur Vorwand, auf die suggestive Wirkung des Hetzverses kommt es an. Aber diese fatale Nachbarschaft: „Die verrückte Nudel, urberliner Humor!" Das zieht besser! Nationalsozialistische Heiden. Am Abend des 24. September durchfuhren die Stadt Oppenheim am Rhein drei Lastautos mit etwa 300 Nationalsozialisten. Angeblich waren sie unterwegs nach Mainz. In den Straßen Oppenheims suchten sie sich Geschäfte heraus, die jüdische Firmennamen trugen, und warfen mit Steinen in die Fensterscheiben. Als sie in die Nähe der Synagoge kamen, trafen sie auf Trupps jüdischer Männer, die am Vorabend des Festtages aus der Synagoge kamen. Die in der Ueberzahl befindlichen Nationalsozialisten verließen die Lastautos und fielen über die Juden her. Dabei wurden zwei der Ueberfallenen durch Messerstiche schwer verletzt. Die Oppenheimer Polizei scheint sich bei diesem unverschämten Ueberfall sehr passiv verhalten zu haben. Es kam wenigstens, obwohl das ein Leichtes gewesen wäre, nicht zu einer Sistierung der Bande. Die Ueberfallenen konnten die Nummern der Lastwagen feststellen, so daß es bei einigem guten Willen möglich sein wird, die Namen der Rowdies in Erfahrung zu bringen. Ein englischer Rosch-Haschonoh-ArtikeL Der Londoner „D a i 1 1 y Expreß" veröffentlichte anläßlich des jüdischen Neujahrsfestes einen Leitartikel, in dem die würdige Art, in der die Juden die Feier dieses Tages wie auch des Versöhnungstages begehen, geschildert wird. 300.000 großbritannische Juden weihen, heißt es unter anderm in dem Artikel, das neue Jahr in einer Atmosphäre des Wohlwollens ein, das ihre Ahnen nicht kannten, und die heute wohl allein in Großbritannien zutage tritt. England hat nie Ursache gehabt, zu bedauern und werde es auch nie bedauern, den Juden gegenüber eine humane und gastfreundliche Haltung eingenommen zu haben». Niemand ist patriotischer und nützlicher als die Juden, deren lebender und nicht unterzukriegender Geist zu unserem und ihrem Wohle in Geschäft und Philanthropie, Politik, Kunst und Gesellschaft in Erscheinung tritt. Pogrome in Bessarabien. Nach einem Telegramm des „Neuen Wiener Abendblattes" aus Bukarest kam es im Laufe der letzten Tage in Ismail in Bessarabien zu antisemitischen Ausschreitungen. Der öffentliche Notar Solowenko hetzte die Bauern gegen die Juden auf. die er für die wirtschaftliche Krise des Landes verantwortlich machte. Die Bauern demonstrierten in der Stadt und überfielen zahlreiche Juden. Die Synagoge wurde verwüstet. Es besteht die Gefahr, daß die Bewegung sich weiter ausbreitet, da wegen der Mißernte die wirtschaftliche Lage des Landes kritisch ist. BETTFEDERN En gros SPEZIALHAUS en detail Leo Schotten, Wien XIV., BrmunMntkommmm Mr. » Tetephon R 38-3-83 — Provinzversand

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