Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 40 (5.10.1928)
- Date
- 1928-10-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT ittuiuiiyuitti^^ 5elte 7 nicht; selbst wenn ihr alle Sitze in der Kultusgemeinde zufielen, es wäre auch nur eine i m Rückzugsgefecht errungene Position!" Wer lacht da? Vorsicht ist eben auch die Mutter der nationalen Weisheit. * * Wandel der Zeiten! Im Jahre 1924 hat die „Vereinigung für soziale Tätigkeit in der Kultusgemeinde", die Vorläuferin der heutigen „Werktätigen Jude 11" auf folgendes Programm kandidiert: „Die Wahlvereinigung für soziale Tätigkeit in der Kultusgemeinde erstrebt die Vereinigung aller Wähler, welche gewillt sind, die Kultusgemeinde, deren Parteien und Vorsteher die sozialen Pflichten vernachlässigt haben, zu einer Pflegestätte wahrer Demokratie und sozialer Betätigung umzugestalten.'4 Heute sprechen die Herren Genossen schon eine deutlichere Sprache. Jetzt heißt es bekanntlich im Punkt 1 ihres Programmes: „Die Vereinigung werktätiger Juden betrachtet als ihre Aufgabe: 1. Die werktätige jüdische Bevölkerung davon zu überzeugen, daß ihr Schicksal nur mit dem der Arbeiter und Angestellten dieses Landes eng verbunden ist und daß deshalb die österreichische Sozialdemokratie ihre politischen und wirtschaftlichen Interessen zu vertreten berufen "ist." Da hat man den roten Pferdefuß! Früher hieß es noch, um „alle Wähler" zu düpieren, „wahre Demokratie und soziale Betätigung", jetzt hat man, aber nur mehr für die „werktätige jüdische Bevölkerung" die Begriffe zusammengezogen und heraus kam: die Sozialdemokratie! Und dieses Hexeneinmaleins glaubt man, den Wählern ungestraft bieten zu können. Die Herrschaften werden sich täuschen. * * ■Sf. Ein unfreiwilliger B;ezieher der „Jüdischen Volksezitung" schreibt uns: „So oft ich das Blatt unerbeten zugeschickt erhalten und es gelesen habe, um auch diese Seite jüdischen „Geistes" kennenzulernen, habe ich noch stets das Bedürfnis gehabt, mir die Hände zu waschen. Und das will schon etwas heißen angesichts der Fülle von unglaublichen Anwürfen mehr oder weniger persönlicher Art, mit denen die Männer unserer Partei so Woche für Woche beworfen werden. Wie hoffnungslos muß es mit einer Sache bestellt sein, für die man in solcher Weise eintritt. Arme „Werktätige", die derartigen Unsinn zu lesen imstande sind, ohne Brechreiz zu verspüren! Dabei fordert die sozialdemokratische Partei den Austritt aus dem Judentum, ohne daß allerdings hierdurch ihr alter Glaubenssatz eine Erschütterung erlitte. Denn offenbar soll Religion Privatangelegenheit auch weiter bleiben, bloß Konfessionslosigkeit Parte i s a c h e von nun an sein." Der gesch. Einsender hat ja gewiß recht, aber deshalb zu sagen, daß die Sache der „Werktätigen" „hoffnungslos" ist, ist doch wohl übertriebener Optimismus. Die „Werktätigen" sind eben, wie mein Namensvetter r. d. in der letzten „Stimme" richtig meint, „ein merkwürdiges, nur auf dem unglückseligen Wiener Boden mögliches Gebilde." r. d. KrupniK das Modezentrum für den verwöhnten Geschmack bringt für die kommende Saison Modelte aus Paris und eigene Schaffungen von Mänteln, Kostümen, Complets, Mach' mittags' und Gesellschaftstolletten Schöne Linie, vornehme Eleganz, unerreicht billige Preise kennzeichnen unsere Erzeugnisse S Nur ¥11., KAISERSTRASSE 115 Anerkannt größtes und führendes Spezialhaus Oesterreichs i I f l Randglossen zu Emil Ludwigs „Menschensohn". Von Dr. M. S p a n i e r, Magdeburg. Es ist eine vielumstrittene Frage, ob der Stifter des Christentums, Jesus, je gelebt hat. Der Jesus- Forschung stehen authentische Geschichtsquellen nicht zur Verfügung; die Evangelien, die in Betracht kommen, sind in sich widerspruchsvoll, so daß christliche Gelehrte — Harnack an der Spitze — erklärt haben, daß aus ihnen ein Geschichtsbild Jesu nicht konstruiert werden könne. Es kann daher nicht wundernehmen, daß die Geschichtlichkeit Jesu von vielen angezweifelt und von einer „Christus-Mythe" gesprochen wird. Jüdischerseits ist man geteilter Ansicht. Während z. B. Rabbiner Dr. Klein, Stockholm, der Geschichtlichkeit Jesu in seiner Schrift „Ist Jesu eine historische Persönlichkeit?" (1910) das Wort redet, erklärt Georg Brandes, der berühmte dänische Literaturhistoriker, in seiner „Jesus-Sage" (1925): „Wilhelm Teil hat nie existiert. Nicht anders steht es auch mit Jesu". In diesem Falle wird der Phantasie, der Stimmungsmalerei Tür und Tor geöffnet. Man mag vom künstlerischen Standpunkt aus dieser Tendenz zustimmen, aber es ist dabei zu bedenken, ob nicht die überaus wichtige Wahrheitsfrage (Die Wahrheit ist das Siegel Gottes!) völlig in den Hintergrund gedrängt wird. Professor L e i p o 1 d t (Kiel) kennzeichnet in seinem Werke „Vom Jesusbild der Gegenwart" (1913) die Eigentümlichkeit der Jesus- Kunst, die darin bestehe, daß man mit allen Mitteln