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Die Wahrheit · 1928-10-05 · Heft 40 (5.10.1928) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 40 (5.10.1928)
Date
1928-10-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 fflUffllllfllfflimilWIÜUniM munDidnnnnifin DIE WAHRHEI1 der Seele Jesu nahekommen will; diese Kunst liebe es, sich in eigene und fremde Seelenzustände zu versenken und diese mit allen Mitteln, wenn nicht zu enträtseln, jedoch restlos darzustellen. „Da machte man dann auch nicht Halt vor der Seele Jesu," wie das auch bei Emil Ludwig geschieht, der im Vorwort zu seinem „M en sehen soh n", wie er Jesu nennt, ausdrücklich hervorhebt, daß die Darstellung nur von Jesu dem Menschen (wenn auch nur in der Phantasie existierenden, fügen wir hinzu) handelt. Der Dichter versucht, Jesus „nach Art menschlicher Konflikte, Hemmungen und Entschlüsse, rein menschlich" darzustellen. Da, wie gesagt, die Historie uns im Stiche läßt, sind die verschiedenartigsten Wege gangbar. So bekämpfen christliche Gelehrte das süßliche Jesusbild; so bemerkt Otto Pro m m e 1 in seiner Schrift „Die Poesie des Evangeliums Jesu" (1906): „Es ist der größte geschichtliche Irrtum moderner Beurteiler Jesu, ihn nach der Art gewisser Maler nur unter dem Gesichtspunkt des Sanftmütigen und vom Herzen Demütigen anschauen und darstellen zu wollen"; so auch Max Maurenbrecher in seinem Buche: „Von Nazareth nach Golgatha" (1909): „Jesus ist eben nicht der gerechte und sanftmütige Madonnenjüngling gewesen, als den ihn die Maler, und nicht nur die Maler so oft schildern wollen." Emil Ludwigs Vorsatz ist gewesen, „das Innenleben des Propheten zu zeichnen", und das konnte er nur ausführen an der Hand der Evangelien, die eine ausgesprochene Tendenzschrift bedeuten, derart, daß das Judentum zugunsten des Christentums eine inferiore Stellung einnimmt. Wir vermissen bei Emil Ludwig eine o bj e k t i v e Würdigung der tatsächlichen geschichtlichen Personen und Ereignisse, wie wir sie z. B. bei Travers Herford finden. Zum Schluß sei auf Hermann Colie n, den berühmten Marburger Philosophen, hingewiesen, der in dem von uns seinerzeit geleiteten „W eg weis er für die Jugendliteratur" (September 1906) u. a. bemerkt: „Der Person Jesu gegenüber ist größte Vorsicht und Zurückhaltung nötig. Ich weiß wohl, daß Rücksichten des Friedens bei denen bestimmend sind, welche Sympathie mit dem Stifter der christlichen Religion uns anempfehlen. Aber, um mit dem Praktischen anzufangen, diese Rücksicht ist gefährlich. Sie baut dem Uebertritt die goldene Brücke. Und in den Zeiten so furchtbarer Verführung haben wir wahrlich die größte Vorsicht zu üben, um jene großen Gefahren uns mutwillig nicht selbst zu verstärken. Es ist mir in meinem Zimmer von einem jungen sogenannten Philosophen ins Gesicht gesagt worden, er habe sich taufen lassen, weil er die Person Jesu verehre. Ich durfte ihm darauf nur erwidern, daß ich seine Einseitigkeit in der Kenntnis jüdischer Persönlichkeiten nicht zu bewundern vermag. Mit meiner Meinung über jene legendarische Person, als Vorbild für unser sittliches Handeln, mußte ich solchem Besucher gegenüber zurückhalten.".Das dürfte doch wohl unseren Glaubensgenossen aus der Seele gesprochen sein. Die Juden von Tatzmannsdorf. Eindrücke aus einem kleinen Badeorte. Von Josef Qrob. Diese kleine Gemeinde im österreichischen Burgenlande, der gegenwärtig Herr Michael Gräf, ein sympathischer und intelligenter, dabei ungemein bescheidener Mann, als Bürgermeister vorsteht, wird gewiß in nicht allzulanger Zeit die Sommersensation der großen Welt werden. Ueber die große Wirkung der Heilbäder und Trinkquellen dieses wohl sehr alten, für die Oesterreicher aber erst jüngst entdeckten Badeortes hat erst jüngst die Wiener Tagespresse spaltenlange Artikel geschrieben und wäre es besonders den jüdischen Kranken zu wünschen, diesen burgenländischen Kurort aufzusuchen. Nicht allein die Heilmittel, mögen sie auch die besten sein, sind es, die dem Kurbedürftigen wohl tun und sein Leiden erleichtern. Von ebenso großer Wichtigkeit ist der ruhige Aufenthalt, der dem jüdischen Kurgast nicht überall gegönnt ist und der allein schon zur Verbesserung eines jeden Leidens einen Großteil beiträgt. Und nirgends noch, in keinem Kurorte, konnte ich diese wohltuende Loyalität, diese rücksichtsvolle Behandlung gerade den jüdischen Kranken gegenüber wahrnehmen,' wie sie in diesem judenreinen Dorf während der Badesaison den jüdischen Badegästen zuteil wird. Bad Tatzmannsdorf, das im Kreise der althistorischen „Sieben Judengemeinden" des Burgenlandes liegt, hat weder ein jüdisches Gemeinwesen, noch, glaube ich, zählt es in der saisonfreien Zeit eine Judenfamilie zu seinen Einwohnern. Mit Eintritt der Badezeit aber verwandelt sich dieser von Naturschönheit zauberhafte Ort in ein förmliches Judenstädtchen und würde man es nicht bestimmt wissen, daß es nur ein Saisonbild ist, man müßte glauben, daß man sich in einer uralten kleinen Judengemeinde befindet. Schon die Person des allgemein beliebten Präsidenten Heinrich, der Hauptaktionär der Kurdirektion, eine ehrwürdige Erscheinung, der Typ eines ausgesprochenen Kultusvorstehers, wie er in gemütlich-behäbiger Weise herumspaziert und jeden mit dem freundlichen Lächeln, das nur guten Menschen eigen ist, mit einem warmen Händedruck begrüßt, wirkt auf jeden Neuangekommenen wohltuend und beruhigend. Und unternimmt man zum ersten Male einen Rundgang durch das kleine Bad Tatzmannsdorf, so empfindet man erst recht, daß hier jüdisches Leben pulsiert, wie man es in einem anderen Kurorte, mit Ausnahme der böhmischen Weltkurorte, selten wahrnehmen kann. Zum großen Teil sind es die jüdischen Badegäste aus den streng frommen Judengemeinden im benachbarten Ungarn, die diesem Bilde das Gepräge geben. Die Männer, die in ihrer strenggläubigen Einstellung sich nicht scheuen, selbst bei den Trinkquellen, wenn es an der Zeit ist, sich hinzustellen und unter Begleitung von Musikklängen der ausgezeichneten Musikkapelle das Minchagebet zu verrichten, und nicht minder die Frauen, die ausnahmslos Perücken tragen und ihren kleinen Jungens mit den Schläfenlocken nicht früher das Wasserglas zum Trinken reichen, bis sie nicht die „Bruchoh" gemacht haben. Daß es an Sabbaten und Festtagen an regelrechten Gottesdiensten nicht fehlt, ist selbstverständlich und selbst solche Juden, die es anderswo mit den streng traditionellen Einrichtungen nicht sehr ernst nehmen, unterlassen es nicht, wenn sie am Freitag abends, oder am Samstag vormittags vor dem jüdischen Restaurant Katzburg vorübergehen und ihnen die vertrauten Klänge der jüdischen Gebete in die Ohren klingen, da einzukehren, um gemeinsam JAC. MAYER Kleider- und Gummimäntel-Industrie Export nach allen Ländern Wien IL, Glockengasse 24 Telephon R 48-4-79 Auch Detail verkauf zu Fabrikspreisen! Herrenanzug nach Maß auf Seide S 200.— Herrenraglan „ „ „ „ „ 150.— Herrenhose „ „ „ „ „ 48.— feinst ausgeführt Zeitgemäße lahlungsbedingungen! Kein Kaufzwang! Freie Besichtigung!

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