Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 40 (5.10.1928)
- Date
- 1928-10-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT jaiH!i!i«äM Seite S W€»BBeaa S§fe SCiar t&U& SPCiSCn?? Versuchen Sie die seit 60 JalUTCB bestehende Telephon U 42-3-10 Telephon R 42-3-10 und hestrenommierte nun Küche im HOTEL-RESTAURANT „GUTH" ■»•, "q"«^ " Arrangiert jedes festliche Ereignis, in jeder Preislage in und außer Hause unter Beistellung von geschultem Personale und vollständigem Service Prachtvolle geräumige Säle ihr Hochzeiten, Vereine und Gesellschotten Verwendung von nur Prima Gansfette — Mittags» und Abendmenfi zu S 2*20 und S 3*20 Palästinaweine vom Faß Zum Besuche ladet höflich ein Schwechater Bier Josel Gulh, Hotelier und nestaurateur mit den frommen Brüdern den Sabbatgottesdienst zu verrichten. Hervorzuheben sind die täglichen Gottesdienste bei den Wunderrabbis, deren es auch in Tatzmannsdorf viele gibt. Tatsächlich kommen auch viele Chassidim nach Tatzmannsdorf, weniger der Kur halber, als hauptsächlich, um beim und mit dem Rebben beten zu können. Zu den interessantesten Erscheinungen der Juden von Tatzmannsdorf zählt unzweifelhaft der auch in Wiener jüdischen Kreisen rühmlichst bekannte Dr. Benö K o h n. Abgesehen von seiner Tüchtigkeit und Liebenswürdigkeit als Arzt, ist die strenge Frömmigkeit, die dieser junge Doktor im wahrsten Sinne des Wortes beachtet, einzig dastehend. Nie würde man diesen Doktor ohne Kopfbedeckung essen sehen und wie sollen es die anderen unterlassen, vor dem Essen sich die Hände zu waschen, wenn der Doktor selbst beim Betreten des Speisehauses zum Waschbecken schreitet, um in althergebrachter jüdischer Weise sich die Hände zum Essen waschen. Dieser gute Jude und deshalb auch gute Arzt verfehlt es auch nicht, an jedem Gottesdienste teilzunehmen, und selbst dort, wo nach traditioneller Vorschrift, zu neun Juden der zehnte zum Gebet kommen muß. wird in erster Reihe an Dr. Kohn gedacht. Er, bei dem das Religiöse zu den höchsten Idealen zählt, ist stets bereit, wo es sich um eine Mizwah handelt, mitzutun. Kein Wunder, daß ihn die jüdischen Kurgäste förmlich vergöttern und das Vertrauen, das er bei ihnen genießt, ein unbeschreibliches ist. Mir persönlich war es des öfteren gegönnt, mich mit diesem liebenswürdigen Arzt zu unterhalten. Wenn einmal dieser noch wenig bekannte Kurort seine gebührende Stellung in der Liste der berühmten Badeorte einnehmen wird, so wird es nicht zum geringsten Teil das Verdienst des in der Wiener Tandelmarktgasse praktizierenden Arztes sein. Die Eindrücke, die man in einem Badeorte gewinnt, verwischen sich mit der Zeit und geraten dann in der Regel in Vergessenheit.. Die Eindrücke aber, die ich in Bad Tatzmannsdorf gesammelt, werden mir dieses braven und guten Judenarztes wegen unvergeßlich bleiben. So und nicht anders muß ein Doktor geartet sein, wenn er das Vertrauen seiner Patienten sich erwerben will. Wie weit ein Arzt es bringen kann, wenn er seine Kranken, nicht nur mit der medizinischen Wissenschaft, sondern auch mit einem warmen menschenfreundlichen Herzen behandelt, davon überzeugte mich die große Beliebtheit Dr. Benö Kohns bei den Juden von Tatzmannsdorf. QlcrreKx. Wer zählt die heißen Gebete, die an den Sukkoth-Tagen von jüdischen Herzen zum Himmel emporstiegen, daß, wenn das Laub von den Sukkoth- Hütten fällt, kein Stein aus der Mauer fehle, die die Rechtsordnung im Staate bedeutet. Der Berliner Universitätsprofessor Dr. Hans Friedenthal, Leiter der Arbeitsstätte für Menschheitskunde, eine anerkannte Autorität auf seinem Gebiete, veröffentlichte vor einigen Tagen eine Studie, in welcher unter anderem folgende Stellen enthalten sind: „Weder die krumme Nase, noch Falten um die Augen, noch schlechte Muskelhaltung können als jüdische Merkmale irgend wie verzeichnet werden . . . Der berühmte Rassenforscher Stratz ist sogar der Meinung, daß unter allen Völkerschaften der „jüdische Typus" erzeugt wird, wo familiäre Inzucht mit hoher Bildung vereint zur Anwendung kommt ... Im allgemeinen kann man sagen, daß das jüdische Antlitz Merkmale der weißen Rasse in ganz besonders scharfer Weise zum Ausdruck bringt . . . Ueberall, wo eine hohe Kultur entsteht und wo Familien Generationen hindurch in hoher Kultur erzogen werden, nehmen die Gesichter unabhängig von der Rassenherkunft und der Rassenmischung einen Charakter an, der bei uns häufig als jüdischer Charakter angesehen wird." Genug der Zitate. Sie werden sicherlich dazu dienen, den vielen aus alten christlichen Familien stammenden Persönlichkeiten — darunter z. B. Männer, wie Graf Theodor Andrassy und der brasilianische Konsul in Bremen, die von Hakenkreuzlern für Juden angesehen und von ihnen blutig geschlagen wurden, einige Genugtuung zu bieten. Die Mißhandlungen mögen schmerzlich gewesen sein, aber sie enthielten immerhin auch einen, wenn auch unbeabsichtigten schmeichelhaften Beigeschmack. Fast an denselbem Tage, an welchem diese Studie des deutschen Professors erschien, wurden in der „Neuen Freien Presse'* Ansichten mitgeteilt, die Rabindranath Tagore, ein edler Mensen, der nebenbei auch großer Dichter und Denker ist, über Rassenfragen hegt. Er sagte u. a.: „Wer sich aus seiner Rasse heraus superior fühlt, ist als Mensch verloren, er wird unmenschlich... Ein Mensch mag einem anderen Menschen überlegen sein, fühlt sich aber ein Repräsentant einer Nation über den einer anderen erhaben, so führt dies zu Gefahren . . . Ich meinerseits anerkenne nur d i e Ueberlegenheit einer Persönlichkeit nichtaberclie einer Rass e." Tagore sprach von dem Verhältnis der Engländer zu den Indern. Wie würde Tagore aber über jene antisemitischen Auswürflinge denken, die zu Raub und Mord gegen die Juden hetzen und von denen sich jeder erhaben über den edelsten Juden fühlt, weil er zufällig als Deutscher geboren wurde. * * In einem Prozesse, in dem von den kompliziertesten, auf Milliardenspekulationen bezüglichen Börsegeschäften die Rede war, erklärte Herr Nathan